Grachtenfahrt und Rijks-Museum - dem Wasser und der Kunst auf der Spur

Sa., 19. Oktober 2019, 3. Reisetag / Null Tageskilometer mit Womo / Gaasper Camping Amsterdam

Per Boot durch die Grachten von Amsterdam
Per Boot durch die Grachten von Amsterdam

Heute wollen wir uns unter anderem die Stadt vom Wasser aus ansehen. Mit der Anmeldung auf dem Campingplatz bekamen wir ein Heftchen in die Hand gedrückt, das lauter kleine Gutscheine mit Rabatten auf bestimmte Aktivitäten in Amsterdam enthält. Darunter auch eine Fahrt mit einem der flachen Touristenboote. Allein sechs verschiedene Anbieter hielt das Heftchen bereit! Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Bootsunternehmer, die die Touristen hin - und herschippern, exklusivere auch, mit edler Verköstigung an Bord oder in alten, kleineren Holzkähnen, oder in ganz offenen Booten, oder, oder, oder...

Unser gewählter Gutschein gibt die eineinviertelstündige "Standardvariante" der ganz normalen Boote mit Glasbedachung und kleiner Außenfläche der "Blue Boat"-Flotte vor, die nicht nur auf der Amstel in der Altstadt umherschippert, sondern auch im Vergleich zu anderen Anbietern ein Viertelstündchen länger durch den Außenhafen.

Dafür kostet es auch ein wenig mehr... wir zahlen für die 75 Minuten 54 € für uns vier. Unsere Töchter hier wieder zum Erwachsenentarif. Darin enthalten sind schon 20 € Rabatt durch besagten Gutschein vom Campingplatz. Was wir Touristen ein Geld ins Land schleppen... Da hätte sich für uns doch fast schon die Amsterdam Citycard  gelohnt... aber na ja, jetzt auch nicht mehr...

Vor der Grachtenfahrt steht noch die Organisation ums Rijksmuseum...

 

Bevor wir um kurz vor halb eins vom Campingplatz losziehen, kaufen wir uns im Womo erst noch Online-Tickets für das Rijksmuseum, dem niederländischen Nationalmuseum, den Künsten, der Geschichte und dem Handwerk gewidmet. Dann brauchen wir das vor Ort nicht zu machen und ist je ein Euro billiger. Der Kauf geht viel schneller und unkomplizierter als gestern der "Wettkampf" um die Tickets fürs Anne Frank-Haus. Heute zahlen nur wir beiden Eltern jeweils 19 €, Jugendliche bis 18 Jahren sind hier tatsächlich noch kostenfrei, brauchen aber dennoch eine eigene Eintrittskarte.

Das Museum ist ein Muss für jeden Amsterdam-Besucher, wie uns der Reiseführer erklärt (neben so vielen anderen Sachen, die man besichtigen sollte...).

Online-Ticket Rijksmuseum
Online-Ticket Rijksmuseum
Zusatzticket Sonderausstellung
Zusatzticket Sonderausstellung

Geplant haben wir den Besuch des Museums heute nach der Bootsfahrt. Für die Sonderausstellung Rembrandt-Velázquez, die noch bis zum 20. Januar 2020 läuft, haben wir auch Tickets, die es kostenfrei obendrein gibt, aber die Karten sind wieder mit einem Time-Slot behaftet, für uns dieses Mal von halb vier bis fünf Uhr am Nachmittag. Mal sehen, ob wir das schaffen und in Anspruch nehmen wollen.

Für das Rijksmuseum gibt es sogar eine eigene App, die wir uns noch im Womo auf jedes Handy herunterladen und Ohrhörer einstecken, um unseren privaten Audioguide im Museum parat zu haben.

Werbung für die Canal Cruise
Werbung für die Canal Cruise

Auf zur Bötchentour!

 

Mit der Metro sind wir bald an der Station Weesperplein, drei Haltestellen vor der Centraal Station, um von dort aus den Rest mit der S-Bahn zurückzulegen. Rijksmuseum und die Ablegestelle der Cruise Tours der "Blue Boat"-Flotte sind nur wenige 100 m entfernt voneinander.

 

Verköstigung ist hier nicht vorgesehen, aber das macht auch nichts, wir haben unseren eigenen Proviant dabei, den wir während der Fahrt mümmeln können. Am Tisch gibt es ebenfalls die Gelegenheit, mittels Ohrhörer (eigene oder welche an Bord) Informationen über das zu Sehende zu bekommen, in 21 Sprachen. Das ist ja für das internationale Amsterdam ganz schön, doch "fesselt" es einen an den Tisch.

Schiff der Blue Boat-Flotte
Schiff der Blue Boat-Flotte

Wenn man - wie ich - praktisch die ganze Zeit auf dem Außendeck ist, um bei dem schönen Wetter besser Fotos machen zu können, nützt einem der Audioguide am Tisch auch nichts. Aber es gibt Schlimmeres... Um halb zwei Uhr legen wir pünktlich ab.

 

 

In den Außenhafen mit dem modernen Amsterdam

 

Nach circa der Hälfte der Fahrt kommen wir zum Außenhafen, wo wir tolle Sicht auf verschiedene markante Gebäude haben (die wir uns beim nächsten Amsterdambesuch noch alle "vorknöpfen" können...): Zunächst fällt unser Blick auf das Eye Filmmuseum, direkt daneben steht der Adam Tower mit Europas höchster Schaukel "Over the Edge", also "Über den Rand".

 

Links: Eye Filmmuseum, rechts Adam Tower mit A'dam Lookout, den überhängenden Schaukeln vom Skydeck, Europas höchste Schaukel "Over the Edge"
Links: Eye Filmmuseum, rechts Adam Tower mit A'dam Lookout, den überhängenden Schaukeln vom Skydeck, Europas höchste Schaukel "Over the Edge"

 

Wir schippern weiter, sehen linkerhand die rückwärtige Ansicht der Centraal Station, des Amsterdamer Hauptbahnhofs, mit seinem halbrunden langgestreckten Dach und dem markanten Schriftzug "Amsterdam" obendrauf.

Und schon wartet "gegenüber" das nächste spektakuläre Gebäude auf uns: Das NEMO Science Center, das wie ein riesiges sinkendes Schiff im Hafen liegt.

 

NEMO Science Center
NEMO Science Center

 

Ein Blick in die Vergangenheit mit dem Dreimaster "Amsterdam"

 

Ein Stückchen weiter drehen wir die Uhr in die Vergangenheit zurück: mit dem Nachbau des Dreimasters Amsterdam aus dem Jahr 1747, der nur 18 Tage nach seiner Jungfernfahrt im Sturm vor der englischen Küste bei Hastings unterging, wird das Zeitalter der Segelschiffe auf den großen Ostindienrouten lebendig.

"Nebenan" liegt noch ein weiterer Dreimaster, der da aber scheinbar nur zeitweise liegt und von dem ich keine weiteren Informationen habe (vielleicht hätte der Audiogiude etwas dazu zu sagen, aber ich bin ja die ganze Zeit auf'm "Außendeck"...). Das Schiff heißt "Stad Amsterdam", wie man dem Schiffsnamen am Bug entnehmen kann und sieht auf jeden Fall moderner, aber nicht minder eindrucksvoller aus.

 

Nachbau des Dreimasters "Amsterdam" der Ostindienkompanie von 1749
Nachbau des Dreimasters "Amsterdam" der Ostindienkompanie von 1749

 

Weiter auf der Amstel und durch die "Hausboot-Siedlung" zurück in die Grachten

 

Die Fahrt geht wieder zurück in die Altstadt. Dabei durchqueren wir manche Klappbrücke und Schleuse auf der Amstel, die hier breiter ist als die Grachten, die von ihr abzweigen. Aus der Ferne entdecken wir auch das Gebäude der Nationaloper&Ballett und passieren das edle Amstel-Hotel.

Während dieses Schiffsausflugs hätte sich eine GPS-Trackaufzeichnung wirklich gelohnt, damit wir als Ortsfremde auch genau hätten nachvollziehen können, welche Wasserstraßen wir entlanggetuckert sind. So hilft uns nur die ungefähre Orientierung mit der Google Maps-Karte und dem Vergleich mit den Fotos.

 

Bootsfahrt auf der Amstel
Bootsfahrt auf der Amstel, vorbei an prächtigen Fassaden

 

Kurz vor dem Ende der Fahrt durchqueren wir sehr langsam, mit 6 km/h wegen des Wellenschlags, die Hausboot-Siedlung. Auf den ersten Blick stellt man sich so ein Leben auf einem Hausboot in den Amsterdamer Grachten recht romantisch vor: Leichtes Geschaukel wiegt einen in den Schlaf... Aber auch den Kaffee in der Kaffeetasse...

Aber: Die Touristen - also wir - können auf den beständig fahrenden Ausflugsbooten ziemlich ungehindert Einblick nehmen, gerade wegen der langsamen Fahrt, die hier vorgeschrieben ist. So richtig Privatsphäre hat man da auch nicht. Aber trotzdem hat das Leben auf einem Hausboot was...

 

Hausboot-Siedlung in den Grachten von Amsterdam
Hausboot-Siedlung in den Grachten von Amsterdam

 

Nach der Hausbootsiedlung fahren wir noch kurz vor'm Anlegen am Rijksmuseum vorbei, das ja unsere nächste Station sein wird. Um 14.40 Uhr sind wir wieder am Steg. Auf dem kurzen Weg zum Museum - immer am Wasser entlang - fallen uns die prächtigen Villen in diesem Stadtviertel auf.

 

 

Meisterwerke im Rijksmuseum

 

Um ziemlich genau drei Uhr am Nachmittag betreten wir das Rijksmuseum, nachdem wir zuvor noch grandios spielenden Straßenmusikern im klangverstärkenden "Gewölbe" vor dem Eingang zum Museum eine Weile zugehört haben. Das müssen ausgebildete Musiker sein, die hier ihre Kunst "nebenher" präsentieren. Klassische Werke wie die bekannte Toccata von Johann Sebastian Bach waren da zu hören, virtuos dargebracht nicht auf einer Orgel (wie auch, bei Straßenmusikanten?), sondern mit Akkordeon, Posaune oder mit Geige, Kontrabass und gar Balalaika. Toll!!

 

 

Wir widmen uns unserer zuvor heruntergeladenen App des Museums und bald zieht es die Massen - wie auch uns - natürlich zum bekanntesten Werk Rembrandts van Rijn (den man eigentlich nur unter seinem Vornamen Rembrandt kennt), der Nachtwache, das hier im Original hängt.

Allerdings befindet sich dieses Bild hinter einem großen Glaskäfig, in dem eine Frau - völlig unbeeindruckt von den ganzen Menschenmassen vor ihr -  vor einem Computer sitzt, der scheinbar mit einer beweglichen Konstruktion auf Schienen verbunden ist, die langsam vor dem Bild herfährt. Wahrscheinlich wird es der Restauratorin somit möglich, millimeterweise und digital alle Besonderheiten des Bildes zu untersuchen und festzuhalten. Somit ist es uns Besuchern gar nicht möglich, so nah an das Werk heranzukommen wie es bei den anderen Meisterwerken möglich ist.

 

"Die Nachtwache" von Rembrandt van Rijn wird analysiert
"Die Nachtwache" von Rembrandt van Rijn wird analysiert

 

Natürlich schauen wir uns auch viele der anderen Werke an, aber irgendwann sind wir "erschlagen" von so vielen Bildern und Informationen, man kann eigentlich nicht jedem einzelnen gerecht werden. Dennoch bleibt festzuhalten, dass vor allem die Epochen des Barocks, der Gotik und Renaissance unglaublich lebensechte Figuren zuwege brachte, die in dem gekonnt gesetzten Hell-Dunkel-Kontrast wirklich lebendig wirken. Nur die Gesichter mancher Personen, vor allem die der Frauen und Kinder, wirken ab und zu alle gleich, wie Kopien des jeweils anderen. Aber das ist nur der Eindruck eines vollkommen Laien wie mir.

 

 

Ausruhen auf dem Museumsplein vor dem Rijksmuseum

 

Knapp zwei Stunden bleiben wir im Museum, quasi bis Toreschluss, denn es schließt um fünf Uhr am Nachmittag.

Draußen hören wir uns erneut - diese Mal andere - Straßenmusikanten an, ebenso gut wie diejenigen, die vor zwei Stunden da waren.

Nun verlassen wir das Gebäude des Museums auf der eigentlichen Vorderseite, hin zu einem weitläufigen Platz mit einem großen, künstlichen Wasserbecken davor. Hier befindet sich auch das van Gogh-Museum und die Banksy-Ausstellung, was wir aber nicht mehr aufsuchen.

Vielmehr bleiben wir fast eine Stunde auf dem weitläufigen Platz, laufen ein wenig herum, setzen uns in die Sonne und lassen die quirlige Atmosphäre auf uns wirken.

 

Rijksmuseum mit Museumsplein im Vordergrund
Rijksmuseum mit Museumsplein im Vordergrund

 

Um kurz nach sechs Uhr am Abend nehmen wir die S-Bahn in der Nähe des Mueums, fahren wieder zur Centraal Station, von dort aus um 18:21 Uhr wieder mit der M53 zur Endstation Gaasperplas, wo wir um 18:38 Uhr ankommen. Um zehn Minuten vor sieben Uhr sind wir wieder am Womo. Abendessen und den Tag ausklingen lassen, das steht heute nur noch auf dem Programm...

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