Pisa - und natürlich der "Schiefe Turm"

Mi., 1. August 2018, 7. Reisetag / 81 Tageskilometer / vom Stellplatz "Area Sosta Camper" in Sarzana (Ligurien) nach Pisa (Toskana), Stellplatz "Parcheggio Camper Via di Pratale", Koordinaten: 43.721287,10.4205806

Der schiefe Turm hinter dem (geraden) Dom Santa Maria
Der schiefe Turm hinter dem (geraden) Dom Santa Maria

Heute war die Nacht nicht ganz so ruhig, die Küstenstraße hörte man etwas mehr als gestern Nacht, evtl. hat sich der Wind etwas gedreht oder es war mehr los auf der Straße... Vor allem aber kam von irgendwoher laute Musik aus der Gegend, von einem Konzert o.ä., bis nach ein Uhr nachts. Ansonsten war die Nacht aber ereignislos, ob die Katzen wieder da waren, entzieht sich unserer Kenntnis...

Der Mann unseres Nachbarpaares kommt wieder gegen halb zehn Uhr am Morgen zurück, erneut mit frischen Fischen im Eimer am Tandem und wieder sitzen die beiden da und nehmen ihre "Beute" aus.
Nach dem Frühstück packen wir zusammen und fahren um elf Uhr und bei 32° Celsius los Richtung Lidl, unsere Getränkevorräte gehen allmählich zur Neige. Jetzt, am beginnenden dritten Tag in Folge ohne Landstrom und ohne Fahrstrecke haben wir immer noch 92,8% Batteriefüllung bei der Abfahrt. Richtig gut.

Fahrt nach Pisa mit Zwischenstopp bei Lidl

 

Auf dem Weg zu Lidl in Sarzena halten wir an einer winzigen Selbstbedienungstankstelle, stellen aber fest, dass wir mit unserer EC- oder Kreditkarte hier nicht weiterkommen. Tanken geht hier nur mit Bargeld oder speziellen Tankkarten... dann eben nicht, hätte 1,51 € gekostet.

Fünf Minuten später: nächste Tankstelle, 1,52 € hier und wucherhafte 1,83 € mit Service. Der Tankstellenmensch wittert auch gleich das lukrative Geschäft bei dem großen Tank des Womos, kommt herbei, aber letztlich tankt Herr Fernschreiber ja doch selbst. So zahlen wir für die ersten 10l den teuren Preis, brechen ab und fangen noch mal von vorne an, ohne Service...

Um kurz vor halb zwölf Uhr sind wir dann bei Lidl in Sarzena und knapp eine Stunde später weiter auf dem Weg nach Pisa.

Wir bestellten gestern Abend per Handy online für heute um 18:30 Uhr eine Turmbesteigung für den Schiefen Turm für je 18 €. Dann brauchen wir nicht so lange Schlange stehen vor den Kassen und am Abend wird es vielleicht ein wenig kühler sein, so hoffen wir. Dann können wir in der Mittagshitze ein wenig Siesta halten.

Die Temperatur ist mittlerweile auf 35° Celsius angestiegen, circa fünf Kilometer vor Pisa Zentrum um 13:00 Uhr. Wir zahlen nochmal 6,60 € Mautgebühren für die Autobahnstrecke von Sarzena bis Pisa und um 13:26 Uhr kommen wir nach einem ziemlichen Gekurve durch Pisa am Stellplatz mitten im Zentrum an.

 

 

Es ist eigentlich nur ein Parkplatz gänzlich ohne Schatten, hier sind's ca. 37° Celsius. Da die Rezeption mittags nicht besetzt ist, soll man die Schranke manuell betätigen und schon mal hineinfahren. Gegen halb vier Uhr wird dann ein älterer Mann vorbeikommen und direkt am Womo die 12 € Gebühren plus weitere 3 € pauschal für Strom abkassieren. Obwohl laut promobil-App kein Stromangebot existiert, gibt es aber doch ein paar Stromsäulen für circa acht bis zehn Wohnmobile, wie wir vor Ort und durch die Besucherkommentare in der App feststellen. Es sind von den Plätzen mit Strom auch noch einige wenige frei und wir gönnen uns heute die Energie von außen, damit der Kühlschrank bei der "Affenhitze" nicht die ganze Zeit auf Gas laufen muss. Laut Batterieanzeige haben wir nach Ankunft in Pisa 96,8 % Batterieladung. Die eine Stunde reine Fahrtzeit hat die Energiespeicher also nicht ganz vollgeladen.

 

 

Wir warten die größte Mittagshitze im Womo ab, drehen die Markise leicht raus, verschließen die Frontscheibe sofort und öffnen alle Fenster, sodass ein leichter Wind durchweht. Trotzdem ist es tierisch heiß. Wir essen zur Abkühlung erst mal ein Eis aus unserem Gefrierfach und orientieren uns per Karte, wie weit es bis zum Schiefen Turm ist. Auch einen Earthcache und einen virtuellen Cache, die beide unmittelbar am Wahrzeichen Pisas sind, gilt es schon mal vorzubereiten.

 

Der "Schiefe Turm" und die Kathedrale auf dem Piazza dei Miracoli


Um halb fünf Uhr machen wir uns schließlich auf zum circa zwei Kilometer entfernten Turm. Unterwegs entdeckt Herr Fernschreiber einen weiteren Cache, der "nur einen kleinen Umweg" bedeutet... na ja...

Nachdem auch diese Dose einen "Found" vermelden konnte, erblicken wir gegen 17:15 Uhr zum ersten Mal den Schiefen Turm, der ja wirklich... ziemlich schief ist. Hätten wir in dieser Offensichtlichkeit gar nicht erwartet! Was rund 5° Neigung ausmachen können...

Und natürlich ist es rappelvoll dort. Wenn es in diversen Reiseführern heißt, man solle die Sommermonate für Stadtbesichtigungen in der Toskana wegen der Hitze möglichst vermeiden, wie sieht es dann erst im Frühjahr oder Herbst mit den Menschenmassen hier aus!?

 

Wir haben jetzt noch eine knappe Stunde Zeit bis zu unserem Time-Slot, der circa zwanzig Minuten vor der terminierten Turmbesteigung um 18:30 Uhr liegt. Wir nutzen die Zeit, um uns auf dem weitläufigen Gelände des Piazza dei Miracoli, dem "Platz der Wunder" mit den überaus gepflegten Rasenflächen rings um den Turm umzuschauen, den Dom zu besuchen und - natürlich - Fotos zu schießen, wie die Unmenge an Touristen ebenfalls. Was wir uns aber sparen, ist das in unseren Augen affige Getue vieler (vor allem asiatischer) Touristen, auf Zäune zu steigen oder auf die (Betreten verbotene) Rasenfläche zu gehen, um Fotos zu machen, die suggerieren, man hielte den Turm an der schiefen Seite sozusagen davon ab, gänzlich umzufallen. Das treibt dort irgendwie schon merkwürdige Blüten...

Aber die gesamte Fläche um dieses Wahrzeichen Pisas ist schon sehr schön und imposant. Und dank des Earthcache vor Ort lernen wir auch noch auf andere Art und Weise etwas über den Schiefen Turm.

 

Schiefer Turm von Pisa
Schiefer Turm von Pisa
Dom Santa Maria mit Schiefem Turm im Hintergrund, so ist die "Schieflage" tatsächlich gut zu erkennen
Dom Santa Maria mit Schiefem Turm im Hintergrund, so ist die "Schieflage" tatsächlich gut zu erkennen

Im Dom betrachten wir das eindrucksvolle Gewölbe und entdecken kurz vorm Ausgang Monitore, auf denen das Gelände als Luftbildaufnahme dargestellt ist. Musste ich doch gleich mal der Übersichtlichkeit halber abfotografieren...

 

 

So langsam nähern wir uns unserem Zeitfenster zum Aufstieg auf den Turm. Wir müssen zuvor in der Touristeninformation sämtliche Taschen und Rucksäcke abgeben, zur Sicherheit. Auch unmittelbar vor dem Betreten des Turms wird man per Handdetektor und Hosentaschenkontrolle abgesucht. Dieser Hotspot in Pisa, als weltbekannte Touristenattraktion, ist wohl auch immer ein mögliches Ziel terroristischer Anschläge als "weiches Ziel"... Darüber darf man eigentlich nicht nachdenken, auch wenn Militärpolizei in gepanzerten Fahrzeugen und die Soldaten mit schusssicheren Westen an solchen Touristenzentren allgegenwärtig sind... nicht nur hier, wir werden die Soldaten auch beispielsweise in Florenz sehen... Na ja, verdrängen wir das jetzt mal schnell und steigen den Turm hinauf. Es dürfen pro Aufstieg nur - wenn die Erinnerung nicht trügt - 40 Personen sein. Daher die vorherige Anmeldung oder etwaige lange Warteschlangen vor dem Turm. Seit 2001 kann man als Besucher den Schiefen Turm wieder betreten, zuvor war er seit 1990 gesperrt, weil man tatsächlich um die Standfestigkeit fürchtete.

Ich hätte nicht gedacht, dass 5 % Neigung beim Aufstieg so sehr zu spüren sind! Man kommt sich fast wie betrunken vor, wenn es die enge, steile Wendeltreppe, die immer an der Außenwand des Turms entlangführt, nach oben geht. Das Gefälle gen Süden ist merklich einfacher entlangzumarschieren als die Schräge nach Norden. Zusammen mit der eh dauernd gewundenen Form der Treppe ist das schon ein merkwürdiges Gefühl. Zwischendurch halten wir auch mal an, um auf verschiedenen Höhen durch vergitterte Fenster zu fotografieren.

 

Blick vom Schiefen Turm auf Pisa
Blick vom Schiefen Turm auf Pisa

Wieder unten angekommen, besichtigen wir noch die Mitte des Turmes, die innen "hohl" ist, man kann also von unten bis ganz nach oben schauen (oder umgekehrt: von ganz oben konnte man durch einen dicken Glasboden bis ins Erdgeschoss schauen). Unten stehen ein paar Infotafeln, aber das Beeindruckende ist vielmahr das Lot, was dort ebenfalls zu sehen ist: Ganz oben an der Spitze des Turmes ist es in der Mitte angebracht und fällt (natürlich) exakt senkrecht nach unten. Aber unten angekommen, ist das Lot mit dem schweren Gewicht daran keinesfalls auch in der Mitte, sondern ganz nah an der Wand... über 5m Abweichung von der Mitte!

Infotafeln im Erdgeschoss der Turmmitte
Infotafeln im Erdgeschoss der Turmmitte
Lot mit Gewicht nah der Wand
Lot mit Gewicht nah der Wand

Auch wenn man hier unten in der Mitte des Turmes steht, merkt man die Schieflage dauernd. Man ist es einfach nicht gewohnt, dass ein Gebäude so schief sein kann. Berghänge sind schief, Straßen können Steigungen und Gefälle aufweisen, aber doch keine Gebäude! Und wenn es dann doch so ist, ist es dermaßen ungewöhnlich, dass es einem immer bewusst ist...

 

Spaziergang zum Fluss Arno

 

Nach der Turmbesteigung schauen wir uns noch einmal im Licht der allmählich versinkenden Sonne und der länger werdenden Schatten auf dem schönen Gelände um und "erledigen" den virtuellen Cache auch noch, bevor wir uns langsam in Richtung Innenstadt bewegen. Wir wollen noch zum Arno laufen, den wir vorhin bei der Ankunft in Pisa ja irgendwann überquert hatten.

 

 

Dabei halten wir uns zunächst an die große Fußgängerzone, kommen aber im Anschluss auch durch schöne Gässchen und über beschauliche Plätze. Wir haben ja unsere Geocachingkarte immer auf dem Handy mit dabei, damit fällt die Orientierung nicht allzu schwer.

 

 

Dann kommt der Arno, der große, breite Fluss Pisas, in Sicht. Er ist begrenzt von hohen Mauern, ganz schön eingebaut und begradigt zwischen den imposanten Häuserzeilen, die an ihm entlangführen. Doch im Abendlicht hat das auch seinen Reiz...

 

Blick auf den Arno in Pisa
Blick auf den Arno in Pisa

 

Auf der Suche nach Essen...

 

Es geht auf die zwanzig Uhr zu und allmählich lässt uns der Magen wissen, dass er was zu tun haben möchte, er knurrt. Also beschließen wir, auf dem ungefähren Rückweg zum Womo in einer Pizzeria die typisch italienische flache Teigkreation zu genießen. Als Vorspeise erhalten wir köstliches Bruschetta und mit Wein und anschließendem Hauptgang sind wir nun gut gerüstet, um uns nochmal den Schiefen Turm anzuschauen. Das liegt zwar nicht auf unserem direkten Heimweg, aber es ist ja auch erst um die neun Uhr abends herum und immer noch sehr warm. Was soll man da schon am Womo auf dem Parkplatz rumsitzen? Da ist es doch hier viel schöner! Außerdem ist der Turm bzw. die ganze Anlage drumherum bestimmt schön beleuchtet und es ist vielleicht auch nicht mehr so voll dort, so hoffen wir.

Also führt uns der Rückweg erneut zum Schiefen Turm. Hier ist es jetzt tatsächlich ein wenig leerer, wenn auch nicht gerade einsam und die abendliche Atmosphäre ist auch recht reizvoll. Überall werden diese bunten Leuchtdinger in die Luft geschleudert, die dann trudelnd zur Erde fallen. Auch "Leuchtluftballons" werden nun von fliegenden Händlern feilgeboten... Was es nicht alles gibt. Wir bleiben noch ein wenig dort, schauen uns um und genießen, dass die meisten "Touris" nun weg sind und es auch nicht mehr so verrückt warm ist wie noch wenige Stunden zuvor.

 

 

Schließlich treten wir aber doch den Heimweg an. Wir müssen ja noch ungefähr zwei Kilometer laufen und dabei wird uns wieder recht warm. Um viertel nach zehn Uhr etwa sind wir dann wieder am Womo, nach insgesamt gut 12 km, die wir heute Nachmittag zu Fuß unterwegs waren, wie mir mein Handy-Schrittzähler mitteilt. Wow! Merkt man gar nicht so, wenn sich das auf mehrere Stunden verteilt. Es sind immer noch 29° Celsius auf dem Parkplatz und im Womo selbst weit über 30° Celsius. Wir reißen erneut alle Luken und Fenster auf. Letztere haben wir  verschlossen, als wir am Nachmittag loszogen; die Attraktivität eines Einbruchs wollten wir nicht weiter forcieren...

Wir genehmigen uns noch ein herrlich kühles Bier bzw. Alster aus dem Kühlschrank - ein Hoch auf den Erfinder dieses überaus nützlichen Gerätes - und sitzen noch bis kurz vor Mitternacht draußen, drinnen herrscht ja Sauna, das muss erst mal etwas kühler werden.

Irgendwann überfällt uns dann aber doch die Müdigkeit und wir lassen die Fenster auch nachts weit geöffnet, der Platz ist beleuchtet, eingezäunt und videoüberwacht, das muss reichen...

Bis elf Uhr nachts düsten noch die Flugzeuge des nahe gelegenen Flughafens von Pisa über unsere Köpfe hinweg, aber dann ist Stille. Nachtflugverbot - wie angenehm...


Allerdings wird es um halb eins Uhr noch mal etwas lauter - wir sind gerade ins Bett gegangen, als eine fünfköpfige italienische Familie laut scheppernd mit ihrem alten Wohnmobil auf den Platz fährt, eine Runde dreht und unmittelbar neben uns einparkt - na toll... 1,50 m von uns entfernt, obwohl noch etliche andere Plätze frei sind. Aber diese Plätze haben anscheinend keinen Stromanschluss, und den will der Nachbar nun wohl haben, obwohl das jetzt mitten in der Nacht gar nicht funktioniert. Die Säule muss vom Platzwart gegen Gebühr erst freigeschaltet werden, und der Platzwart ist natürlich um diese Zeit nicht da...

Das Wohnmobil knarzt und quietscht furchtbar bei jeder Bewegung, denn die Familie muss erst noch alles umbauen darin, bevor sie sich zur Ruhe begeben kann. Da sowohl unsere als auch deren Fenster weit offen stehen und sie aber zusätzlich bei ihren umständlichen Umbauarbeiten natürlich Licht brauchen, kann man alles ganz genau beobachten, zumal bei besagten 1,50 m Abstand...

Zwischendurch hüpfen noch zwei Kinder draußen herum, wahrscheinlich weil sie beim Bettenumbau ein wenig im Weg stehen, doch irgendwann sind auch sie wieder im Inneren verschwunden und gaaaaanz allmählich - nach über einer halben Stunde geschäftigen Treibens - kehrt nebenan Ruhe ein und das Licht geht aus.

Das Frühstück morgen früh draußen können wir aus Platzmangel wohl knicken. Mal schauen.

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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