Noch eine mächtige Festung und die Schärenküste

Mi., 3. August 2016, 12. Reisetag / ca. 80 Tageskilometer / von Askim-Strand (Halland), Camping Liseberg nach Skärhamn (Västra Götaland, Insel Tjörn), Campingplatz "Hav & Logi Skärhamn", Koordinaten: 57.9710383,11.5486038

Festung Bohus nördlich von Göteborg an der Flussgabelung der Flüsse Göta und Nordre
Festung Bohus nördlich von Göteborg an der Flussgabelung der Flüsse Göta und Nordre

Weiter geht's! Auch wenn das Gefühl im Magen von Frau Fernschreiberin noch etwas flau ist, beschließen wir, heute den Campingplatz "Liseberg" zu verlassen.    

Allerdings planen wir um: Angesichts dessen, dass wir zwei volle Urlaubstage "verloren" haben, canceln wir Göteborg nun. 

Bisher sehr begeistert von der tollen schwedischen Natur möchten wir eher weiter die Landschaft erleben, verzichten nun auf die Stadtbesichtigung und fahren nur durch Göteborg hindurch (die Citymaut für umgerechnet 94 Cent müssen wir allerdings trotzdem bezahlen...). Vor allem möchten wir aber die Schärenküste sehen, da heißt es: noch weiter nördlich fahren.

Außerdem sind wir uns nicht sicher, ob die Busfahrt nach Göteborg und die anschließende stundenlange Besichtigung (ohne unmittelbar "greifbare" Toiletten in der Nähe...) nicht ein zu großes "Wagnis" nach zwei Tagen Bettruhe und unberechenbarer (?) Darmaktivität darstellen. Da ist eine Fahrt im Womo mit der Toilette nur wenige Meter hinter einem die etwas "sicherere" Variante...

Gegen elf Uhr brechen wir auf und ungeachtet der "spinnerten" Eingeweide von Frau Fernschreiberin las diese während ihrer zweitägigen "Klausur" auch ab und zu in den Reiseführern und entdeckte auf diese Weise die Bohus-Festung nördlich von Göteborg (Koordinaten: 57.8610415,11.9829741):

Sie war ein beeindruckendes Bollwerk: 14 mal versuchten über die Jahrhunderte hinweg erfolglos dänische, schwedische und norwegische Armeen die 1308 vom norwegischen König Håkon V. Magnusson erbaute Burg an der Flussgabelung einzunehmen. Die Festung markierte einst die südliche Grenze zu Norwegen und auch deswegen war sie an diesem Ort strategisch so wichtig. Kellerlöcher und Verliese zeugen von nicht gerade sanftmütigen Bewohnern, doch eingenommen wurde  die Festung nie.

Die Burg ist heute nur noch eine Ruine, nicht allein deshalb, weil nun friedlichere Zeiten angebrochen sind, es hier kaum mehr etwas zu verteidigen gibt und die Festung nun verlassen und der Witterung preisgegeben ist. Nein, Ende des 18. Jahrhunderts, als es Schweden wirtschaftlich nicht besonders gut ging und die Festung schon stark an Bedeutung verloren hatte, wurde den umliegenden Bewohnern erlaubt, die Steine der Burg abzutragen und für den Bau ihrer Häuser zu verwenden.

Ein interessantes Bauwerk also, dessen Besichtigung für 300 Kronen (rund 31 Euro) wir nun auf unserem Weg weiter in den Norden als Zwischenziel ins Auge fassen, sozusagen als "Besichtigung light", im Vergleich zu Göteborg...

Um viertel nach zwölf Uhr kommen wir am Parkplatz unterhalb der Burg an. Auch hier wieder: Autos und auch Wohnmobile (sogar mit Übernachtungsstellplatz) sind zwar vorhanden, aber überlaufen ist es auch hier nicht, wie bisher überall dort, wo wir waren. Sehr angenehm! Zwei Stunden laufen wir kreuz und quer bei Sonne und Wolken über das Burgruinengelände, schaudern beim Anblick der Verliese tief unten und erleben die Aussicht vom markanten Turm hoch oben. Blank gewienerte Ritterrüstungen und Kettenhemden - ausgestellt im Turm - machen deutlich, wie unbequem die "Kampfmontur" früher war.

Frau Fernschreiberin hält tapfer durch und die vielen "neuzeitlichen" Picknicktische auf dem Gelände sind willkommene Gelegenheit, mal kurz zu verschnaufen und im Flyer, der an der Kasse ausgehändigt wurde, herumzublättern.

 

"Tjörnbron" auf die Insel Tjörn
"Tjörnbron" auf die Insel Tjörn

Um kurz nach zwei Uhr verlassen wir die einst "kriegslüsterne Stätte" und fahren weiter auf die Insel Tjörn, auf die wir mittels Brücke ("Tjörnbron") gelangen. Auf der Insel lenken wir das Womo bis zur südlichsten Spitze, um irgendwo in den Felsen der Schären anzuhalten und uns die Küste anzusehen. Wir wollen gerade das Womo verlassen, da fängt es leider just wie aus Eimern an zu regnen, Herr Fernschreiber hält das aber nicht davon ab, einen in der Nähe liegenden Cache zu suchen, während wir drei Mädels wieder umkehren und uns ins trockene Innere des Womos zurückziehen (ja, ja, wir sind nun mal "Sissicacher", wie man so schön sagt...).

Nach der Rückkunft eines ziemlich nassen Herrn Fernschreibers warten wir noch knapp eine dreiviertel Stunde im Womo und hoffen auf besseres Wetter, doch das wird nichts... Notgedrungen verzichten wir auf weitere Spaziergänge, fahren nur zehn Minuten weiter Richtung Skärhamn und kommen gegen fünf Uhr am Nachmittag auf einem kleinen, schönen, sauberen Campingplatz "Hav & Logi Skärhamn", der auch eine Wanderunterkunft beherbergt, unter, den entdecken wir mehr oder weniger durch Zufall und kostet uns für eine Nacht 350 Kronen (ca. 36,50 Euro) inklusive Strom. Der Platz liegt mitten in den rundlichen Felsen der Schären, überall verstreut findet man auf unterschiedlichen Höhen Stellplätze und auch Ferienhäuser, und wohin das Auge blickt sieht man die mächtigen Felsen, die mit ihren rundlichen "Buckeln" aber doch einen irgendwie "besänftigenden" Eindruck machen. Tolle Kulisse!

Herr Fernschreiber tigert am frühen Abend für eine halbe Stunde zwischen den Felsen herum, mal ohne einen Cache zu suchen, nur "um die Gegend zu erkunden" und kommt mit ein paar Handy-Aufnahmen wieder, die schon mal einen Vorgeschmack und Lust auf den kommenden Tag bieten. Dann wollen wir nämlich alle vier die Schärenfelsen erkunden, die sich bis zum Meer ziehen und natürlich auch ins Wasser hinein.

Für heute Abend bleiben "wir Mädels" jedoch auf dem Campingplatz und schauen uns nur dort ein wenig um, denn es fängt schon wieder an zu regnen... Glücklicherweise ist auch Herr Fernschreiber jetzt wieder da, bevor er zum zweiten Mal heute durchnässt zu werden droht.

 

 

Das Abendessen besteht heute aus "Spaghetti Bolognese" und da dies harmlos klingt, riecht und schmeckt, isst Frau Fernschreiberin mal wieder mit, doch prompt kommt nachts alles wieder raus... war wohl doch noch zu früh mit "normalen" Mahlzeiten... schiiiet...

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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