Siena - am Piazza del Campo tummeln sich die Studenten in der Mittelalter-Stadt

Mo., 6. August 2018, 12. Reisetag / 0 Tageskilometer mit Womo / "Camping Colleverde", Siena (Toskana)

Piazza del Campo mit Torre del Mangia und Palazzo Pubblico
Piazza del Campo mit Torre del Mangia und Palazzo Pubblico

Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem wie immer ausgiebigen Frühstück hier auf dem Campingplatz Colleverde in Siena schlendern wir um elf Uhr zunächst mal Richtung Rezeption, um uns Bustickets für die Fahrt in die Altstadt von Siena zu kaufen.

Die historische Altstadt von Siena liegt vom Campingplatz aus circa 6 km mit ÖPNV entfernt, die ungefähr 20-minütige Busfahrt bis ins Zentrum beginnt an der Haltestelle 120 m vom Campingplatz entfernt. Man könnte auch zu Fuß gehen, dann sind es nur 3,5 km, aber dafür braucht man circa eine Dreiviertelstunde und es geht nur hoch und runter...
Die Tickets kosten uns insgesamt 6 €: pro Fahrt/pro Person 1,50 €.
Ein wenig müssen wir an der Bushaltestelle bei sonnigen Temperaturen um die 34° Celsius noch warten, bis uns um 11:23 Uhr die Buslinie Nr. 3 (in mal wieder halsbrecherischer italienischer Fahrweise, das kennen wir schon aus Venedig letztes Jahr) zur Haltestelle "Tozzi" - eine Art Busbahnhof - in die Altstadt bringt, wo wir um 11:45 Uhr ankommen.

Piazza del Campo

 

Unser erster Weg durch mittelalterliche Gassen und an Universitätsgebäuden vorbei soll uns zum Mittelpunkt des weltlichen Zentrums und unbedingtes Ziel aller Siena-Touristen führen: Zum Piazza del Campo mit seinem auffällig fächerförmigen Platz, der in neun Sektoren (als Symbol des regierenden "Rats der Neun" im Mittelalter) gepflastert ist. Es ist einer der schönsten Plätze Italiens. Auf dem Platz stehend hat man einen guten Blick auf das imposante Rathaus, dem Palazzo Pubblico mit seinem Rathausturm Torre del Mangia. Aber dieses Mal verzichten wir auf Turmbesteigungen - hier und auch später auf den Glockenturm des Doms - es ist einfach zu heiß heute. Pisa und Florenz müssen reichen...

 

 

Siena - Stadt der Motorroller

 

Schon auf dem Weg zum Campo fallen uns die Unmengen an Vespas und Motorroller auf. Ganz anders als in Florenz bewegt man sich hier wohl eher motorisiert fort. Bei dem Hoch und Runter der Drei-Hügel-Stadt ist das auch irgendwie nachvollziehbar. Hier ist fast nichts waagerecht.

Außerdem gibt es hier um die 20.000 Studenten, die das Stadtbild mit insgesamt etwa 50.000 Einwohnern schon ziemlich prägen. Siena hat eine der ältesten Universitäten Italiens, schon im 13. Jahrhundert wurde sie gegründet. Und jeder heutige, "moderne" Student hat gefühlt einen Motorroller... Aber auch Autos sind überall zu sehen, die Kernstadt ist so gut wie nicht autofrei, im Gegensatz zu Florenz, wo man sich eher mit dem Fahrrad (und jetzt mit noch einem mehr... nämlich mit dem von Herrn Fernschreiber...) fortbewegt.

 

Schließlich kommen wir am Campo an und verweilen dort erstmal eine ganze Weile. Hier findet auch zweimal im Jahr das berühmte Palio-Pferderennen statt, nämlich am 2. Juli und 16. August. Schade, für das eine Datum sind wir zu spät, für das andere ein paar Tage zu früh dran...  Bei diesem Wettkampf der 17 Stadtteile Sienas umrunden Jockeys auf verlosten Pferden ohne Sattel den Campo dreimal. Dazu wird der Platz schon Tage vorher mit einem Tuff-Sandsteingemisch präpariert und Stellwände aufgestellt, die wir teilweise schon (noch?) dort stehen sehen. In der Mitte des Platzes und ganz außen auf Tribünen und am Rande des Campo knubbeln sich dann die Zuschauermassen, um dem Spektakel zuzuschauen. Aber heute liegt der große, eindrucksvolle Platz in der Senke mit seiner typisch muschelartigen Form noch ganz friedlich im Sonnenlicht. Dominant sind hier natürlich der Palast und Turm der weltlichen Macht, doch der gestreifte Glockenturm und die Kuppel des Doms als kirchliches Zentrum sind in der Entfernung auch schon auszumachen. Der Torre del Mangia, also der Turm zum Palazzo Pubblico, ist mit 102 m Höhe ein wenig höher als der Campanile des Doms - darauf legten die Sieneser Ratsherren als weltliche Macht damals großen Wert...

 

Der fächerförmige Piazza del Campo mit Torre del Mangia und Palazzo Pubblico
Der fächerförmige Piazza del Campo mit Torre del Mangia und Palazzo Pubblico

 

Der Dom von Siena: Santa Maria Assunta

 

Wir schauen uns ein wenig in den Gassen und der Fußgängerzone hinter dem Campo um, bevor es dann weiter Richtung Dom geht. Natürlich gibt es auch hier wieder viele Weinhandlungen mit reichlich Brunello-Wein. In der Fußgängerzone sind zahlreiche kleine Läden und Boutiquen zu finden, die sich aber ganz gut und "unauffällig" in das mittelalterliche, gotische Stadtbild einfügen. Manches Mal gibt es auch "überbaute" Gassen, hier würde man im Dunklen vielleicht nicht so gerne hergehen...?! Obwohl: Siena hat eine der geringsten Kriminalitätsraten in Städten dieser Größe. Dies ist den sozialen Aktivitäten der 17 Stadtteile (Contraden) zu verdanken, die alle innerhalb der Stadtmauern Sienas liegen.

 

 

Einen kurzen Spaziergang später und ein paar Gassen weiter erreichen wir den auffällig gestalteten Dom Sienas, Santa Maria Assunta, der im Gegensatz zum Palazzo Pubblico höher liegt: L'acropoli di Siena.

 

Duomo Santa Maria Assunta
Duomo Santa Maria Assunta

 

Hier kaufen wir für 5 € nun auf "herkömmliche" Art zwei Tickets für den Besuch der gotischen Kirche, also am Ticketpoint, nicht per Handy. Hier gibt es auch keine so langen Warteschlangen wie in Florenz. Im Inneren des Doms findet die ins Auge springende gestreifte Fassade ihre Fortsetzung und hier fallen vor allem die vielen Flaggen der 17 Stadtviertel auf, meist mit Tiermotiven gestaltet, und die tollen Marmorbilder im Fußboden. Sie werden mit einer Kordel vor den Schuhen der Touristen geschützt und abwechselnd freigemacht.

 

 

Auch der Blick hoch in die Kuppel des Doms ist sehr eindrucksvoll.

 

 

Im Anschluss schauen wir uns noch ein wenig in der im Gebäude angrenzenden Libreria Piccolominea, der Piccolomini-Bibliothek, um. Riesige Chorbücher hinter Glas fallen dort ebenso auf wie das bunte Gewölbe der Bibliothek hoch oben.

 

 

Im Anschluss setzen wir unseren Bummel durch das in der Mittagshitze sehr stille Siena fort, ohne eine bestimmte Richtung oder ein Ziel vor Augen zu haben. Wir lassen uns quasi durch die Stadt treiben und entdecken dabei immer mal wieder schöne Aus- und Ansichten.

 

Aussicht über Siena
Aussicht über einen Teil von Siena

 

Siesta in der Mittagshitze

 

Um kurz nach zwei Uhr am Nachmittag machen wir eine Siesta mit Picknick in einem kleinen, schattigen Park auf einem der Hügel der Stadt und haben von dort eine schöne Aussicht wie auf dem Bild oben.

Wir schauen uns die Geocachingkarte an, die uns auch schöne Aussichtspunkte anzeigt und setzen im Anschluss an unsere Siesta unseren Rundgang durch Siena in Richtung Musikakademie Accademia Musicale Chigiana (Kurz: die Chigiana) fort, eine berühmte, internationale, musikalische Institutio, die schon viele heute berühmte Musiker und Sänger der klassischen Musik hervorgebracht hat. Am Palazzo Chigi-Saracini, der die Akademie beherbergt, und dem um den Palast herum angelegten Freigelände hat man zum Teil wundervolle Ausblicke auf die Stadt. Manchmal hört man irgendwo zwischen den Gemäuern ein Klavier oder eine Geige erklingen... eine angenehme musikalische Untermalung der Szenerie... In den Gärten stehen auch überall Stühle vor kleinen Bühnen, wahrscheinlich noch von der Musikwoche Siena, die alljährlich im Juli (bis um das Jahr 2000 herum im September) stattfindet.  

 

Aussicht von der Musikakademie aus ins Umland von Siena
Aussicht von der Musikakademie aus ins Umland von Siena
Blick über die Altstadt von Siena
Blick über die Altstadt von Siena

 

Nach diesem "Rundum-Blick" schlendern wir um kurz nach drei Uhr wieder langsam zurück Richtung Zentrum zum Campo. Auch hier gibt es den ein oder anderen Eindruck der mittelalterlichen Stadt zu sehen.

 

 

Um kurz vor halb vier Uhr sind wir wieder am Campo und schauen uns den Innenhof des Palazzo Pubblico kurz an. Nach einem Museumsbesuch steht uns allerdings jetzt nicht der Sinn. Wir suchen stattdessen im Anschluss schon mal die Pizzeria San Martino, die uns von einer Kollegin Frau ´Fernschreiberins - einer erfahrenen Toskanafahrerin -  wärmstens empfohlen wurde. Die Pizzeria ist unscheinbar, eigentlich nur mehr ein Stehimbiss mit wenigen Sitzgelegenheiten an einer schmalen Theke, doch die Pizza soll sehr lecker und vergleichsweise günstig sein, bedenkt man die Restaurantpreise auf dem Campo...

Wir finden die Pizzeria auch bald in einer der Gassen, die vom Campo wegführen (oder hin, je nachdem...), doch es ist erst um halb vier Uhr rum, nicht gerade eine Zeit für Pizza. Aber wir wissen jetzt schon mal, wo sie ist.

Wir gehen wieder zum Campo zurück und gönnen uns zunächst mal ein Eis in einem Restaurant mit Blick auf den Torre del Mangia und schlendern danach noch einmal durch die nicht so besonders lange Fußgängerzone, schauen hier und da und sehen - natürlich - auch wieder Weinhandlungen mit den sündhaft teuren Brunello-Weinen. So 60 bis 100 € pro Flasche für verschiedene Jahrgänge dürfen es hier dann schon mal sein...

 

 

Der Hunger meldet sich: Gelato e Pizza

 

Um fünf Uhr am Nachmittag herum kann uns aber auch das vorhin einverleibte Eis nicht mehr vor größeren Hungerattacken retten und wir gehen erneut zur Pizzeria San Martino. Zu unserem Erstaunen bekommen wir "nur" jeweils kleinere, quadratische Stücke der in der Tat frisch zubereiteten und sehr lecker schmeckenden Pizza.  Das ist ja nur was "für den hohlen Zahn"! Also genehmigen wir uns noch zwei weitere Stücke und da wir in der Pizzeria um diese Zeit praktisch alleine sind und man da ja auch nicht so schön sitzen kann, lassen wir uns die nächsten zwei Stücke einpacken und setzen uns damit mitten auf den Campo, um unser Abendessen dort zu vertilgen. Atmosphärisch viel schöner!

 

 

Gut gesättigt treten wir langsam den Rückweg zum kleinen Busbahnhof an, wo wir um kurz vor sechs Uhr am Abend ankommen. Nur zwei Minuten später kommt unser Bus der Linie 3, die uns um genau 18:13 Uhr schon wieder an der Bushaltestelle am Campingplatz "auswirft". Die Rückfahrt ging jetzt irgendwie schneller als die Hinfahrt, obwohl es die gleiche Strecke mit der gleichen Buslinie war. Nun ja, nicht so viel Verkehr wie heute Vormittag...

Nur zwei Minuten später sind wir am Womo, die Bushaltestelle liegt ja quasi fast direkt am Campingplatz. Eigentlich sind wir ja für mediterrane Verhältnisse viel zu früh wieder "zu Hause", der Abend in Siena liegt ja quasi noch vor einem. Aber die ganze "Latscherei" in der Mittagshitze ist doch irgendwann anstrengend und man ist froh, wenn man dann nach einer erfrischenden Dusche entspannen und die Beine hochlegen kann. Das tun wir schließlich auch, gönnen uns noch Eis und Wein und lassen den Abend bei immer noch 29° Celsius ausklingen. Siena ist wirklich eine sehenswerte und schöne mittelalterliche Stadt, deren Besuch zu einem Toskanaurlaub unbedingt dazugehört! 

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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