"Terme di Saturnia" - Ein warmes Bad in der Natur

Mi., 8. August 2018, 14. Reisetag / 354 Tageskilometer / vom Stellplatz "Area Sosta Camper l'Alveare dei Pinzi", Manciano (Toskana) nach Deiva Marina (Ligurien, ital. Riviera), Stellplatz auf einem Parkplatz "Parking", Koordinaten: 44.2215659,9.5270451

Cascate del Mulino - die Sinterterrassen von Saturnia
Cascate del Mulino - die Sinterterrassen von Saturnia

Die Nacht war zwar sehr ruhig, aber es hat so sehr nach dem Schwefel der Therme - also "faulen Eiern" - gestunken, dass wir nachts die Jalousien am geöffneten "Bettfenster" geschlossen haben (das Fenster ganz schließen, dazu war es zu warm...), damit der Gestank nicht ganz so direkt reinweht. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es unmittelbar an den Sinterterrassen keine Übernachtungsmöglichkeit gibt... jetzt, am Morgen und auch gestern tagsüber, ist von dem Schwefel hier nichts mehr zu riechen... komisch... Nachtkühle? Windrichtung?
Wir ziehen nach dem Frühstück draußen im Schatten bei rund 28° Celsius unsere ältesten Badeklamotten an und wollen mit dem Shuttlebus um elf Uhr zu den Sinterterrassen fahren. Der ist für Campinggäste kostenfrei, also nehmen wir das Angebot gerne an. Ideal wäre es gewesen (und für uns unabhängiger), wenn wir mit den Fahrrädern die Strecke hätten fahren können... aber wir haben ja nur noch eins...

Mit dem Shuttlebus zu den Thermen

 

Nur vier Minuten dauert die Fahrt mit dem Shuttlebus, dann sind wir schon da. Voll ist es hier, meine Güte! Eigentlich ist es ja ein ganz normaler Mittwochvormittag, doch die Italiener haben selbst auch Ferien und da das Ganze hier auch kostenfrei ist, wird dieses Ausflugsziel wohl sehr gerne angenommen.

Wir waten mit Flip-Flops durch den warmen Fluss etwas unterhalb der Sinterterrassen auf das gegenüberliegende Ufer zu, weil da etwas weniger Betrieb herrscht, und suchen uns irgendwo zwischen Büschen und Steinen noch ein kleines, leider vollkommen schattenloses Plätzchen. Da wir unsere Habseligkeiten nicht unbeaufsichtigt lassen wollen, probieren wir nacheinander das warme Wasser aus. Es ist gar nicht so einfach, in der Strömung des Flusses mit Flip-Flops das Gleichgewicht zu halten, bis man eine Stelle gefunden hat, an der man sich niederlassen will...

Tatsächlich schwimmen in dem warmen Schwefelwasser bei näherem Hinsehen viele kleine, rote "Würmchen", auf die schon am Stellplatz per Infotafel hingewiesen wurde. Die sind zwar wohl völlig harmlos, trotzdem ist es ein komisches Gefühl, im warmen Wasser zu sitzen, um einen herum schwimmen lauter Larven. "Saturnino chironomus", so lautet der Name des kleinen, roten Gesellen, eine Zuckmückenlarvenart, in sauerstoffarmen Gewässern oft rot, wie hier auch.

 

Die schwefelhaltigen, 37° Celsius warmen Thermalquellen an den Sinterterrassen in Saturnia
Die schwefelhaltigen, 37° Celsius warmen Thermalquellen an den Sinterterrassen in Saturnia

 

Erfrischend ist ein Bad in konstant 37,5° Celsius warmem Wasser bei circa 32° Celsius Außentemperatur nicht wirklich, doch interessant allemal. Trotzdem bleiben wir jeweils nicht allzu lange im Wasser. Der Grund: Ein Blick gen Himmel zeigt uns, dass am Horizont viele dunkle Wolken aufziehen. Der Shuttlebus zurück zum Stellplatz ist um 12:30 Uhr gerade abgefahren, der nächste kommt erst um 14:00 Uhr. So lange wollen wir hier aber nicht mehr bleiben, also beschließen wir, zu Fuß zurückzulaufen, ist ja nur circa ein Kilometer. Also machen wir uns leicht bekleidet auf den Rückweg, die Sonne sticht, Wind kommt auf, in den Hügeln blitzt und donnert es, als wir so entlang der Straße zum Stellplatz zurücklaufen. Da braut sich was zusammen und unsere Schritte werden immer schneller...

 

 

Blitz und Donner begleiten unseren Fußmarsch zum Stellplatz

 

Kurz vor ein Uhr am Nachmittag sind wir wieder am Womo und das sogar noch trockenen Fußes! Wir packen draußen schon mal alles ein, da wir nach dem Duschen und - wenn möglich - nach Ver- und Entsorgung so langsam wieder gen Norden, Richtung Heimat aufbrechen wollen, der Urlaub nähert sich leider langsam seinem Ende.

Kaum sind Tisch und Stühle eingeräumt, fängt es mächtig an zu gewittern und zu regnen! Glück gehabt und rechtzeitig von den Quellen aufgebrochen! Eine Dreiviertelstunde lang öffnet der Himmel seine Schleusen, während wir die Zeit im Womo nutzen, um zu duschen und alles abfahrbereit zu machen.

 

Die Heimreise steht bevor

 

Gegen zwei Uhr verzieht sich das Unwetter allmählich und kurz danach brechen wir auf. Zunächst noch ver- und entsorgen wir im Regen und immer noch bei Donnergrollen auf dem Stellplatz, es sind nur noch 21° Celsius, auch mal ganz angenehm. Nach dem Bezahlen um halb drei Uhr geht es endgültig "auf die Piste", grobe Richtung Heimat. An der winzigen Tankstelle nur circa 500 m entfernt wollen wir für 1,50 €/l tanken, doch der Self-Service funktioniert scheinbar nur mit örtlicher Karte, nicht mit Bargeld und Kredit- oder EC-Karte, also weiter. Auch an der zweiten Tankstelle, die wir anfahren, funktioniert das Tanken nicht mit Mastercard oder Visa, also wieder weiter, gut, dass wir immer frühzeitig genug nach Tankgelegenheiten Ausschau halten, sonst würde es knapp werden im Tank...

Während der gesamten kurvigen Fahrt über kleine Straßen begleiten uns rechts und links des Weges weiterhin ausgedehnte Weinberge. Wir sind immer noch im "Brunello-Land".

Halb vier Uhr ist durch, wir sind kurz vor Grosseto, der etwas größeren Provinzstadt. Der Regen hat sich zwischenzeitlich ganz verzogen, es wird langsam wieder sonnig und die Temperatur steigt wieder auf 34° Celsius an. Hier starten wir unseren dritten Tankversuch für 1,47 €/l bei einer urigen kleinen Tankstelle, schließlich erfolgreich. Das sehr nette alte Pächter-Paar sitzt draußen auf einer Bank an der Tankstelle und im kuriosen Tankshop gibt's quasi "alles", sogar Matratzen... vollgetankt und zum Abschied uns gegenseitig zugewunken wie alte Bekannte, obwohl nur mit Händen und Füßen verständigt, fahren wir schließlich weiter.

Um halb fünf Uhr sind wir aus den Bergen heraus und wir befinden uns auf größeren Schnellstraßen erneut Richtung Siena. Es hat sich wieder abgekühlt auf 28° Celsius und es ist erneut ziemlich bewölkt. Das Wetter wird für den Rest des Tages sehr unbeständig und regnerisch bleiben. Um viertel vor fünf Uhr fahren wir westlich an Siena vorbei und auf einem kleinen Parkplatz übernimmt nun Frau Fernschreiberin das Steuer. Es ist weiterhin regnerisch und sehr bewölkt um Siena herum. Was ein Unterschied im Vergleich von vor ein paar Tagen!

 

 

Florenz passieren wir gegen sechs Uhr am Abend bei wieder 34° Celsius - wie gesagt, sehr "abwechslungsreiches" Wetter heute. Eine Dreiviertelstunde später sind wir an Pisa vorbei und fahren dort auf die Autobahn. Carrara, die Stadt des berühmten weißen Marmors, bei der wir auf der Hinfahrt auch schon übernachteten, lassen wir kurz nach sieben Uhr abends "links liegen". Rechts von uns sehen wir während unserer Fahrt gen Norden stundenlang den eindrucksvollen Gebirgszug der Apuanischen Alpen. Schließlich geht's dann Richtung Genua.
Bologna wollen wir vermeiden, da dort vor zwei oder drei Tagen ein Tanklastzug explodiert ist und ein Teil der Autobahnbrücke dabei beschädigt wurde. Herr Fernschreiber meint, man solle Bologna daher noch großräumig umfahren.

 

 

Ankunft am Stellplatz in Deiva Marina in den Apuanischen Alpen am Golf von Genua

 

Bei Deiva Marina, nördlich von La Spezia, verlassen wir die Autobahn, zahlen 12,80 € Maut und suchen nun mitten in den "italienischen Alpen" (Apuanischen Alpen) nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das ist hier aber gar nicht so einfach, die Gegend scheint eine beliebte Ferienregion zu sein. Zwei Campingplätze am Meer fahren wir ohne Erfolg an; beide sind voll belegt.

Um kurz nach acht Uhr am Abend, schon in der Dämmerung, weist uns unsere Promobil-App schließlich etwa einen Kilometer entfernt vom letzten besuchten Campingplatz den Weg zu einem kleinen Stellplatz in Deiva Marina, ungefähr zwei Kilometer vom Meer entfernt. Das ist hier der Golf von Genua. Happige 12 € für 24 Stunden zahlen wir hier per Automaten, nur Frischwasser gibt es hier, sonst nichts, und dafür 12 €?? Na ja...

Stellplatz-Beschreibung in der Promobil-App
Stellplatz-Beschreibung in der Promobil-App

Noch ein weiteres Paar mit einem schönen Adria-Wohnmobil aus Remscheid steht hier, die haben ihren Obolus noch gar nicht entrichtet, sich dafür aber schon mal "häuslich eingerichtet" auf dem nahezu leeren, geschotterten Platz - sprich Markise herausgedreht, Tisch und Stühle aufgestellt. Wir kommen ins Gespräch, unterhalten uns über unsere Urlaube und Fahrten, bereiten dann aber langsam unser Abendessen zu, der Hunger meldet sich.

 

Carabinieri! "No Camping!"

 

Gegen halb neun am Abend - nun schon gut in der Dämmerung - kommen plötzlich zwei Carabinieri mit einem Auto auf den Platz gerauscht. Das erste Mal, dass wir so etwas in Italien erleben. Des Englischen nicht mächtig, nur mit den beiden Worten: "No Camping" wollen sie uns darauf hinweisen, dass wir hier kein Campingverhalten zeigen sollen, einfach nur das Fahrzeug abstellen und schlafen. Da wir ja gerade erst angekommen sind und weder Tisch noch Stühle draußen haben, fühlen wir uns hier kaum angesprochen, wir wollen nur drinnen im Mobil essen ("mangiare") und dann schlafen ("dormire"), mehr nicht. Und dies dürfen wir hier auch, schließlich ist das ein ausgewiesener und beschildeter, öffentlicher Stellplatz für Wohnmobile.

Die Remscheider müssen ihre Stühle und den Tisch wieder einpacken und das, obwohl nur drei Wohnmobile - wir zwei Deutschen und ein Italiener - auf diesem recht großen, einsamen Platz stehen und keinen stören.
Zudem wurden unsere Nummernschilder noch fotografiert, warum auch immer... das wollten die Carabinieri weder den Remscheidern noch uns sagen. Wir stehen hier auf einem offiziellen Stellplatz für teure 12 € mit so gut wie keiner Infrastruktur, haben nichts draußen stehen, haben unser Ticket ordentlich sichtbar in die Fensterscheibe gelegt (was die Carabinieri überhaupt nicht kontrolliert haben) und werden dann noch fotografiert? Was soll das? Jetzt geistert unser Nummernschild auf irgendeinem italienischen Carabinieri-Handy herum... wenn sie sich auch mal so eifrig um Fahrrad-Diebstähle kümmern würden...

Vor lauter Ärger über dieses Polizei-Gehabe vergessen wir, die obligaten Fotos vom Stellplatz bei der Ankunft zu machen, außerdem ist es jetzt schon so gut wie dunkel. Zu sehen gibt's hier dann eh nicht mehr viel... Holen wir morgen früh nach.
Na ja, wir lesen nach dem Essen noch ein wenig, sortieren Fotos wie gehabt und machen gegen 23 Uhr Feierabend. Hier ist es zumindest nicht so heiß wie weiter südlich, aber immerhin sind's noch 26° Celsius um elf Uhr abends.

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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