Durch Brunello-Weinberge zu den Thermen von Saturnia

Di., 7. August 2018, 13. Reisetag / 112 Tageskilometer / von Siena, "Camping Colleverde" über Montalcino (Koordinaten: 43.0537268,11.4827912) zu den Thermen von Saturnia, Stellplatz "Area Sosta Camper l'Alveare dei Pinzi", Manciano (Toskana), Koordinaten: 42.6549646,11.5025893

Malerisches Bergdorf Montalcino im Brunello-Weingebiet
Malerisches Bergdorf Montalcino im Brunello-Weingebiet

Wir sind mal wieder gegen neun Uhr aufgestanden, haben gefrühstückt und langsam bei um die 29° Celsius zusammengepackt, denn heute soll es noch ein wenig weiter Richtung Süden gehen, über Montalcino nach Manciano, zu den Thermen von Saturnia.
Um elf Uhr - auch fast wie immer, man "richtet sich eben so ein" in seinem Tagesablauf - verlassen wir den Campingplatz Colleverde in Siena. Wir möchten jetzt gen Süden nicht die großen Straßen fahren, sondern die landschaftlich reizvolleren kleineren Landstraßen, auf denen es zwar langsamer, steiler und kurvenreicher zugeht, man aber auch mehr sieht als auf den Bundesstraßen oder Autobahnen.
Daher lassen wir uns heute mit der "Here"-App nach Manciano zu den Wasserfällen der Saturnia-Quellen navigieren, da wir durch das andere Navi - bedingt durch die Berücksichtigung von Länge, Breite, Gewicht usw. des Fahrzeugs - immer auf die größeren Straßen navigiert werden.

Auf der Strada Provinciale del Brunello nach Montalcino

 

So fahren wir beispielsweise durch schöne Sonnenblumenfelder ein Stück der "Strada Provinciale del Brunello" entlang, durch das Weinanbaugebiet des Brunello-Weines. Diese Straße führt direkt in den über 600 m hoch gelegenen Wein-Ort Montalcino, den wir uns als Zwischenziel ausgesucht haben.
Der Parkplatz für die Wohnmobile (sogar mit V+E) liegt ungefähr 1 km vom Zentrum entfernt und der Weg dahin geht irre steil nach oben. Wir müssen circa 400 m im ersten Gang fahren, mit unseren 130 PS kommt unser Womo fast schon an seine "motorischen" Grenzen.

 

 

Punkt zwölf Uhr sind wir aber dennoch glücklich am Parkplatz angekommen und gehen nur wenige Minuten später die steile Straße wieder hinab Richtung Zentrum, nachdem wir den Automaten mit ca. 3,70 € Parkgebühren für zweieinhalb Stunden gefüttert haben.

 

Der Hügel des Womo-Stellplatzes mit einem ersten kleinen Blick auf den Ortsrand von Montalcino und einem herrlichen Blick ins Land
Der Hügel des Womo-Stellplatzes mit einem ersten kleinen Blick auf den Ortsrand von Montalcino und einem herrlichen Blick ins Land

 

Montalcino ist ein hübsches, kleines Städtchen hoch oben auf der höchsten Erhebung der Umgebung gelegen mit vielen kleinen Frattorien und Verkäufen von Weinen direkt von Winzern aus der Nähe. Aber zunächst schauen wir uns die "Festung" an; eindrucksvolle Mauern machen einen äußerst wehrhaften Eindruck, bieten aber an geeigneten Plätzen einen auch hier wieder grandiosen Ausblick ins Umland mit seinen so typischen hohen Säulenzypressen und den Weinbergen.

Dreht man sich zur einen Seite der Festung, schaut man Richtung Dorf, und was sieht man auf der anderen Seite? Damit würde man hier irgendwie gar nicht rechnen: ein fast professionell aussehendes Feld mit Bogenschieß-Einrichtung samt kleiner Tribünen!

 

Brunello-Weinberge und meterhohe Säulenzypressen umgeben das kleine Weingut
Brunello-Weinberge und meterhohe Säulenzypressen umgeben das kleine Weingut

 

Hier in Montalcino gibt es auch Brunello und Rosso di Montalcino en masse. Der derzeit jüngste Brunello ist von 2013 und kostet damit schon um die 16 € pro Flasche. Er muss ja mindestens vier Jahre reifen, davon zwei im Eichenfass, wie an anderer Stelle schon beschrieben.

 

 

Aber neben den vielen örtlichen Winzer-Angeboten ist Montalcino vor allem wegen seiner überragend herrlichen Aussicht aufs Umland besuchenswert. Hunderte von Kilometern lässt es sich vom Berg rundum in die Ferne blicken, über das so typische toskanische Land mit Weinbergen, Olivenhainen und den vereinzelt stehenden Landhäusern, oft umgeben mit den charakteristischen meterhohen Zypressen. Wunderbar! Enge Gässchen und malerische Kirchen im Ort selbst komplettieren das "Toskana-Bild".

 

 

Da hängen sie, die Trauben, aus denen die "edlen Tröpfchen" gekeltert werden:

 

 

Wir gehen an den leckeren Trauben vorbei und weiter zu einem tollen Aussichtspunkt mit weitem Blick übers Land.

 

Wälder, Weinberge und weite Blicke übers Land
Wälder, Weinberge und weite Blicke übers Land

 

Frau Fernschreiberin kann nicht widerstehen und wir kaufen nach einem schönen Rundgang durchs Dorf in einer der vielen urigen kleinen Weinhandlungen eine kleine Kiste mit einer Flasche Brunello von 2013 (also dem jüngsten und daher "billigsten"...), eine Flasche Rosso von 2016 und Olivenöl, was wir auch noch auf unserer Agenda hatten, für insgesamt 35 €.

 

Nach ziemlich genau zwei Stunden sind wir nach wiederum schweißtreibendem Aufstieg zum Womo bei um die 34° Celsius und knalliger Sonne um zwei Uhr nachmittags wieder an demselben. Unterwegs genießen wir ein letztes Mal den tollen Ausblick über Montalcino und bewundern "exotische" Früchte an den Bäumen.  Wieder am Stellplatz angekommen, sehen wir ein deutsches "Zwillings-Womo" dort stehen...

Letzter Ausblick über Montalcino
Letzter Ausblick über Montalcino
Rückkehr zum hoch gelegenen Stellplatz
Rückkehr zum hoch gelegenen Stellplatz

 

Weiterfahrt zu den Thermen von Saturnia

 

Um viertel nach zwei Uhr, nach einer kleinen Pause am Womo mit kühlen Getränken und schattigen Plätzchen, geht
die kurvige Fahrt weiter durch die Weinberge und Hügellandschaft Richtung Saturnia. Zwischendurch zieht es sich am Himmel zusammen, es grollt und blitzt ab und zu und streckenweise regnet es sogar und es kühlt sich bis auf 23° Celsius ab! Wenn das auch mal in Deutschland, speziell Soest so wäre, wo es seit Wochen nicht regnet und es mit durchschnittlich 33-35° Celsius einen Rekordsommer gibt...

 

 

Wir erreichen die Thermal-Wasserfälle gegen halb vier Uhr und hatten gehofft, direkt dort parken und in den 37° Celsius warmen, schwefelhaltigen Quellen baden und im Anschluss zum circa 1 km entfernten Stellplatz fahren zu können. Doch leider ist der große Parkplatz direkt an den Kaskaden höhenbeschränkt...
So heißt es ca. 200 m den Rückwärtsgang einlegen - wie ein anderes Womo hinter uns auch - und doch zunächst den Stellplatz anzufahren, den wir um viertel vor vier Uhr erreichen. Gebühr für 24 Stunden 14 €, Strom pro Tag 2 €, Duschen 0,50 € für 5 min. Hier sind's aber schon wieder 33° Celsius, manchmal bewölkt, meist sonnig. Wir "erwischen" den letzten freien, mit Büschen parzellierten Platz mit Stromanschluss. Aber es hätte auch noch einige andere freie Plätze, dann eben nicht parzelliert und ohne Strom, gegeben. Dieser Platz liegt wieder fest in italienischer Hand, auch an der Rezeption wird nur italienisch gesprochen. Die Verständigung klappt aber auch "mit Händen und Füßen".

 


Von hier gibt es auch einen Shuttlebus zu den Wasserfällen einerseits und zum nahegelegenen Kurort Saturnia andererseits, der einen ganzen Kurbetrieb mit dem gesundheitsfördernden, warmen Wasser betreibt. Soll gut sein gegen Rheuma, Arthrose und andere Gelenkbeschwerden.
Schon in der Antike beschwor Dante in seiner "Göttlichen Komödie" die heilsame Wirkung dieses Thermalwassers.
Bis wir uns eingerichtet und umgesehen haben, ist es allerdings halb fünf Uhr durch und wir beschließen, heute nicht mehr zu den Quellen zu laufen oder uns mit dem Shuttlebus bringen zu lassen. Das gehen wir dann morgen Vormittag in Ruhe an.
So lassen wir den Tag mit lesen, Fotos sortieren, Bericht schreiben, essen im Schatten des Womo ausklingen. In Soest sind's aktuell jetzt um halb zehn Uhr abends immer noch 30° Celsius, hier 27° Celsius... verrückte Welt...

 

Wozu Backpulver alles gut ist...

 

Übrigens: Gestern in Siena auf dem Campingplatz haben wir zum ersten Mal das "komische weiße Pulver an den Reifen mancher Wohnmobile gesehen... Backpulver... gegen die Ameisen, die die Reifen als einzige Kontaktstelle zum Boden dafür benutzen, ins Innere zu krabbeln.
Hier auf dem am Abend wieder sehr lebendigen und fest in italienischer Hand befindlichen Stellplatz nahe der Thermen sehen wir auch wieder zuhauf Backpulver - wahrscheinlich mit Zucker gemischt, um die kleinen Tierchen anzulocken - um die Reifen gestreut, denn es gibt hier auf dem Schotterplatz mit vielen Büschen drumherum auch recht viele Ameisen. Wir haben leider kein Backpulver dabei... So müssen wir die Fenster zur Buschseite geschlossen halten, da die kleinen schwarzen Krabbelviecher ansonsten über die geöffneten Fensterscheiben mit Kontakt zu den Büschen die Möglichkeit hätten, ins Womo zu krabbeln. Essenssachen werden selbstredend auch nicht als Lockmittel frei liegen gelassen und das Geschirr vom Essen haben wir auch ratz-fatz weggespült.
Also: für den nächsten Urlaub in südliche Gefilde oder "Ameisen-Hochburgen" raue Mengen an Backpulver und Zucker einstecken!
Zwischenzeitlich haben wir uns ein wenig belesen, was die schwefelhaltigen Thermalquellen angeht: Man solle auf jeden Fall alte Badekleidung und Handtücher mitnehmen, da alles wohl auch nach Tagen noch nach Schwefel stinkt, wenn man nicht gleich zum Waschen kommt. Umkleiden gibt es da auch nicht, ist eben alles recht naturbelassen direkt an den Kaskaden und kalkhaltigen Sinterterrassen, was ja eigentlich auch viel reizvoller ist als wenn alles touristisch bis aufs Äußerste erschlossen ist.
Wir werden sehen, was uns morgen erwartet!

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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