Ab auf die Insel!

Do., 25. Juli 2019, 1. Reisetag / 342 Tageskilometer / von Soest über Hoek van Holland nach Ramsey, Harwich, Home Farm CL, (10 €), Koordinaten: 51°56'02.7"N 1°12'33.6"E

 

Schornstein der Stena Line
Schornstein der Stena Line

Auch dieses Jahr in der Sommerzeit gehen Eltern und Töchter Fernschreiber urlaubstechnisch getrennte Wege.

Die zweiwöchige Korsika-Freizeit der ev. Jugend Soest-Lippstadt, an der unsere mittlerweile 17-jährigen Zwillingstöchter schon letztes Jahr teilgenommen hatten, schlug so hohe Begeisterungswellen, dass sie erneut den Wettbewerb um die bevorzugte Urlaubsform beim Nachwuchs gewonnen hat, zumal sehr viele der letztjährigen Teilnehmer auch dieses Mal wieder dabei sind, die Gemeinschaft der Jugendlichen also toll war.

So bleibt uns am heutigen Morgen - besser gesagt tief in der Nacht um 3 Uhr - nur die Aufgabe, die Töchter zum nahegelegenen Bus-Treffpunkt zu bringen.

Wir verabschieden sie mit der Bitte, sich nach Ankunft auf Korsika (immerhin sind sie fast zwei Tage mit Bus und Nachtfähre übers Mittelmeer unterwegs) unbedingt zu melden (wahrscheinlich ist das dann auch das erste und letzte Mal...), wünschen eine gute und stressfreie Fahrt und mindestens wieder so viel Spaß wie im letzten Jahr.

Die Abfahrtszeit nach Korsika mitten in der Nacht ist nicht gerade dazu geeignet, frisch ausgeruht in den eigenen Urlaub zu starten. Aber wir wollten es ja nicht anders... Damit auch wir Eltern möglichst bald in den Urlaub starten können und wir "keine Zeit verlieren", buchten wir Mitte April ebenfalls für heute die Fähre nach Großbritannien.

Sobald klar war, dass die Briten - und damit auch die Schotten - nicht wie eigentlich vorgesehen Ende März diesen Jahres aus der EU austreten (was so viele Unwägsamkeiten mit sich gebracht hätte), packten wir die Gelegenheit beim Schopf und planten den Schottland-Urlaub, der uns schon einige Zeit im Kopf herumschwirrrte.

 

Heute um Viertel nach zwei Uhr legt die Fähre von Hoek van Holland nach Harwich, etwas nördlich von London, ab. Das heißt, wir können uns nach der Verabschiedung der Töchter kaum Schlaf gönnen, um rechtzeitig am Fähranleger zu sein. Rund 340 km gen Westen liegen vor uns...

Den Schlaf hoffen wir dann auf der rund sechseinhalbstündigen Überfahrt ein wenig nachholen zu können, bis wir gegen Viertel vor acht Uhr Ortszeit in Harwich ankommen. Ein, zwei Tage wollen wir uns noch Nordengland anschauen, bevor es dann nach Schottland geht.

 

Es geht los!

 

Um 02:10 Uhr ist für uns nach einem buchstäblich heißen "Packtag" die tropische Nacht in Soest zu Ende (immer noch 23° Celsius mitten in der Nacht), die Töchter haben "durchgemacht" und fahren um Punkt 03:23 Uhr mit dem Bus in Richtung Süden.

Wir selbst brechen noch nicht mal eine Stunde später, um Viertel nach vier Uhr, zunächst gen Westen auf.

Heute soll es nochmal wärmer werden als gestern. Da waren es schon 36° Celsius. In Soest soll das Thermometer die 40°-Marke schrappen. So kann man fast froh sein, auf "die Insel" zu fahren. Dort soll es laut Wetter-App nur so 20°-25° Celsius "warm" sein, in den Highlands noch weniger. Wir werden sehen...

Nur wenige Minuten nach sechs Uhr am Morgen erreichen wir die Niederlande und um Punkt acht Uhr stehen wir nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt in einer der nur vier vorhandenen Wartespuren am Fähranleger in Hoek van Holland. Klein und niedlich, der holländische Check-In, aber das Schiff der Reederei Stena Line ist schon recht groß! Ganz anders als in Dünkirchen mit DFDS, von wo aus wir schon dreimal zuvor Richtung Dover in See gestochen sind.

Hier herrscht um diese Uhrzeit noch Ruhe, der Check-In ist noch verschlossen. Wir sind hier ganz allein auf weiter Flur. 25° Celsius, sonnig.

Wir schließen noch ein wenig die Äuglein, immerhin haben wir heute noch nicht viel Schlaf bekommen.

Gegen zehn Uhr gibt's 'nen Kaffee und wir frühstücken erstmal im Womo.

Ganz allmählich füllen sich die wenigen Wartespuren, doch so richtig voll ist es nicht. Schon gegen halb zwölf Uhr öffnet der Check-In,  niederländische wie britische Passkontrolle ist eine Sache von wenigen Minuten. Danach warten wir noch knapp eine halbe Stunde auf einer weiteren Wartespur, bis wir um Viertel nach zwölf Uhr im Bauch des Schiffes stehen und wir es uns wenig später im "Living-Room" bequem machen. Eine Kabine für die sechseinhalb Stunden Fahrt haben wir nicht gebucht. Das Schiff legt ja erst um Viertel nach zwei Uhr ab, das heißt, wir müssen erstmal zwei Stunden "rumkriegen", bevor überhaupt der Anker gelichtet wird... Viel Zeit fürs "Nichtstun"...

 

 

Einmal quer über die Nordsee, bitte!

 

Das Wetter während der Überfahrt ist herrlich. Erst sitzen wir in einem der Aufenthaltsbereiche an Deck 9, nach circa drei bis vier Stunden dort verbringen wir die Zeit lieber in der Sonne an Deck.

Leider achte ich nicht schnell genug darauf, den Offlinemodus des Handys auf der Fähre einzuschalten. Ich werde wohl irgendwie automatisch in das Wlan des Schiffes eingeloggt und bin am Ende rund 15 € los, wie eine Überprüfung des Guthabens ergibt. Für nichts. Ärgerlich, das wird mir für die Rückfahrt eine Lehre sein.

Wir essen in der Sonne unsere mitgebrachten Vorräte und um Viertel vor acht Uhr Ortszeit (Uhren sind eine Stunde zurückgestellt) öffnet sich pünktlich wieder der Bauch des Schiffes. Wir sind in Harwich. Der Hafen selbst ist recht groß, aber die Stena Line legt ein ganzes Stück weiter im Inland an. Harwich liegt an einer Meeresenge. Fast schon flussartig.

Es sind ca. 25° Celsius, aber es ist extrem schwül, Regenwolken hängen neben einem Rest von Sonnenschein schon in der Luft, ein paar Tropfen gibt es auch schon. Davon war auf dem Meer überhaupt noch nichts zu spüren?!

 

Wo übernachten?

Wir entscheiden uns, nach Ramsey zu fahren, neun Minuten entfernt vom Hafen, auf einer Certificated Location des Caravan and Motorhome Clubs, dessen Mitglieder wir noch sind. Gefunden haben wir die CL allerdings durch die holländische App "Campercontact" (die uns während dieses Urlaubs noch so einige Übernachtungsmöglichkeiten aufweisen wird).

Die CL kostet nur 10 £, ist also viel billiger als der Dovercourt Camping Park in Harwich, für den wir 25 £ hätten zahlen müssen und der uns zunächst vorschwebte. Aber für die paar Stunden ist uns das zu viel Geld, wir brauchen weder Strom noch Wasser oder sonstwas, sind ja noch mit allem versorgt.

 

So leitet uns die Handy-App HERE ohne Probleme zum Stellplatz und um genau 20:03 Uhr stehen wir auf dem Bauernhof, mit Wasserhahn direkt hinter'm Womo. Eine Toilette mit Waschbecken (aber ohne Klopapier und Seife) in einem urigen Holzschuppen gibt es auch. Lieblich wächst das Efeu von außen zwischen Fundament und Holzwänden hindurch... Doch sauber ist es!

Übersichtskarte
Übersichtskarte
Details zur CL "Home Farm"
Details zur CL "Home Farm"

Der Farmer ist sehr nett, er will entweder 10 € oder 10 £ haben und spricht vom "stupid Brexit"... Da geben wir ihm natürlich lieber 10 €...

Von hier aus - wir stehen etwas erhöht - sehen wir noch die Skyline des Hafens von Harwich.

Kaum sind wir nach der Bezahlung und einem kurzen Plausch mit dem Farmer wieder am Womo, donnert ein Gewitter erster Güte auf uns herab. Nichts mit draußen sitzen... im Gegenteil, es blitzt, donnert und regnet so sehr, dass wir alles dicht machen müssen. Tolles englisches Wetter zur Begrüßung! Und in diesem Unwetter kommt ein weiteres, holländisches, Wohnmobil auf die Wiese gefahren. Es sind unsere beiden "Tischnachbarn" von der Fähre. Was ein Zufall!

Das Gewitter hält sich ziemlich hartnäckig und es ist schon Viertel nach neun Uhr Ortszeit, in Deutschland Viertel nach zehn. Mal sehen, was die Nacht noch bringt. Jetzt ist nach einem sehr langen Tag erstmal Schluss für heute!

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Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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