Und noch eine Radtour: Dieses Mal nach Lübeck

Fr., 23. Juli 2021, 3. Reisetag / 0 Tageskilometer mit Womo / Campingplatz "Naturcamping Buchholz"

Alte Speicherhäuser in Lübeck an der Trave
Alte Speicherhäuser in Lübeck an der Trave

Auch Lübeck ist von Buchholz am Ratzeburger See ziemlich gut mit dem Fahrrad (zumal E-Bikes) zu erreichen. Also nehmen wir uns das für den heutigen Urlaubstag mal vor.

 

Aber auch hier gilt: "Eile mit Weile" oder: "Wir sind ja nicht auf der Flucht!"

Also lassen wir es auch heute erstmal gemütlich angehen, hantieren am Vormittag nach dem Frühstück noch eine Weile auf dem Stellplatz herum (mal durchgefegt, Wasser nachgefüllt, Grauwasser "händisch" entleert... so was muss ja auch mal alles sein).

Gegen Mittag, ziemlich genau um 12 Uhr herum, nehmen wir dann bei bewölktem Wetter und circa 19° Celsius die 21 Kilometer bis nach Lübeck "in Angriff".

 

Natürlich suchen wir uns auch hier nicht gerade die vielbefahrenen Landstraßen aus, sondern radeln zunächst mal wieder direkt vom Campingplatz aus am See entlang. Nur dieses Mal in die andere Richtung - nach Norden. Auch hier fahren wir durch mannshohes Schilf knapp an der Wasserlinie entlang. Und immer wieder eröffnen sich kleine "Buchten", wo ein einsames Ruder- oder Segelboot liegt, was zu den teils recht mondänen Häusern gehört, die hier am Ufer des Sees stehen, umgeben von Gärten, die man schon fast als Parkanlage bezeichnen könnte.

Wir machen einen kleinen Zwischenhalt am nödlichsten Ende des Ratzeburger Sees, am Fährhaus Rothenhusen, wo der knapp 15 Kilometer lange Fluss Wakenitz beginnt. Die Wakenitz entwässert den Ratzeburger See auf natürliche Weise und auf ihr kann man - wenn man will - mit kleinen Booten bis nach Lübeck schippern. Als rechter Nebenfluss der Trave endet dort die Wakenitz und geht in die Trave über, die bekanntlich in die Ostsee fließt. Das östliche Ufer des kleinen Flusses bildet auch die Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, oder: bis vor über 30 Jahren auch die Staatsgrenze zwischen BRD und DDR...

 

 

Über Felder, durch Wälder und Wiesen führt uns unser Weg weiter nach Lübeck. Manchmal sind die Wege so klein, dass sie noch nicht einmal mehr auf Google Maps, aber auf unserer Geocaching-Offline-Karte aufgeführt sind.

Nur die letzten paar Kilometer - schon im "Speckgürtel" um Lübeck herum - fahren wir an besiedelten Straßen entlang.

Um Viertel nach zwei Uhr und 21 km weiter sind wir im Zentrum von Lübeck. Und wo dort? Natürlich am Holstentor, dem Wahrzeichen Lübecks und (zumindest für die Älteren unter uns...) bekanntes Abbild auf den früheren 50 DM-Scheinen...

 

 

Wir bleiben dort eine ganze Weile und schauen auch dem regen Treiben an der nahegelegenen Trave zu, bevor wir uns zu Fuß in die Altstadt aufmachen. Die Räder lassen wir in der Nähe des Holstentores stehen.

 

 

Am Rathaus von Lübeck findet ein kleiner "Handwerksmarkt" statt, über den wir ebenfalls ein Weilchen schlendern, nachdem wir uns schön coronagemäß mal wieder mit der "Luca-App" dort eingecheckt haben.

 

 

Nach einem kleinen Imbiss in der Fußgängerzone zur Stärkung schauen wir uns einige der berühmten Hinterhöfe Lübecks an, die zu Zeiten entstanden sind, in denen die ärmeren Handwerker und Bedienstete händeringend Unterkünfte suchten.

Die Lübecker Tourismusseite schreibt dazu:

 

"Platz ist in der kleinsten Bude

 

Entstanden sind die ersten Gangbuden zu Beginn des 14. Jahrhunderts aus purem Platzmangel, denn der Handel in der Stadt blühte auf und die Bevölkerungszahl explodierte förmlich. Der Wohnraum innerhalb der Stadtmauern reichte nicht mehr aus. So kamen geschäftstüchtige Kaufleute und andere findige Hausbesitzer auf eine Idee: Sie brachen zumeist schmale Gänge durch die Vorderfronten ihrer Häuser und bauten winzige einstöckige und oft fensterlose “Buden” in ihre Hinterhöfe. Der Begriff "Bude" stammt vom lateinischen "boda". Eine grundbuchamtliche Unterscheidung von einem Haus (Domus). Diese vermieteten sie an Bedienstete, Tagelöhner, kleine Handwerker und einfache Seeleute mit ihren Familien. Knapp 80 % der Bevölkerung lebte in Buden."

 

Mitten in der Altstadt entstanden auf diese Weise Oasen der Ruhe und Stille, früher sicher als "Nebeneffekt", heute heiß begehrt und sehenswert. Viele dieser Hinterhöfe sind auch heute noch zu besichtigen, obwohl sie "ganz normal" bewohnt werden. Daher wird auch immer um besonderen Respekt für die Bedürfnisse der Bewohner gebeten, die diese Hinterhöfe sehr oft besonders liebevoll hegen und pflegen.
Als Erstes schauen wir uns den Füchtings Hof an.

 

Füchtings Hof in Lübeck
Füchtings Hof in Lübeck

 

Danach steuern wir den Glandorpshof mit Glandorpsgang an.

 

Der Bäckergang, den wir anschließend aufsuchen, ist von der Straßenseite aus so unscheinbar, dass man die schmale Gasse auch glatt übersehen könnte. Aber sobald man sich durch den dunklen Gang "hindurchgewunden" hat, wird es wieder sehr malerisch dahinter.

 

Das Schöne ist: Wir sind in all den Gassen und Höfen immer fast alleine, die anderen Touristen sind scheint's irgendwo anders...

 


 

Gegen halb sechs Uhr ziehen wir wieder Richtung Trave und Holstentor. Wir entscheiden uns dagegen, hier in Lübeck zu Abend zu essen, da wir ja noch über 20 Kilometer mit dem Fahrrad wieder zurückfahren müssen und wir dies, ebenso wie gestern, lieber im Hellen machen möchten. Auch der Weg nach Lübeck führte uns über viele unbeleuchtete kleine Pfade, die wir nicht nur im Schein unserer Fahrradlampen sehen möchten. Ganz abgesehen davon, dass man im Dunklen ja auch nicht viel von der Landschaft sieht, was man im Urlaub ja schon als erstrebenswert erachtet...

Also werfen wir einen letzten Blick auf die Trave, bevor wir uns um ziemlich genau sechs Uhr am Abend wieder in die Sättel schwingen.

 

 

Eine gute Dreiviertelstunde später erreichen wir wieder das Fährhaus Rothenhusen am nördlichen Ende des Ratzeburger Sees, wo wir heute Mittag schon kurz Halt gemacht haben. Und da wir "gut in der Zeit liegen", es nur noch sechs Kilometer bis zum Womo sind und wir ziemlichen Hunger haben, entschließen wir uns dazu, hier zu Abend zu essen. Die Preise stimmen, die Essensauswahl ebenso und das Restaurant ist nicht zu voll, hält sogar noch Tische auf der Terrasse mit unverstelltem Blick auf den See für uns bereit. Auch hier fragen wir uns zum wiederholten Male, wo denn die Touristen so alle Urlaub machen, wo es doch heißt, in Corona-Zeiten boomt der Urlaub in Deutschland... na, jedenfalls nicht am Ratzeburger See... aber uns soll's recht sein! Wir haben nichts gegen idyllische Örtlichkeiten und freie Restaurantplätze...

 

 

Um acht Uhr nehmen wir nach einem leckeren Essen die letzten sechs Kilometer des Weges in Angriff und als ob uns die Idylle hier am See nochmal deutlich vor Augen geführt werden soll, entdecken wir in der Stille des Abends am See einen Fischreiher im Schilf, der reglos auf Beute wartet. Er lässt sich von uns kaum stören, obwohl er sich ganz in der Nähe einer der vielen kleinen Yachthafen aufhält und Menschen daher sicherlich kennt.

Er gibt zum Schluss des Tages noch ein nettes Fotomotiv ab, bevor wir um genau halb neun Uhr, nach 43 Kilometern auf dem Fahrrad und einigen Kilometern zu Fuß in Lübeck wieder am Womo ankommen.

Ein weiterer schöner Besichtigungstag von Stadt und Land geht dem Ende zu.