Ein Tag ganz im Zeichen des "Rasenden Rolands"

Mo., 10. Oktober 2022, 6. Reisetag / 0 Tageskilometer mit Womo / Rügen, Prora, Campingplatz Prora

Der "Rasende Roland" bei der Einfahrt Sellin Ost
Der "Rasende Roland" bei der Einfahrt Sellin Ost

Nachdem wir gestern bei den Kreidefelsen als DEM berühmten Wahrzeichen Rügens waren, muss es heute natürlich noch ein anderes sein: der "Rasende Roland". Seit 1895 tuckert die dampfbetriebene Schmalspurbahn mit einer Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h über Deutschlands größte Insel und verbindet die bekannten Seebäder auf einer Strecke von 24 Kilometer miteinander.

Früher fuhr der "Rasende Roland" auch noch bis in den Norden zum Kap Arkona, aber das ist schon lange Geschichte. Eigentlich gibt es auch nicht den einen "Rasenden Roland", sondern es existieren mehrere Züge und Loks, von denen sich in Sellin am Bahnsteig zwei auch schön begegneten.

 

Doch von vorne: Morgens um kurz nach acht Uhr liegt der Campingplatz noch im Schatten, aber die Baumwipfel werden schon von der Sonne angestrahlt, strahlend blauer Himmel ist zu sehen, es ist um die 10° Celsius warm, aber auch wieder recht windig. Ideales Wetter für einen Bahntrip über alle Stationen hinweg, die der "Rasende Roland" noch im Angebot hat (unsere Strecke heute: Binz - Sellin - Göhren - Putbus - Binz, wie es die Karte oben auch zeigt). 

Wir wollen eine Tageskarte für 25 € pro Person für das gesamte Streckennetz kaufen. So sind wir zeitlich und örtlich unabhängig (na ja, so unabhängig halt, wie es das Streckennetz und der Fahrplan eines Zuges eben zulassen). 

 

Fahrt mit dem "Rasenden Roland"

 

Um Viertel nach elf schwingen wir uns auf die Räder und fahren die circa vier Kilometer bis zum Kleinbahnhof in Binz. Der Bahnhof des "Rasenden Rolands" ist ein ganz anderer als der "normale" Bahnhof von Binz, an dem sogar ICE verkehren, obwohl auch er nicht sehr groß ist.

Nach einer Viertelstunde kommen wir um halb zwölf am Kleinbahnhof an, kaufen die Fahrkarten ganz "altmodisch" am Fahrkartenschalter und fahren (pünktlich!) um 11:44 Uhr los Richtung Sellin, wo wir um 12:11 Uhr ankommen. Die Strecke führt durch Felder und Wälder, schön entspannend.

in Sellin steigen wir natürlich aus, um uns auch diesen Badeort anzuschauen. Es sind einige schöne Häuser im typischen Ostsee-Bäderstil zu sehen, aber ehrlich gesagt, hat Sellin außer seiner schönen Seebrücke städtebaulich nicht allzu viel zu bieten, zumindest im Oktober. Binz ist schöner.

 

 

Dampfwolken streben gen Himmel und Menschen gen Ausgang in Binz
Dampfwolken streben gen Himmel und Menschen gen Ausgang in Binz

Auf der Fahrt von Binz nach Sellin

Der "Rasende Roland" am Bahnhof Sellin Ost
Der "Rasende Roland" am Bahnhof Sellin Ost
Gleich mehrere "Rasende Rolands" begegnen sich in Sellin
Gleich mehrere "Rasende Rolands" begegnen sich in Sellin

Bäderarchitektur und Seebrücke in Sellin

Seebrücke in Sellin
Seebrücke in Sellin

Foto aus vergangenen, mondäneren Zeiten der Bäderkultur; Ansichten hinter dem Restaurant auf der Seebrücke und Taucherglocke, die gerade auf den Grund der Ostsee absinkt

 

Weiterfahrt ins nächste Seebad: Göhren

 

Laut Fahrplan bringt uns der nächste Zug um 14:13 Uhr nach Göhren, also weiter! Mal sehen, was Göhren so zu bieten hat. Keine fünfzehn Minuten später kommen wir dort an. Die Seebäder liegen ja wirklich nicht weit auseinander, zumal man mit 30 km/h durch die Lande zuckelt. Aber ein Erlebnis ist die langsame Bahnfahrt schon! Vor allem, da es hier auch - anders als beim "Molli" von Kühlungsborn nach Bad Doberan, mit dem wir letztes Jahr gefahren sind - "Freiluftwaggons" gibt, die bei dem ganz schönen Wetter heute als Erstes besetzt werden und es tagsüber dort kaum einen freien Platz gibt, wenn man nicht schnell genug ist.

 

 

 

Außerdem riecht man dann zuweilen ganz schön den Ruß, der sich als hauchfeine Asche- und Dampfwolke über den gesamten Zug legt. Das riecht fast so wie unser Schornsteinfeger, wenn er bei uns zu Hause den Kamin kehrt...

 

Seebrücke von Göhren

 

Göhren ist noch "verschlafener" als Sellin, aber das mag natürlich auch der Jahreszeit geschuldet sein. Die Saison ist ja so gut wie vorbei, so scheint's zumindest.

Auch hier ist der praktisch einzig sehenswürdige Ort die Seebrücke, die aber viel kleiner ist als die in Sellin. Immerhin steht hier zu Beginn des Stegs aber auch ein kleines, weißes Häuschen, das hat Binz nicht...

 

Seebrücke in Göhren
Seebrücke in Göhren
Pause in Reih und Glied
Pause in Reih und Glied

 

Im Umfeld der Brücke haben noch ein, zwei Läden geöffnet, durch die wir kurz durchtingeln. Hier in Göhren tropft es sogar mal für eine ganz kurze Zeit vom Himmel, Regen kann man das kaum nennen. Doch insgesamt hat sich die Wolkendecke geschlossen, es sind aber immer noch so um die 13° Celsius.

Wir schlendern noch eine Weile auf der Promenade entlang, vorbei an einem Adventure-Minigolfplatz, der auch den legendären Wikingeranführer "Blauzahn" auf seinem Gelände zeigt und von dem sich unser "Bluetooth" herleitet. Also kleine Geschichtsstunde inklusive. 

 

 

 

Knapp anderthalb Stunden verbringen wir in Göhren, bevor es wieder zum Bahnhof geht und der "Rasende Roland" uns um 15:53 Uhr wieder Richtung Binz bringt. Weiter südlich geht's nämlich nicht weiter.

 

Nochmal in den "Rasenden Roland": Weiter geht's nach Putbus, zum westlichen Ende der Bahnstrecke

 

Aber wir wollen noch nicht in Binz aussteigen, sondern fahren durch Binz durch bis nach Putbus, dem westlichen Endpunkt der heutzutage noch fahrbaren Strecke. Hier sind wir von Göhren aus über eine Stunde mit dem Zug unterwegs, der Weg ist das Ziel... Aber die beschauliche Fahrt über die Insel, die hier meist durch Felder und Wiesen führt, hat schon was. Außerdem ist die Bahn jetzt längst nicht mehr so voll. Die meisten Leute sind in Binz ausgestiegen.

Um 17:09 Uhr kommen wir in Putbus an, das soll die "Kulturhauptstadt" der Insel sein, klein zwar, doch kulturell bedeutend, so steht es zumindest in unserem Reiseführer. Na ja, im Oktober um kurz nach fünf Uhr am Nachmittag ist davon allerdings nicht so viel zu spüren. Wir sind fast die einzigen Menschen, die im Ort herumlaufen, Putbus wirkt wie ausgestorben.

Eigentlich hatten wir vor, hier irgendwo zu Abend zu essen und dann mit dem letzten Zug irgendwann um 20 Uhr herum wieder zurück zu fahren, doch angesichts gähnender Leere und geschlossener Geschäfte und Restaurants (wenn man es richtig bedenkt: wir finden noch nicht einmal eine Gaststätte fußläufig um den Bahnhof herum...) beschließen wir, uns hier nicht allzu lange aufzuhalten. 

 

 

 

Wir laufen zu einem nahegelegenen Park mit einem Obelisken in der Mitte. Das ist eigentlich ganz schön angelegt und die Kultur lässt sich auch in den Gebäuden rings herum erahnen, aber auch hier sind wir praktisch alleine. Das ist irgendwie doof.

Immerhin kommt ganz einsam und allein ein Trabbi angetuckert, unverkennbar das Geräusch des Plaste-Zweitakters, der in diesem Fall wohl noch ganz "normal" als Alltagsfahrzeug gebraucht wird. Denn es steigt vor der Sparkasse ein Mann aus dem Nostalgie-Gefährt (noch unverkennbar mit blechernen DDR-Nationalitätenkennzeichen neben dem Rücklicht), huscht in die Sparkasse, holt dort wohl Geld ab, quetscht sich fünf Minuten später wieder in seine Rennpappe und fährt laut röhrend davon.

Das ist eigentlich das einzige Highlight in Putbus...

 

 

 

Also schlendern wir wieder langsam zurück zum Bahnhof, nachdem wir gesehen haben, dass der nächste Zug uns um 18:09 Uhr wieder nach Binz bringen kann. Den nehmen wir dann auch. So waren wir nur genau eine Stunde in Putbus, aber wir haben es wenigstens mal kurz gesehen. Außerdem stand am heutigen Tag ja die Bahnfahrt als das Besondere auf dem Programm, nicht so sehr "Städtebesichtigung".

 

Jetzt sind wir auf weiter Strecke ganz allein im Zug, haben sowohl die geschlossenen Waggons als auch den "Freiluft-Waggon" praktisch für uns. Nur ganz wenige andere Fahrgäste sind noch mit an Bord. Wir verbringen die knappe halbe Stunde Fahrt bis nach Binz daher auch "im Freien" und genießen die Zuckelei zur "Blauen Stunde" durch die Landschaft.

 

Kurzes Video über die Bahnfahrt:

 

Wieder in Binz

 

Um kurz nach halb sieben am Abend kommen wir wieder in Binz an. Da aber an diesem Montag auch hier kaum Restaurants geöffnet haben, schwingen wir uns auf unsere Räder und kommen um kurz nach sieben am Womo an. Dann kochen wir halt heute selber, denn auch die Gaststätte auf dem Campingplatz hat montags Ruhetag. Aber das wussten wir schon vorher.

Ein Tag ganz im Zeichen der Nostalgie neigt sich dem Ende zu.

 

Abendstimmung in Binz am Schmachter See mit Brunnen und Steg am Schmachter Markt

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Vantourer 600 L Cargo Line

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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