"Hogwarts-Express" und die "schönste Sackgasse Schottlands" - buchstäblich für uns

Sa., 3. August 2019, 10. Reisetag / 150 Tageskilometer / von Glenfinnan, Stellplatz Parking Callop nach Stellplatz Parking Spean Bridge, Invergloy, direkt am Loch Lochy, (kostenfrei), Koordinaten: N 56°59'04", W 4°52'26"

Der dampfbetriebene Jakobiter-Zug als Harry Potter-Vorbild
Der dampfbetriebene Jakobiter-Zug als Harry Potter-Vorbild

Heute sind wir früher aufgestanden, da wir uns Train-Spotting um halb elf Uhr am Viadukt vorgenommen haben. Das Wetter ist dafür super: sonnig und 22° Celsius.

Nach einem etwas schnelleren Frühstück als sonst fahren wir um Viertel nach neun Uhr wieder die drei Kilometer zum Glenfinann Monument zurück, um irgendwo dort einen Parkplatz zu erwischen. Das muss um diese Uhrzeit doch noch möglich sein! Aber auch jetzt ist die Gegend schon reichlich gefüllt mit Autos. Das darf doch nicht wahr sein! Nach etwas Hin und Her parken wir (in der letzten Lücke für unser Womo) wieder an der Kirche etwas oberhalb des Monuments, wo wir auch gestern Abend schon standen (und eigentlich auch hätten übernachten können...).

Wir wollen den Viadukt Trail, ausgehend vom niedlich kleinen Glenfinnan-Bahnhof, zum "Harry Potter-Viadukt" wandern, circa zwei Kilometer hoch in die Berge. Laut Fahrplan, den uns das Internet zeigt, fährt der historische Dampfzug "Der Jakobiter" um Viertel nach zehn Uhr in Fort William los. Wir wissen allerdings nicht genau, wann er das Viadukt erreichen wird. Halbe Stunde später? Oder mehr? Oder weniger?

Also ist "Wandern nach Fahrplan" angesagt, dementsprechend zügig geht es vom Bahnhof Glenfinnan los, den wir nach einem kurzen Fußmarsch erreichen.

 

 

Am Bahnhof selbst müssen wir erst noch eine Weile nach dem Einstieg in den Trail suchen, so klein und recht zugewachsen ist er. Aber der freundliche alte Bahnhofsvorsteher weist uns den Weg. Jetzt geht es auf einem schönen Pfad mit tollen Ausblicken auf Loch Shield und die Umgebung nach oben!

 

Blick auf Loch Shield mit Monument von Bonnie Prince Charles vom Glenfinnan Trail aus gesehen
Blick auf Loch Shield mit Monument von Bonnie Prince Charles vom Glenfinnan Trail aus gesehen

 

Um circa Viertel nach zehn Uhr sind wir in der Nähe der Brücke, im Eiltempo nach oben zum Aussichtspunkt, schnaufend wie der alte Zug... Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die Brücke und Platz genug ist auch noch da. Es werden aber im Laufe des Vormittags noch ein paar Touristen mehr kommen.

Die Zeit bis zum Eintreffen des Zuges und die Überquerung des Viadukts nutzen wir, um in der Sonne zu sitzen und einen virtuellen Cache zu lösen (Glenfinnan Viaduct: The Jacobite / Hogwarts Express), der die Aufgabe enthält, einen "Zauberstab" - in unserem Fall ein kleines Zweigchen - über der Brücke abzulichten. Wenn's weiter nichts ist!

 

 

Wir hätten uns gar nicht so beeilen brauchen! Erst um kurz vor elf Uhr kommt der "Hogwarts-Express", der nur zweimal täglich (morgens und nachmittags) fährt, langsam angetuckert, frenetisch bejubelt von den Menschenmassen, die sich mittlerweile in den Bergen rings um die Brücke verteilt haben. Was ein Erlebnis! Und das alles wegen der Harry Potter-Filme! Verrückt!! Nirgends gibt es Bänke, Mülleimer oder sonstige Infrastruktur in den Bergen, nur an den Ausgangspunkten, den Visitor Centers, wie uns auch schon beim Aufstieg zum Ben Nevis aufgefallen ist. Es gibt nur Wege und Trails, und die sind oft sehr malerisch, da recht ursprünglich gehalten. Dennoch liegt so gut wie kein Müll herum! Schottlandreisende sind wohl recht umweltbewusste Urlauber! 👍

Für dieses Bild brauchte es anderthalb Tage "Vorbereitung" bei uns:

 

The Jacobite / "Hogwarts-Express" auf dem Glenfinnan-Viadukt aus den Harry Potter-Filmen
The Jacobite / "Hogwarts-Express" auf dem Glenfinnan-Viadukt aus den Harry Potter-Filmen

 

Um halb zwölf Uhr sind wir nach einem Rückweg über das Visitor Center (der Weg hätte letztlich auch zum Viadukt geführt und wäre kürzer und bequemer gewesen, wie wir jetzt feststellen müssen. Doch dafür hatten wir vorhin den malerischeren Weg...) wieder an der kleinen Kapelle am Womo, wo uns ein Dudelsackspieler (leider in "zivil", also nicht im Kilt) mit typischer schottischer Musik begrüßt. Wie schön!

 

 

Wir wollen nun (laut Reiseführer) auf "der schönsten Sackgasse Schottlands" (Road to the Isles) zum Küstenstädtchen Mallaig, das wir um Viertel nach zwölf Uhr erreichen. Von dort aus haben wir vor, zur Isle of Skye mit der Fähre überzusetzen.

In Mallaig finden wir am "hinteren Ende der Bucht" noch einen Parkplatz. Wir laufen die paar hundert Meter ins Zentrum zurück, um Fährtickets zu kaufen und noch ein wenig einzukaufen. So langsam gehen unsere noch aus Deutschland mitgebrachten Vorräte zur Neige. Ist wirklich ein schönes Fischerstädtchen, dieses Mallaig!

 

Fischerort Mallaig mit Fähren zur Isle of Skye
Fischerort Mallaig mit Fähren zur Isle of Skye

 

Doch die Ernüchterung kommt am Fähranleger: Mit dem Wohnmobil überzusetzen ist heute nicht mehr möglich, erst am Dienstag wieder. Heute ist Samstag! Alles ausgebucht! Das hätten wir nicht gedacht... 😞

Also umorientieren! Drei Tage hier oder in der Nähe warten wollen wir nicht. Bei einer tollen Pizza aus dem Steinofen überlegen wir uns die weitere Vorgehensweise. Schließlich ist klar: Wir fahren (den einzigen Weg) zurück zu Fort William, kaufen dann dort ein - da können wir mit dem Womo direkt vor einem Lidl parken, wie uns Google Maps mitteilt und müssen nicht wie hier die Einkäufe mehrere hundert Meter schleppen. Zurück müssen wir ja eh. Wir fahren dann eben weiter nördlich über die Brücke auf die Isle of Skye, die es seit ein paar Jahren gibt.

 

Nicht nur, dass kein Fährplatz mehr frei ist, hier verliere oder verlege ich auch noch meine Gegenlichtblende des Fotoapparats (grummel...). Beim Hantieren mit dem Polfilter auf dem Objektiv nahm ich die Blende kurzzeitig ab und vergaß sie wohl wieder drauf zu schrauben. Bewusst wird mir das dummerweise erst, als wir schon fast wieder in Fort William sind...

Also verlassen wir gegen zwei Uhr das kleine, malerische Hafenörtchen Mallaig ohne Gegenlichtblende und Fährtickets. Aber immerhin sehen wir hier noch den "Jakobiterzug" stehen, der bald wieder nach Fort William zurückfährt und tun es ihm nun gleich.

 

 

Kurz vor halb vier Uhr sind wir in Fort William am Lidl, frischen eine Stunde lang unsere Vorräte auf und ziehen nun grob Richtung Isle of Skye von dannen. Unterwegs sehen wir gegen Viertel nach fünf Uhr einen recht guten Übernachtungsplatz unmittelbar am Loch Lochy. Eigentlich ist es nur ein Parkplatz direkt am Wasser und im Hintergrund ist zwar die A 82 zu hören, die wir auch entlanggekommen sind, aber der Blick über den See, zusätzlich mit Schotterstrand, entschädigt für die nahegelegene Straße. Toller Ausblick! Der Wind frischt nun am Nachmittag auf, der See rauscht ganz schön! Ich bin auch mal bis zu den Waden im Wasser, ist aber ganz schön kalt! Sehr klar sind die zahlreichen Lochs hier alle, wie die Seen in Schottland bekanntermaßen genannt werden, aber recht dunkel, gelblich gar vom torfigen Untergrund.

Wir beschließen spontan, dass für heute mit der Fahrerei Schluss ist und bleiben hier. Wir müssen ja nicht immer bis kurz vor'm Dunkelwerden auf Übernachtungssuche gehen. Außerdem muss das Wohnmobil mal ab und zu von innen etwas sauber gemacht werden. Der Wechsel zwischen Regen und Sonne mit entsprechendem Schuhwerk im Womo fordert seinen Tribut.

Und bei Lidl gab's vorhin zufällig schwarzes Panzertape. Damit überklebt Herr Fernschreiber das weiße Panzertape, das bisher unseren rechten Außenspiegel zusammenhält. Kann ja nicht schaden und zudem ist der Schaden nun ein bisschen unauffälliger.

Da wir heute Mittag ja schon die leckere Pizza hatten, fällt jetzt das Abendbrot ein wenig kleiner aus, dafür können wir umso länger das Wechselspiel der Farben zwischen Sonne, Wolken und Wind über dem Loch Lochy genießen.

 

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Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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