In den Osten und Norden der Insel: zur Höhle Cuevas del Hams, nach Porto Cristo und Alcúdia

Sa., 30. März 2024, 6. Reisetag / 248 Tageskilometer / von Port d'Andratx zur Höhle Cuevas del Hams, weiter nach Porto Cristo, Alcúdia und zurück

Höhle "Cuevas del Hams" bei Porto Cristo
Höhle "Cuevas del Hams" bei Porto Cristo

Heute wollen wir das Geburtstagsgeschenk von einer unserer Fernschreibertöchter für ihren Papa einlösen: Zwei Eintrittskarten für die Cuevas del Hams, die "Angelhakenhöhlen" im Osten der Insel, in der Nähe von Porto Cristo.

Es gibt noch eine weitere Höhle dort in der Nähe, Coves del Drach, die "Drachenhöhle", sie ist die wahrscheinlich bekannteste unter der Vielzahl von Höhlen, die es vor allem im Osten Mallorcas gibt.

Wir freuen uns über die gelungene Überraschung und werden gerne in die Unterwelt abtauchen.

Aber erstmal liegen circa anderthalb Stunden Fahrt vor uns, die wir ja ziemlich im Westen wohnen und nun ganz in den Osten müssen, also einmal "quer über die Insel".

 

Abtauchen in die Unterwelt Mallorcas

 

Um Viertel vor elf Uhr geht's nach einem wie immer hier reichhaltigen und ausgiebigen Frühstück los. Als wir unseren Mietwagen in Augenschein nehmen, ist dieser nicht mehr grau, sondern braun-beige, genauer: saharastaub-braun. Mit kleinen Regenschauern in der vergangenen Nacht hat sich der schon gestern bemerkbar gemachte Sand aus Afrika schön auf die Autos gelegt. Die Mietwagen-Anbieter werden sich freuen, wenn sie ihre Vehikel zurückbekommen... 😬

Heute ist auch wieder - im Gegensatz zu gestern - "Höhlenwetter": 17° Celsius, bewölkt, da kann man schon mal "in den Untergrund", zumindest für 'ne Stunde.

Um kurz nach zwölf Uhr kommen wir an den Höhlen an, für halb eins können wir gleich den nächsten Time-Slot buchen. Schön!

Die Tour ist zweigeteilt: in einer ersten Höhle bekommt man in einer Präsentation zunächst in verschiedenen Sprachen die Entdeckung der Höhlen vorgestellt und danach folgt nach einem kurzen Gang in eine weitere Höhle ein Film über die Entwicklung der Erde und des Menschen, also quasi 1x Evolution in zwanzig Minuten.

Anschließend geht's wieder für circa zehn Minuten ans Tageslicht, bevor es dann in die namengebenden "Angelhakenhöhlen" geht. Hier hängen die Stalaktiten teilweise wie Angelhaken von der Decke, wachsen also am Ende wieder kurz nach oben, warum, weiß keiner so richtig. Sieht aber interessant aus.

Überhaupt ist der Trip durch die Unterwelt auch hier mal wieder etwas, was man nicht alle Tage sieht, ungewöhnlich eben. So erschlossen, mit geebneten Wegen und Geländern, beleuchtet und mit Führung in verschiedenen Sprachen hat so eine Höhle zwar immer noch etwas "Magisches", doch wenn man sich vorstellt, was im Jahre 1905 der Entdecker dieses Labyrinths aus Säulen, Gängen, Stalaktiten und Stalagmiten, mit unterirdischen Seen, in völliger Dunkelheit und in anfänglicher Unkenntnis der wahren Dimensionen empfunden haben mag, werden solche Höhlen noch mystischer und aufregender.

Gegen Ende der Führung gelangen wir zu einem glasklaren unterirdischen See, dem "Venezianischen See", 30 m unter NN, mit beleuchtetem Steg und Boot. Hier wird uns eine knapp sechsminütige tolle Multimediashow aus der Welt der klassischen Musik geboten: mit Ausschnitten aus Mozarts Opern "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte" und endet mit seinem bekannten "Türkischen Marsch", Rondo Alla Turca. Hat schon was, in dieser Umgebung!

Wieder zurück im Tageslicht, lassen wir den angrenzenden Dinopark links liegen, der sich im Grunde nur an "Jurassic Park" orientiert und eher an Kommerz als an Seriosität interessiert scheint, und überlegen, was wir mit dem noch jungen Nachmittag anfangen könnten. Es ist kurz vor zwei Uhr.

Warum nicht ins nahe gelegene Porto Cristo fahren, wieder direkt ans Meer? Gesagt - getan.

Kurze Weiterfahrt ins nahe Porto Cristo

 

Nur eine kleine Strecke ist es von den Höhlen nach Porto Cristo, aber die Suche nach einem geeigneten Parkplatz braucht fast genauso lang wie die Fahrt hierhin. Schließlich finden wir einen in der Nähe des Hafens am Straßenrand, natürlich nicht kostenfrei. In Spanien (zumindest auf "Malle") muss man beim Ticketziehen immer auch sein Nummernschild mit angeben. Eine Weitergabe des Tickets durch nette Menschen bei noch nicht abgelaufener Parkzeit an den nächsten, den man zufällig am Parkautomaten antrifft, ist somit nicht möglich...

Während wir so durch das kleine, beschauliche Hafenstädtchen tingeln, machen wir uns Gedanken über den offenkundig christlichen Namen "Porto Cristo" und werden (natürlich) im Internet fündig: "Porto Cristo erhielt seinen Namen während der christlichen Wiedereroberung der Insel im Jahr 1260 n. Chr. und bedeutet 'Der Hafen von Christus'. Man sagt, dass einst ein Boot angeschwemmt wurde, das ein Kreuz enthielt. Eine andere Legende erzählt wie ein Ochse mit einem Christussymbol durch das Dorf wanderte und sich weigerte sich von dort fortzubewegen. Einheimische sahen dies als Zeichen und nannten ihr Dorf Porto Cristo.

Porto Cristo war auch das einzige Dorf auf Mallorca, das sich am spanischen Bürgerkrieg beteiligte, als die Insel 1936 von den Republikanern erobert wurde." (abc-mallorca.de)

Im Ortskern selbst ist um die Mittagszeit jetzt in der Vorsaison nicht viel los (aber auch in den Sommermonaten bleibt es hier wohl relativ ruhig). Daher halten wir uns eher am Strand und Hafen auf.

Der feine Sandstrand hier ist schon recht einladend und das Wasser kristallklar, doch zum Schwimmen ist es (mal wieder) einfach noch zu frisch. Außerdem haben wir ja kein Badezeug dabei.

Im Hafen, der sich fast schon flussartig schmal ins Landesinnere zieht, liegen teilweise ganz schön mondäne Yachten herum.

Zwischendurch fängt es bei stetigem Wind auch an zu regnen und wir "flüchten" in einen modern gehaltenen Laden, in dem mallorquinische Delikatessen angeboten werden. Hier kaufen wir ein paar kulinarische Spezialitäten des Landes. Nicht zu viel und auch nur "leichte Kleinigkeiten" wie Olivenöl und Wurstspezialitäten, denn Platz und Gewicht im Koffer sind begrenzt. Da hat man mit dem Wohnmobil doch mehr Möglichkeiten...

Die Sonne kommt langsam wieder hervor und nach gut einer Stunde sind wir wieder am Auto. Da es erst kurz nach drei Uhr ist und das Wetter (wieder) ganz gut, beschließen wir, nun Richtung Norden, nach Alcúdia, zu fahren. Da soll es auch einen tollen langen Sandstrand und eine historische Altstadt geben.

Alcúdia im Norden mit kilometerweitem, weißem Sandstrand

 

Um kurz nach drei Uhr sind wir wieder am Auto und fahren nun Richtung Norden weiter nach Alcúdia. Auf dem Weg dahin gönnen wir dem Wagen einen vollen Tank für 1,77 €/l. Dann haben wir das auch schon mal erledigt, so dass wir nur noch kurz vor der Abgabe des Mietwagens die fehlenden Liter nachtanken müssen.

Bevor wir uns die Altstadt von Alcúdia anschauen, machen wir einen kurzen Zwischenstopp am dortigen Strand. Traumhaft! Fast schon südseeartig! Kilometerweiter, weißer Sandstrand mit kristallklarem Wasser, ab und zu von Palmen gesäumt. Und nichts los! Ist halt noch zu früh im Jahr fürs Baden.

Es gibt hier auch gar nicht sooooo viele Bettenburgen, sondern eher kleinere Appartements am Strand, die sich etwas besser in die Landschaft einfügen als Hotelberge.

 

Schöne historische Altstadt von Alcúdia mit teilweise begehbarer Stadtmauer

 

Weiter geht's nur wenige Kilometer weiter bis Alcúdia "City". Am Rand der Altstadt gibt's einen großen, sogar kostenfreien Parkplatz und um kurz nach halb fünf durchqueren wir eines der eindrucksvollen historischen Stadttore, die den Zugang zur Altstadt markieren.

Echt schön hier! Für Vorsaison-Verhältnisse fast schon "belebt" zu nennen, doch alles noch "im Rahmen". Der "Hauptweg" durch die Altstadt ist gekennzeichnet durch viele Souvenirläden und Restaurants, wie kann es auch anders sein. Aber abseits davon ist es echt urig. Besonders schön ist es, dass ein Teil der Stadtmauer zugänglich ist und nach einigen Treppenstufen in die Höhe haben wir von da oben einen tollen Rundumblick über Alt- und Neustadt von Alcúdia. Wir haben ja jetzt schon einige alte, verwinkelte Gässchen in kleinen Dörfchen wie Estellencs, Valldemossa oder Sollér gesehen, aber noch nie von oben. Ist mal ein anderer Blickwinkel, lohnt sich.

Ungefähr anderthalb Stunden laufen wir kreuz und quer durch die Altstadt, schauen hier, gucken da und sind gegen sechs Uhr wieder am Auto. Die Rückfahrt zum Hotel dauert laut Navi eine Dreiviertelstunde. Doch dieses Mal fahren wir nicht schnurstracks zur Unterkunft, sondern machen noch einen kleinen Zwischenstopp in Santa Ponça, was praktisch auf'm Weg liegt, nur zwei Küstenorte von Port d'Andratx entfernt. Hier war eine Fernschreibertochter mit ihrem Freund letzten September für zehn Tage. Da wollen wir doch mal schauen, wo die beiden so untergekommen sind.

Kurze Stippvisite in Santa Ponça 

 

Santa Ponça hat mehr Partyszene zu bieten als Port d'Andratx, meist von Engländern beherrscht, doch auch hier ist noch nicht allzuviel los. Rund um die Bucht mit Sandstrand und Holzstegen über den flachen Felsen sind viele Hotels und Restaurants noch geschlossen. Wir essen hier eine Kleinigkeit und nach gut einer Stunde brechen wir zu den letzten paar Kilometern bis zum Hotel auf. Um ziemlich genau acht Uhr ist Feierabend, nach insgesamt fast 250 km am heutigen Tag: von West nach Ost nach Norden und wieder zurück.