Zu Besuch bei den Elchen

Do., 28. Juli 2016, 6. Reisetag / ca. 130 Tageskilometer / von Båstad (Provinz Skåne/Halland), Campingplatz "Båstad Camping" nach Ljungby (Provinz Kronoberg/Småland), Campingplatz "Bolmens Camping", Koordinaten: 56.867489,13.5574729

Eingang zum Elinge Älgpark in Ljungby
Eingang zum Elinge Älgpark in Ljungby

"Wir sind in Schweden - wir müssen Elche sehen!"

So oder ähnlich schallt es von dem ein oder anderen von uns immer mal wieder durchs Womo und schon während unseres gesamten Aufenthaltes hier in Schweden schauen wir eifrig nach den berühmten rot-gelben dreieckigen Straßenschildern mit dem Elch drauf und der implizierten Botschaft "Achtung, Elch quert!". Ist aber erst mal nicht allzu häufig zu sehen, und wenn doch, dann ziemlich verblasst, also das Schild, nicht der Elch, denn hier in Südschweden ist es heutzutage alles andere als selbstverständlich, dass einem in dieser Region noch das beeindruckende Nationaltier so einfach über den Weg läuft.

Also gehen wir "auf Nummer sicher", biegen heute von der Küstenregion ab und fahren ins Landesinnere. Unser Ziel ist der im Reiseführer erwähnte "Elinge Älgpark" bei Ljungby (Koordinaten: 56.6712361,13.9615326) unweit des Bolmen-Sees, an dem wir im Anschluss irgendwo übernachten wollen. Ist zwar nicht die "echte Natur" und ein wenig leid tun uns die majestätischen Tiere schon, wenn sie da so eingesperrt sind, aber wildlebende Exemplare sind wohl einfach zu scheu, um sich dem Menschen mal eben so zu präsentieren.

Das berühmte schwedische Straßenschild
Das berühmte schwedische Straßenschild

Aber noch ist es nicht soweit. Zunächst halten wir nach dem Frühstück (ehrlich gesagt, sind wir so gut wie nie vor neun Uhr morgens so richtig "in die Pötte gekommen"... aber man hat ja Urlaub) noch ein Schwätzchen mit unseren Nachbarn, die auf der Rückfahrt von einem fünfwöchigen Schwedenurlaub sind und eine Fülle von Tipps und Reisezielen für uns haben. Die können wir zwar sowieso nicht alle verwirklichen, da wir ja nur knapp drei Wochen hier sind (und davon leider auch schon fast eine Woche vorbei ist), sie überlassen uns aber netterweise trotzdem einige Prospekte und Kartenmaterial. Mal sehen, ob und wie wir das einsetzen können.

Im Anschluss befreien wir unser Womo an einer sehr großzügig dimensionierten, modern und komfortabel gehaltenen Ver- und Entsorgung auf dem Campingplatz noch von Grauwasser und füllen Frischwasser nach, so dass wir erst gegen viertel nach zwölf Båstad in Richtung Ljungby verlassen.

Wir fahren dieses Mal über die Autobahn ins Landesinnere, einfach, weil es schneller geht und schon so spät ist. Die Tage zuvor vermieden wir bewusst die Schnellstraßen, damit wir "entschleunigt" auch was vom Land sehen und an schönen Orten leichter mal kurz anhalten können.

 

An der Autobahn sehen wir heute zum ersten Mal "Parkplätze", die extra zum Zwecke des Wiegens angelegt wurden. Auf den ersten Blick sehen sie wie normale Autobahnrastplätze aus, doch sind sie mit einer Schranke versehen und wir erkennen die Bodenwaage, die fast über die gesamte Breite der Parkbucht angebracht ist. An solchen Stellen also werden die Wohnmobile herausgewunken, um deren Gewicht zu kontrollieren! Puuhhh, wir sind angesichts dieser professioneller Anlagen, die wir in der Form noch nie in Deutschland gesehen haben, doch sehr froh, dass wir auf unsere Fahrräder verzichtet haben (auch wenn wir sie manchmal vermissen). Und selbst ohne diese zusätzlichen circa sechzig Kilo sind wir mit all unseren Lebensmitteln und dem anderen "Gedöns" über 3500 kg, wenn auch nicht so viel wie bei unserer allerersten Fahrt mit dem Womo um Ostern herum an der Nordsee.

Aber hier für Schweden ist uns klar, dass wir wegen der drakonischen Strafen bei Überladung in diesem Land "abspecken" müssen, so paradiesisch Schweden auch sonst für Womofahrer ist und fühlen uns nun angesichts der "Wiegebuchten" in unserer Überlegung bestätigt. Gottseidank ist heute keine Kontrolle, wir hätten es nicht drauf ankommen lassen wollen und nehmen uns vor, demnächst wieder die gaaanz kleinen Straßen zu fahren...

 

Um ziemlich genau zwei Uhr mittags kommen wir im Park an, und auch hier finden wir wieder äußerst gepflegte Rasenflächen als Parkplätze vor und nur wenige Autos, ähnlich wie ein Tag zuvor in Hovs Hallar. Wie schön, dann ist es auch bei den Elchen nicht so voll!

 

Mit einer Handvoll junger Birkenzweige, die wir an der Kasse als Futter für die Elche überreicht bekommen (sollten bei 320 Kronen, also circa 33 Euro Eintritt, auch drin sitzen...), betreten wir den Park. Irgendwie "gemütlich" ist es hier: weitläufige Gehege, zum Teil mit kleinen Seen oder Teichen, strahlender Sonnenschein, Picknicktische jeder Größe, Grün überall, wenige Menschen und einige Elche. So lassen auch wir es hier ruhig und gemütlich angehen, füttern zuerst die Tiere, dann uns selbst, genießen die Sonne und schlendern knapp eineinhalb Stunden zwischen den Gehegen umher. Dann kennen wir aber auch jeden Elch, ob groß oder klein, mit Namen... (na ja, ist nicht schwer, die Namen stehen ja am Zaun...).

 

 

Wieder "draußen" aus dem Park müssen wir natürlich noch dem "Elch-Devotionalien-Laden" einen Besuch abstatten, peinlich, aber wahr...

Wir brauchen doch unbedingt auch diesen schwarzen Elch-Aufkleber für unser Womo, der "beweist", dass wir in Schweden waren! Den Aufkleber gibt es hier natürlich in allen Formen und Größen und er wandert neben einer Elch-Tasse als Souvenir mit zur Kasse.

Ansonsten gibt es in dem Geschäft natürlich alles Mögliche und Unmögliche in Sachen Elch zu kaufen, von der Elch-Schürze für den passionierten Griller (eines Elch-Steaks, natürlich auch hier erhältlich) über die Schnaps-"Pinneken" mit Elch-Motiv, hunderte von Ansichtskarten, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, Platzdeckchen und alles, worauf man sonst noch ein Elch-Motiv unterbringen kann. Sehr geschäftstüchtig!

Wir widerstehen allerdings der Versuchung weiterer Elch-Einkäufe und brechen gegen vier Uhr am Nachmittag zu unserer letzten Tagesetappe Richtung Bolmen-See auf. Der Weg führt uns die restlichen paar Kilometer bis zum See über beschauliche, kleine Straßen, fast ohne Verkehr.

Ein sehr entspanntes Fahren ist das hier! Die Bäume - mal Birken, häufig aber Nadelgehölze - wachsen bis unmittelbar  an den  Rand der Straße, nur selten unterbrochen von den typisch schwedisch-falunroten Holzhäusern, die vereinzelt mal durch die grüne Landschaft hindurchblinken.

Schwedische Straße...
Schwedische Straße...
... noch eine schwedische Straße...
... noch eine schwedische Straße...
... und noch eine!
... und noch eine!

Einfahrt Bolmen-Camping
Einfahrt Bolmen-Camping

Knapp eine Stunde später, um kurz vor fünf Uhr, kommen wir am "Bolmen-Camping" an, einem kleinen Platz unmittelbar am See und - juchhhuuu - mit Kanuverleih! Hier gefällt es uns ausgesprochen gut: große Stellplätze, viel freie Fläche mit Sonne und Schatten, eine Wiese am See mit einer dort aufgebauten "Freiluft-Küche" und Räucherofen, um die fangfrischen Fische noch am Wasser selbst ausnehmen und zubereiten zu können. Fische angeln können wir aber nicht, dazu fehlt uns zum einen die Ausrüstung und zum anderen die Angelkarte, die man (außer an den fünf größten Seen in Schweden - und dazu gehört der Bolmen nicht) praktisch überall braucht. Außerdem hat keiner von uns Erfahrung mit dem Ausnehmen der Fische, das würde bei uns wahrscheinlich in einer "Matsche" enden...

Wir erkunden am frühen Abend die Umgebung, in der wir hier für 280 Kronen (ca. 29,50 €) für eine Nacht "gelandet" sind, reservieren für morgen schon mal für fünf Stunden und 300 Kronen ein Kanu und entdecken neben dem kleinen Bootsanleger des Campingplatzes noch einen kleinen Yachthafen direkt nebenan, eingebettet in viel Grün und wirklich schöner Lage. Hier spazieren wir eine ganze Weile umher und lassen in dieser Idylle die Seele baumeln.

 

Essensvorbereitungen...
Essensvorbereitungen...

Nach diesem erlebnisreichen Tag knurrt uns natürlich wie immer am Abend der Magen und es wird Zeit, einen Teil unserer Vorräte zu plündern. Draußen "schmeißt" Herr Fernschreiber den Gasgrill an und alle zusammen zaubern wir mal wieder ein schmackhaftes Menü auf den Tisch.

Das mehr oder weniger ungeliebte Spülen erledigen wir dann auch noch alle gemeinsam am Womo und wie drei Tage zuvor in Landskrona bricht auch heute Herr Fernschreiber nach einem Blick auf die Cache-Karte im GPS ("Hier gibt's doch bestimmt auch irgendwo 'ne Dose! Jawoll!!") noch mal auf, um irgendwo im Wald erneut einen Geocache aufzuspüren. Der Cache mit dem Namen "Tippsvagnsparadise" liegt an einem Platz mit über 80 alten, verrosteten Loren und kleinen Waggons, die laut Cachebeschreibung zu einer Schmalspurbahn im Wald gehörten, mit der bis 1968 hier in der Gegend Torf abgebaut und abtransportiert wurde. Wieder was gelernt!

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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