"Venedig - sehen und ster..." Ach, lieber doch nicht...

Fr., 4. August 2017, 13. Reisetag / 125 Tageskilometer / von Stellplatz "Agricamping Corte Finiletto" in Verona zum Campingplatz "Venezia Camping Village" in Mestre-Venedig (Koordinaten: 45.4805731,12.2723133)

Auf nach Venedig!
Auf nach Venedig!

Wir ahnten es schon - die Nacht auf dem Stellplatz war wieder laut wegen der angrenzenden Straße und, natürlich, heiß, trotz aller möglichen geöffneten Fenster...

Unsere Stellplatznachbarn sind schon gegen sechs Uhr heute Morgen abgefahren, bewundernswert, zumal sie vergangene Nacht erst gegen ein Uhr (zu Fuß) angekommen sind, ihr Wohnmobil stand schon da, als wir ankamen. So etwas schaffen wir nie… (müssen wir aber auch nicht…). Wir frühstücken erst mal wieder gemütlich draußen im Schatten, ver- und entsorgen und brechen um kurz vor halb elf Uhr in Richtung Venedig auf.

Wir haben uns gestern Abend wiederum mit der ADAC-Stell-und Campingplatz-App einen Campingplatz ganz in der Nähe der großen nordwestlichen Straßenbrücke ("Freiheitsbrücke", "Ponte della libertà") vom festländischen venezianischen Stadtteil Mestre aus über die Lagune ins historische Zentrum ausgesucht. Das ist der einzige Weg, Venedig mit Auto, Bus oder Bahn "trockenen Fusses" zu erreichen.

 

Zunächst fahren wir ein paar Kilometer Schnellstraße von Verona aus, um dann auf die Autobahn geleitet zu werden. Es ist heute schon wieder so heiß: 34° Celsius um elf Uhr morgens zeigt das Armaturenthermometer an. Da muss die Klimaanlage ganz schön gegen ankämpfen und gegen die Sonne, die durch die große Windschutzscheibe auf die Oberschenkel “knallt”.

Nach ruhiger Fahrt mit recht viel Verkehr, der sich auf der durchgängig dreispurigen Autobahn aber gut verteilt, und 9,50 € Mautgebühr von Verona nach Venedig, kommen wir um genau fünf Minuten vor zwölf Uhr auf dem Campingplatz “Venezia Camping Village” an. Ziemlich exakt eineinhalb Stunden Fahrt liegen hinter uns.

Hier, auf diesem recht großen Platz, sind um diese Uhrzeit noch viele Plätze frei und wir suchen uns einen schönen großen Platz im Schatten unter Bäumen aus, denn mittlerweile sind es wieder knapp 36° Celsius.

 


 

Der Campingplatz hat super Waschräume, in dunklen, elegant aussehenden Fliesen gehalten, viele Duschen, Einzelwaschkabinen und… Klopapier auf den Toiletten! Das erste Mal, dass wir das in diesem Urlaub erleben! Auf den anderen Campingplätzen schwang man die Toilettenpapierrolle immer wie eine Trophäe vor sich her und alle Welt wusste, was man vorhatte…

Auch ein Bistro und einen kleinen Supermarkt gibt es, ebenso ein kleines (Hallen-) Schwimmbad mit kleiner Außenliegewiese, was aber 2,50 € extra kostet und Minderjährige nur in Begleitung von Erwachsenen hinein dürfen. Das ist hier nicht so toll. Dafür ist der Platz - trotz seiner zentralen Lage und der optimalen Busanbindung nach Venedig - sehr ruhig, klasse! Ähnlich wie gestern in Verona bekommen wir auch hier einen Lageplan des Campingplatzes zusammen mit einem Stadtplan von Venedig ausgehändigt, einschließlich Informationen über Buslinien, Haltestellen, Abfahrtszeiten (alle fünfzehn Minuten mit zwei verschiedenen Buslinien) nach Venedig zum Busbahnhof Piazzale Roma, der gleichzeitig Endstation für alle Fahrzeuge mit Rädern ist. So kommen wir zwar “von der Rückseite aus” nach Venedig - der Markusplatz liegt quasi am anderen Ende der Lagunenstadt -, doch auf diese Weise durchqueren wir Venedig und sehen viel. Und die Rialtobrücke liegt ja sowieso ziemlich mittig. Vom Busbahnhof aus soll der Fußweg zur Rialtobrücke und zum Markusplatz dreißig beziehungsweise vierzig Minuten betragen, das ist wohl zu schaffen… 

Auf jeden Fall ist die Fahrt mit dem Linienbus deutlich günstiger als eine mit dem Wassertaxi, das vom Campingplatz bzw. Festland aus sowieso nicht angeboten wird. Wir zahlen für Hin- und Rückfahrt mit dem Bus nur 3 € pro Person, also 12 € für uns vier. Das ist uns sehr recht, denn die mittlerweile fünfzehnjährigen Fernschreiber-Zwillinge werden preislich überall als Erwachsene eingestuft. So kostet hier der Stellplatz 15 € inklusive allem (in der Hochsaison), dazu kommen aber auch zusätzlich viermal Personengebühren von je 9 € , macht summa summarum 51 € pro Nacht. Dafür stehen wir hier recht sicher; das ist auf venezianischen Stellplätzen auch nicht immer gegeben...

Nach Ankunft auf dem Campingplatz “checken wir erst mal die Lage”, sehen uns um, suchen den ausgeschilderten Fußweg vom Platz zur Bushaltestelle und halten ein wenig Siesta; wir wollen nicht schon wieder wie gestern in Verona in der Gluthitze der Mittagszeit eine Stadtbesichtigung starten.

 

Bushaltestelle nach Venedig
Bushaltestelle nach Venedig

Um kurz vor sechs Uhr, als die Schatten etwas länger werden, starten wir die Busfahrt nach Venedig, die Fahrkarten hat Herr Fernschreiber schon zuvor an der Campingplatz-Rezeption gekauft. Der Fußweg bis zur Haltestelle ist in fünf Minuten geschafft, davon führt fast die Hälfte über den Campingplatz. Wir müssen bis zehn nach sechs Uhr warten, fahren im Anschluss nur zwölf Minuten mit dem Bus über die schnurgerade dreieinhalb Kilometer lange "Freiheitsbrücke" nach Venedig zum Piazzale Roma und sind um 18:22 Uhr da.

Die erste Orientierung dauert eine kleine Weile, doch die grobe Richtung ist klar: Rialtobrücke und Markusplatz mit dem Campanile und dem Dogenpalast. Da wir die Lagunenstadt wie bekannt vom Nordwesten her über Asphalt erreichen und nicht über den Wasserweg aus Südosten, wo sich der Markusplatz und die vielen vorgelagerten Lagunen-Inseln befinden, laufen wir jetzt erst einmal kreuz und quer durch Venedig. Das ist recht reizvoll, da wir zunächst über Brücken und Gässchen gehen, die längst nicht so sehr von den Touristenströmen frequentiert sind und es jetzt am frühen Abend stellenweise richtig leer ist.

 

Wir orientieren uns zunächst mit der offline-Geocaching-Karte, die ja auch den eigenen Standort angibt, doch in einer Stadt, die von Wasser, Brücken und ziemlich vielen kleinen und kleinsten Gassen geprägt ist, ist das Finden des Weges, zumal mit springendem GPS, gar nicht so einfach…

Schließlich entdecken wir die an manchen Hausecken angebrachten Schilder “Ponte di Rialto” und “Piazza San Marco”; ab da wird’s leichter mit der Orientierung in der Altstadt. Eine wunderbare Stadt, mit seinen Kanälen, Brücken und manches Mal so kleinen, verwinkelten Gassen, dass man hintereinander gehen muss. Venedig ist wirklich so ganz anders als andere Städte und das macht ja auch den unglaublichen Charme aus.

 

 

Als wir um kurz nach sieben Uhr an der Rialtobrücke ankommen, ist es allerdings mit der zeitweiligen Beschaulichkeit vorbei: hier herrscht auch abends noch reger Trubel, obwohl schon die einen oder anderen Geschäfte, auch auf der Brücke, schließen. Aber die meisten Touristen sind wohl eh nicht wegen der völlig überteuerten Läden auf der Brücke gekommen… 

Natürlich machen auch wir unsere Fotos, verweilen und lassen alles auf uns wirken, bevor wir weiterziehen zum Markusplatz, der sich uns im Schein der untergehenden Sonne präsentiert.

 

 

Wirklich bombastisch und eindrucksvoll, der gesamte Platz mit Markusdom, Campanile, Dogenpalast, den beiden Säulen mit dem Markuslöwen und der Theodorus-Statue an den Spitzen. Der Beginn des Canal Grande (hier als Bacino di San Marco) macht ja die offene Wasserseite des Markusplatzes aus, was die Weite und Größe nochmals verstärkt. Auch hier bleiben wir natürlich eine Weile und genießen die abendliche Atmosphäre Venedigs. Morgen wollen wir dann versuchen, mit einer Bootsfahrt die Wasserseite der Lagunenstadt besser kennenzulernen.

 

Dogenpalast auf dem Markusplatz in Venedig
Dogenpalast auf dem Markusplatz in Venedig

 

Da wir ungefähr eine knappe Dreiviertelstunde zurück zum Piazzale Roma brauchen, machen wir uns in der Dämmerung langsam auf den Rückweg. Mit einem Eis in der Hand hören wir dabei einem virtuosen jungen Straßengeiger zu, bevor es wieder durch die verwinkelten kleinen Gassen geht, die sich plötzlich in kleine, bezaubernde Plätze öffnen. Trotz der ab und zu an diesen Plätzen angebrachten Wegweiser zum Piazzale Roma ist der Weg nicht einfach zu finden, schnell läuft man in die falsche Gasse oder wählt die falsche Brücke, da die Wegweiser nicht einheitlich und manchmal schnell zu übersehen sind, vor allem jetzt in der Dunkelheit. Es ist, als laufe man durch ein riesiges, aber äußerst reizvolles und malerisches Labyrinth. Und dann öffnet sich die Szenerie immer mal wieder als Kontrast: der Canal Grande mit seinen Kirchen und Palazzi zu beiden Seiten zeigt die herrschaftliche Seite Venedigs.

 

 

Schließlich kommen wir aber dennoch um kurz nach halb zehn Uhr glücklich am Busbahnhof an und “erwischen” sofort einen Bus der Linie 5. Mit uns steigen gefühlt hunderte von weiteren Menschen ein und in der schwül-warmen Luft stehen wir in drangvoller Enge und schweißgeschwängerter Luft im Bus. Aber die Stimmung ist ganz gut, trotz der Enge… Glücklicherweise dauert die Fahrt ja nur zwölf Minuten. Jetzt heißt es noch die Schwierigkeit zu überwinden, trotz der Enge im Bus, in dem man eigentlich nur Arme und Köpfe sieht, und der Dunkelheit draußen die richtige Haltestelle zu finden, aber auch das klappt schließlich. So sind wir um zehn Minuten vor zehn Uhr an der Haltestelle und nur fünf Minuten später wieder am Womo.

Es herrschen immer noch 31° Celsius draußen und wir gehen alle vier erst mal duschen, was um diese Uhrzeit noch immer mit Warteschlangen - zumindest bei den Frauen - verbunden ist.

Unser erster, abendlicher Eindruck von Venedig war begeisternd, mal sehen, was wir morgen tagsüber in der einmaligen Lagunenstadt erleben.

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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