Kanufahren!

Fr. 29. Juli 2016, 7. Reisetag / ca. 70 Tageskilometer / von Ljungby (Provinz Kronoberg/Småland), Campingplatz "Bolmens Camping" nach Halmstad (Provinz Halland), Campingplatz "Hagöns Camping", Koordinaten: 56.6345569,12.8998222

Rast auf einem kleinen namenlosen Eiland irgendwo im Bolmen-See
Rast auf einem kleinen namenlosen Eiland irgendwo im Bolmen-See

Auf diesen Tag freuen wir uns ganz besonders, vermittelt er uns doch für einen Tag das typische Schweden, wie wir es uns vorstellen: große, weitgehend unberührte Natur, tiefe Stille und - natürlich - viel Wasser, das wir mit dem Kanu erobern wollen. Anscheinend haben wir zu unserem Glück (oder es ist der Region, dem Wetter oder sonstwas geschuldet) bisher so gut wie keine Mücken zu Gesicht bekommen, die einem den Urlaub ja auch streckenweise so richtig vergällen können, wie wir in vielen Foren oder Reiseberichten lesen konnten. Unser reichlicher "Autan"-Vorrat ist noch vollkommen ungenutzt (und wir werden ihn auch bis zum Ende des Urlaubs nicht brauchen...).

So holen wir uns um kurz vor elf Uhr die Paddel und Schwimmwesten aus der Rezeption und packen unseren wasserdichten Seesack voll mit Proviant, Bade- und Wechselsachen und freuen uns auf die fünf vor uns liegenden Stunden.

Da wir heute gegen Nachmittag noch die Weiterfahrt zurück an die Küste geplant haben, wollen wir unser Womo draußen auf dem Parkplatz abstellen, um nicht noch für eine zweite Nacht Stellplatzgebühren zahlen zu müssen. Die nette ältere Campingplatzbetreiberin, die sogar ganz gut deutsch kann, bietet uns jedoch an, das Womo auf einem anderen Stellplatz näher am Eingang, aber immer noch innerhalb des Campingplatzes abstellen zu können, da stände es sicherer. Wirklich sehr aufmerksam, obwohl wir uns kaum vorstellen können, dass ausgerechnet hier viele Wohnmobile aufgebrochen werden. Aber man weiß ja nie!

Dankend nehmen wir das Angebot an und brechen anschließend zur Campingplatzwiese am See auf, wo die Kanus liegen. Obwohl das Wassergefährt schon ziemlich lang ist, aber eben auch recht schmal, müssen wir vier da drin plus Seesack erst mal überlegen, wer wann welche Beine unter sich verknotet, bis wir alle letztlich doch recht bequem Platz gefunden haben. 

Es gibt zwei Sitzbänke für uns Eltern, die Töchter müssen es sich auf den mitgelieferten flachen Sitzkissen auf dem Boden bequem machen, aber sie sind ja noch jung... außerdem müssen sie dann nicht so viel paddeln.

Wir haben heute wirklich unglaubliches Glück mit dem Wetter! Warm, aber nicht zu heiß und vor allem windstill und das alles ohne die schon oben erwähnten und gefürchteten Mücken! Der erstaunlich flache See liegt phasenweise glatt wie ein Spiegel vor uns und das Paddeln ist ein Vergnügen. Teilweise können wir weit draußen mit dem Kanu trotzdem noch mit dem Paddel, wenn wir es senkrecht ins Wasser halten, den Grund ertasten und das Wasser ist zwar glasklar, aber wird von dem torfigen Untergrund ganz dunkel reflektiert. Tja, ist halt eine (ehemalige) Torfgegend hier.

Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde auf dem Wasser und vielen Paddelschlägen später gehen wir das erste Mal an Land, auf einem kleinen felsigen Eiland, wobei es gar nicht so einfach ist, ohne auf Grund zu laufen zwischen den großen und kleinen Felsen über und knapp unter der Wasseroberfläche einen Weg an Land zu finden.

 

 

Wir schütteln die etwas eingerosteten Beine aus, nehmen eine kleine Stärkung zu uns und erkunden wie einst Robinson Crusoe das kleine Inselchen, auf dem wir gelandet sind ("Ihhh, hier liegt ein toter Fisch!" "Der Arme! Nur noch Haut und Knochen! Ein Skelett wie bei Tom und Jerry").

Eine knappe halbe Stunde gönnen wir uns festen Boden unter den Füßen, bevor es wieder in unser wackeliges, aber "romantisches" Fortbewegungsmittel geht. Unglaublich beeindruckend ist die Stille, die uns hier umgibt, selbst Vogelgezwitscher ist selten. Eine tolle Erfahrung und so ganz anders als an den Seen in Deutschland, bei denen es bei solch einem Wetter und in den Sommerferien vor Gejohle, Luftmatratzen, Schlauchbooten und dergleichen nur so wuseln würde. Wir sind daher auch sehr froh, uns auf unsere eigene Muskelkraft zwecks Fortbewegung zu verlassen und kein Boot mit Außenbordmotor gemietet zu haben, was auch möglich (und außerdem noch sehr viel teurer) gewesen wäre. Obwohl wir ja am Campingplatz auch so einige kleine Yachten und Motorboote haben liegen sehen, war heute keines davon auf dem Wasser unterwegs, was zur tiefen Stille zusätzlich beitrug. Klasse!

Herr Fernschreiber durchforstet natürlich wie immer das GPS nach naheliegenden und erreichbaren Caches und siehe da, auch hier am Bolmen ist eine Dose versteckt, und zwar auf einer kleinen Insel. Also kommt man zum Logeintrag nur mit dem Boot dahin und das reizt uns schon.

Die Strecke bis dahin erscheint uns zwar ein wenig lang für unsere ungeübten Paddlerarme, aber die Bedingungen sind heute so ideal und wir haben auf dieser Tour so viel Spaß, dass wir die Dose ins Auge fassen und uns auf den Weg machen. Ist auch irgendwie schön, dann paddelt man nicht so ziellos auf dem See herum.

Seltenerweise gibt es die Cache-Beschreibung neben schwedisch und englisch sogar auf deutsch: "Auf einer Insel im See Bolmen soll es früher Trolle und Zauberer gegeben haben. Gerüchte besagen, daß sie auch heute noch dort sind und zu Mittsommer dort tanzen. Es ist einfach selbstverständlich, daß wir unseren Schatz hier versteckten. Unter einem riesigen Stein mit einem Kreuz, bewacht von den Trollen."  Na, dann schauen wir doch mal, ob wir gleich Trolle und Zauberer auf der Insel entdecken!

Ein zweites Mal an Land!
Ein zweites Mal an Land!

Schneller als gedacht, nämlich schon nach einer guten halben Stunde, landen wir ein zweites Mal an. Diese Insel ist ein wenig größer als die vorige, besitzt sogar einen kleinen Wald, durch den wir nun auf der Suche nach dem Cache stiefeln. Im Eifer des Gefechts ziehen wir noch nicht einmal unsere Schwimmwesten aus, da müssen sich die Trolle und Zauberer kaputt gelacht haben! 

Tatsächlich werden wir bald fündig und in der Dose findet sich auch so etwas Ähnliches wie ein Troll: ein kleines Holzdreieck mit einem eingebrannten "elchartigen Geschöpf". Das nehmen wir als Erinnerung an diese großartige Kanutour und diesen Tag in Schweden mit und seither begleitet es uns im Womo. Wir hinterlassen in der kleinen schwarz-roten Kladde unseren Log-Eintrag vor Ort und am Abend erfolgt der digitale Eintrag im Internet:

supertwinnies found Trollö

Friday, 29 July 2016    Kronoberg, Sweden    NE 689.7 km from your home location

 

** Log-Time 13.30 Uhr **

 

Diesen Cache in Schweden haben wir während unseres Urlaubs mit dem Womo gefunden. Nachdem wir gestern zum Elchpark in Hamneda und dann zum Bolmen-See gefahren sind, blieben wir heute vor Ort, um eine Kanutour 😆 zu machen.

 

Netterweise vermietet der Campingplatz welche, sodass wir uns nach einem gemütlichen Frühstück 🍵🍞 gestärkt ins Wasser begeben konnten.

Natürlich wollten wir auch diesen Cache heben, der ca. 3,5 km von unserem Campingplatz auf einer Insel im Bolmen-See liegt. Die zahlreichen Inseln im Bolmen-See sind umgeben von einem breiten Steinstreifen, sodass man vorsichtig navigieren muss, um nicht auf Grund zu laufen.

 

Nachdem wir sicher angelandet waren, war das Finden des Caches eine Kleinigkeit. Wie allerdings die Zecken 😈 auf diese Insel kommen, ist uns ein Rätsel.❔❓

 

Insgesamt war es eine Kanutour von mind. 8 km. Entsprechend wurden die Arme schon ein wenig schlapp. Aber der tolle See und das Spitzenwetter haben alles wett gemacht.

Dafür lassen wir auch gerne ein blaues Schleifchen da.

 

Viele Grüße aus Soest / Deutschland sagen die supertwinnies.

 

in: TB-Stamp zum Discovern (nicht gestempelt, aber zumindest geschrieben 😉)

 

 

Nach einer anschließenden "Foto-Session" ob der wunderbaren Motive und natürlich einem neuerlichen Wühlen in der Provianttasche - immerhin macht Paddeln hungrig und durstig - stechen wir nach einer knappen Dreiviertelstunde wieder in See, es ist mittlerweile kurz nach zwei Uhr und wir machen uns so langsam auf den Rückweg, immerhin haben wir noch eine Strecke vor uns und bis vier Uhr ist das Kanu nur gemietet.

Aber auch die Rückfahrt gelingt gut, so dass wir nicht zu früh das Kanu abgeben möchten und um kurz vor drei Uhr ein drittes Mal an Land gehen, nun ans Festland und nicht mehr allzu weit vom Campingplatz entfernt.

Wir leeren nun endgültig unsere Picknicktasche - warum sollen die Reste mit uns herumschippern, wo sie doch in unseren Mägen viel besser aufgehoben sind? - und genießen ein letztes Mal das Wasser. Eigentlich wollen wir uns nun, zum Abschluss der Tour, in die Fluten stürzen, doch irgendwie können wir uns dazu gar nicht aufraffen und so bleibt es abermals beim knietiefen Besuch im Wasser.

 

 

Um kurz vor vier Uhr sind wir pünktlich wieder am Campingplatz, leeren und säubern das Kanu mit dem mitgelieferten Schwamm, geben Paddel, Schwimmwesten, Sitzunterlagen und Putzzeug wieder ab und stehen noch ganz unter dem Eindruck der wunderschönen Tour auf dem Wasser, als wir nun wieder mit dem Womo Richtung Küste aufbrechen.

 

Da unsere papiernen Reiseführer die Laholmsbucht mit ihrem kilometerlangen wunderschönen, breiten Sandstrand anpreisen, beschließen wir, vom Bolmen aus gar nicht weiter nördlich zu fahren, sondern leicht südöstlich wieder zurück ans Meer, eben genau zu dieser Bucht. Leicht südlich von Halmstad kommen wir für eine Nacht auf dem Campingplatz "Hagöns Camping" für 380 Kronen unter, den wir gegen viertel nach fünf Uhr erreichen. Leider fängt es etwa zehn Minuten nach unserer Ankunft an zu regnen und es ist auch nicht mehr so warm, so dass ein Rundgang über den Platz und zum Strand etwas kürzer ausfällt (am Bolmen war das Wetter viel besser...).

Na ja, dafür gönnen wir uns nun umso länger eine ausgiebige Dusche, da wir durch das Kanufahren und das tolle Wetter im Inland doch teilweise ins Schwitzen gekommen sind und verschieben den ausgiebigeren Strandbesuch auf morgen bei hoffentlich wieder trockenem Wetter. 

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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