Zum südlichsten Punkt Englands: Lizard Point in Cornwall

Di., 18. April 2017, 12. Reisetag / 128 Tageskilometer / von Tintagel nach Helston, Nähe Lizard Point, Skewes Farm bei Mrs. Boaden (CL 152, Koordinaten: 50.048966, -5.227003)

Am südlichsten Punkt Englands
Am südlichsten Punkt Englands

Nachdem wir nun in Tintagel ziemlich im Nordwesten von Cornwall waren, soll es heute zum südlichsten Punkt nicht nur Cornwalls, sondern ganz Englands gehen, zum Lizard Point.

Auch hier wäre für tolle Aussichten über Meer und Küste schönes, sonniges Wetter klasse, was uns die Wetter-App auf dem Handy in der Tat anzeigt: zwölf Sonnenstunden für den heutigen Tag! Na, warten wir's mal ab... Dabei aber recht kalt, nur etwa 11°  Celsius. Gut, im Sauerland liegt Schnee...

Wir verlassen das sagenumwobene Artus-Örtchen um kurz nach elf Uhr morgens mit Sonne, ganzen 15° Celsius und einer immer noch vorhandenen Batteriespannung von 91,7 %.

Direkt nach Tintagel "erwischt" uns leider eine der winzig kleinen Straßen Cornwalls mit der für Womo-Fahrer unbedingt zu beachtenden Bezeichnung "unsuitable for large vehicles".

Weder unser Navi im Womo noch unsere Handy-Routenplaner sind dafür ausgelegt, die Größe und das Gewicht von Fahrzeugen eingeben und damit entsprechend geeignete Straßen für Womos angeben zu können, und gerade als Frau Fernschreiberin beim Abbiegen an irgendeiner Feld-und-Wiesenkreuzung noch ruft: "Nicht da lang, die ist zu klein!", ist Herr Fernschreiber schon drin in der Straße mit den so typischen Mauern und Hecken dicht am Straßenrand. Rückwärtsfahren ist schlecht möglich, vorwärts geht's noch und wir vertrauen darauf, an der nächsten geeigneten Stelle eventuell wenden zu können.

Doch die "Cornishmen" stellen nicht zu unrecht die Warnhinweise schon an den Anfang einer Straße auf, auch wenn sie erst noch recht "befahrbar" aussieht. Es ergibt sich nämlich keine Gelegenheit zum Wenden, wie wir bald feststellen müssen. Das Sträßchen wird in der Tat immer schmaler und geht mal steil bergab, dann wieder ziemlich berghoch. Das ist ja alles eigentlich sehr idyllisch hier und in einem Smart (am besten noch mit 150 PS) könnte man die Fahrt auch richtig genießen. Kein Wunder, dass viele Kornen entweder ziemlich kleine Autos haben oder Geländewagen. 

Wir aber schwitzen jetzt Blut und Wasser, Äste ratschen an den Seitenwänden des Fahrzeugs entlang und wir fürchten schon um unseren Lack (was sich später aber als nicht gravierend herausstellt).

Wir müssen eine kleine Ortschaft durchqueren, von der man sich fragt, wie hier die Einwohner denn jemals beispielsweise mit Umzugswagen oder anderen notwendigen größeren Fahrzeugen ihre Häuser erreichen... Wahrscheinlich nie, da wird alles peu à peu hingebracht?

 

Irgendwann später kommt uns auch noch ein Auto mit einem älteren Paar darin entgegen, wir sind umgeben von Bäumen, fahren im Schneckentempo bergauf, links der Straße geht's steil bergab. Stopp... beide Fahrzeuge bleiben stehen und wir klappen die Außenspiegel ein. Doch in einer Gemütsruhe und Freundlichkeit, die wir hier immer wieder erlebt haben, setzt das ältere Paar eine Strecke zurück und quetscht sich noch mehr an den rechten Fahrbahnrand zwischen die Bäume, während es auf unserer Fahrbahnseite links von uns ja steil abwärts geht.

Im Zeitlupentempo und mit einem so winzigen Abstand der Autos, zwischen die keine Zeitung mehr gepasst hätte, jonglieren wir uns aneinander vorbei. Endlich ist es geschafft. Mit dem leicht beschämten Gefühl des Touristen, der scheinbar ohne zu lesen glaubt, überall durchkommen zu können, fahren wir langsam weiter. Was die beiden wohl von uns gedacht haben?


Später landen wir quasi wieder irgendwo an der Küste, weil wir die Straße an einer Einmündung, die uns das Navi anzeigt und in die wir in einer engen Spitzkehre steil nach oben hätten fahren müssen, schlichtweg ignorieren. Wir erreichen schließlich einen Parkplatz, wenden dort und fahren wieder zurück, jetzt einfach dem Gefühl und dem Aussehen der Straße nach, ganz egal, ob damit ein Umweg verbunden ist oder nicht.


Als wir endlich wieder eine Straße erreichen, die wenigstens so breit ist, dass sich ein Mittelstreifen lohnt, machen wir "drei Kreuze" und werden dieses Erlebnis auf jeden Fall in Erinnerung behalten, wenn es jetzt zum Lizard Point geht. Da wollen wir lieber kilometerweit bis zur Küste laufen, als erneut Gefahr laufen zu müssen, im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Womo steckenzubleiben.

Um viertel nach eins sind wir schließlich am südlichsten Punkt Englands. Na ja, noch nicht ganz, erst einmal auf dem Parkplatz, der auch für größere Fahrzeuge geeignet ist und der noch ein Stück vom Lizard Point entfernt ist. Die Straße bis hierhin ließ sich ganz gut befahren. Hier bleiben wir, hier steht auch noch ein anderes Wohnmobil: Ein riesiger Concorde-Liner aus Deutschland mit Busausmaßen... Ob die Besitzer so eines "Flaggschiffes" in Cornwall mit diesen idyllischen, aber kleinen Straßen ihre Freude haben? Es gibt noch einen Parkplatz näher an der Küste, aber das lassen wir jetzt mal lieber sein...

Außerdem ist das Wetter ja wie versprochen herrlich: 13° Celsius, Sonne, ideal für eine Wanderung. Also los!


Wir folgen der Straße und dem Pfad zur Küste, die Richtung ergibt sich quasi von selbst. Auch hier - ähnlich wie gestern schon in Tintagel an der Burgruine - haben wir herrliche Ausblicke auf die Küste und das Meer. Aber hier ist die Landschaft etwas lieblicher, sanfter, nur direkt an der Küste geht es wieder senkrecht nach unten, aber nicht ganz so tief, rau und zerklüftet wie es im Westen am Atlantik der Fall war. Und es gibt mehr Blumen: lila, weiß, gelb... überall blüht es, und das schon im April, auch direkt an den Steilhängen der Klippen. 

Man merkt schon deutlich den Einfluss des Golfstromes, der "Warmwasserheizung", als Ursache des milden Klimas hier an der Südküste. Sieht toll aus!

 

 

Auf dem Weg zum Leuchtturm in der Nähe des Parkplatzes (auf dem nur noch PKW stehen...) lässt es sich Herr Fernschreiber nicht nehmen, noch einen Cache zu machen, doch den Besuch des Leuchtturms sparen wir uns und wandern lieber weiter die Küste entlang.

 

supertwinnies found "MAN-TIZ PRAYING ALONE"

Tuesday, 18 April 2017 South West England, United Kingdom W 951.2 km from your home location

 

** Logtime 14:12 Uhr **

"Osterferien mit dem Womo in England!", so lautet in diesem Jahr die Parole.😎

Gestern besuchten wir King Arthur. Der war zwar früher König von Britannien, heute betreibt er aber einen Parkplatz, einen Pub sowie mehrere Souvenirläden. 😅 Der Typ hat es drauf und geht mit der Zeit. 😉

Heute ging es dann an die Südküste von Cornwall und zwar zu Englands südlichstem Punkt.

Der Cache lag unweit des Leuchtturms.

Vielen Dank für den Cache sagen die supertwinnies.

 

Hier ist es längst nicht so voll wie in Tintagel und außer einem kleinen Restaurant und ein, zwei Hütten mit Informationen über den National Trust und Holzverschlägen als "Galerien" für ambitionierte Maler, die aber teilweise noch geschlossen sind, gibt es unmittelbar an der Küste auch nicht viel an touristischem Angebot, was uns aber nicht stört, im Gegenteil.

Wir folgen weiter dem Weg Richtung Westen und wandern an einer recht großen Fischhalle vorbei, die an einem kleinen Strand zwischen den Felsen liegt.

Auch hier ist der Weg oberhalb der Halle von Blumen gesäumt. So viel Blütenpracht gibt es hier, dass eine Wiese sogar ihr eigenes Schild dazu erhält:" Pistil Meadow". Ein Meer von weißen Glockenblumen oder so was in der Art breitet sich vor uns aus.


 

Doch wir wollen bei dem augenblicklichen Niedrigwasser auch zum Meer hinabsteigen und folgen einem engen, feuchten Pfad zwischen grünen "Planzenwänden" hindurch nach unten.

Kaum am Meeresboden angekommen, rieselt auch Wasser von oben über den Abhang auf uns herab, aber Süßwasser, wie der Geschmackstest (und die Logik) ergibt. Dusche also inklusive! 

Hier unten machen wir erst mal eine Pause, plündern die Picknickrucksäcke und kraxeln eine Weile zwischen den Felsen und Pfützen des Meeres herum. Die Nordsee ist hier, wo es keinen Sandstrand, sondern nur Felsen und Geröll gibt, glasklar, man meint fast, man sei irgendwo in Kroatien. Nur die Temperaturen machen da nicht so ganz mit, weder die der Luft noch des Wassers, obwohl wir uns heute wirklich nicht über das Wetter beklagen dürfen.

Während "wir Mädels" uns damit begnügen, auf den Felsen, die aus dem Wasser herausschauen, herumzuklettern, unternimmt Herr Fernschreiber eine "Kneippkur" im "erfrischend" kalten Meer.

 

 

Nach dieser Rast und Erfrischung schlagen wir einen Wiesenpfad ("Gold Path") ein, der uns allmählich wieder zurück zum Dörfchen Lizard führt.

Der mit manchmal übermannshohen Hecken und Mauern gesäumte Pfad ist so eng, dass wir zeitweise nur hintereinander gehen können, er gibt aber auch hier an manchen Stellen den nun schon fast "gewohnt" fantastischen Ausblick über Wiesen, Küste und Meer frei.

 

 

Wir kommen im Ort an und sehen hier nicht nur bunte Blumen, sondern neben den grau-braunen Häusern aus sichtbarem Naturstein auch farbenfroh verputzte Häuser in auffälligem rot, hellblau und lila. Herrlich leuchten die unter dem sonnigen Himmel Cornwalls!

In vielen Vorgärten und an manchen Straßen stehen auch große, auffällige Palmen und Agaven, die in diesem milden Klima hier hervorragend gedeihen, da wegen des Golfstroms die Temperaturen auch im Winter selten unter Null Grad Celsius fallen.


 

Gegen viertel vor vier Uhr sind wir wieder am Womo und schauen uns - wie schon gewohnt - per Handbuch und Karte vom "Caravan and Motorhome Club" nach einem CL in der Nähe um. 

Nur etwa zehn Kilometer entfernt Richtung Landesinnere werden wir fündig und stellen uns auch nach Ankunft um viertel nach vier Uhr gleich auf einen Platz auf dem - wie ebenfalls schon gewohnt - weitläufigen Gelände des Farmhauses. Nur drei weitere Wohnwagen stehen hier.

Die sehr gepflegte große Wiese mit jeweiligen Stromanschlüssen an den Stellplätzen sieht in der Sonne sehr einladend aus. Das Farmhaus erreichen wir durch einen kleinen, verwitterten Gang zwischen Mauern und sieht "recht urig" aus, genau wie das "Bad" in einem Nebengebäude. Aber es erfüllt seinen Zweck. Vor allem aber macht auch hier die Freundlichkeit und Unkompliziertheit der Farmerin, die uns an der Tür begrüßt, die relativ einfachen Verhältnisse wieder wett. Für 12 £ sind wir mal wieder gut und günstig bei Farmersleuten untergekommen.

 

Herrlich warm ist es hier und immer noch sonnig. Die Töchter spielen Badminton, Ball, wir Eltern sitzen in der Sonne, lassen diesen Tag Revue passieren und planen den nächsten, der uns ins Dartmoor führen soll.

 

 

Nach der Spaghetti Bolognese am Abend zieht Herr Fernschreiber in der Dämmerung nochmals los - er entdeckte zuvor auf der Geocaching-Karte zwei Caches in der "näheren" Umgebung. Es dauert aber doch bis neun Uhr, bis er die beiden Dosen ausfindig machen kann und ist erst im Stockdunklen wieder zurück. Aber dank Karte und Taschenlampe verirrt sich ein Geocacher nie, nur die Suche und die Wege dauern manchmal länger...

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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