Zu Besuch bei Shakespeare in Stratford-upon-Avon

(Kar)freitag, 14. April 2017, 8. Reisetag / 150 Tageskilometer / von Kingsclere, Newbury (Yew Tree Farm) nach Stratford-upon-Avon (Parkplatz, Koordinaten: 52.1955234,-1.6983996)

Begrüßung in Stratford-upon-Avon, "Shakespeare-Stadt"
Begrüßung in Stratford-upon-Avon, "Shakespeare-Stadt"

Eigentlich wollen wir nach unserem London-Aufenthalt ja an die Südküste zurück, und dann speziell Richtung Westen nach Cornwall. Der gestrige, recht spontan unternommene Besuch des relativ nah an London liegende Highclere Castle "verhinderte" allerdings die Weiterfahrt in den Südwesten Englands. Und heute sollte noch etwas "dazwischenkommen": der tiefe Wunsch einer der Fernschreiber-Töchter, unbedingt nach Stratford-upon-Avon fahren zu wollen, zum Geburts- und Sterbeort William Shakespeares, Romeo und Julia sei Dank...

Allein: Stratford-upon-Avon, nicht zu verwechseln mit dem Londoner Stadtteil Stratford, liegt noch weiter nördlich, jetzt schon quasi in Mittelengland, in der Nähe von Birmingham.


Zugegeben: Die "Shakespeare-Stadt" ist mit einem dicken Sternchen für "unbedingt sehenswerte Sehenswürdigkeit" in unserem Reiseführer markiert, liegt aber dennoch etwas außerhalb unserer geplanten Route, "150 km in die falsche Richtung"...

Andererseits freut es die Fernschreiber-Eltern ja doch ein bisschen, dass der Nachwuchs in diesem Fall so "kulturbeflissen" ist, den Reiseführer wälzt und sich somit aktiv in die Urlaubsplanung einbringt. Dazu kommt das unschlagbare Argument, dass wir ja völlig frei und unabhängig mit unserem Womo seien und eigentlich überall dort hinfahren könnten, wo es uns gefällt. Also fällt die Entscheidung zugunsten der hohen Dichtkunst und des genialen englischen Renaissance-Literaten und Schauspielers aus, wir verabschieden uns vom lieben Pony auf unserem ansonsten einsamen Stellplatz in Newbury und brechen gegen halb zwölf Uhr Richtung Norden auf.


Doch zuvor werfen wir noch einen kritischen Blick auf unsere neue, zusätzliche Batterie-Bordanzeige: Der "Blackout" der Stromversorgung nach ein paar Tagen ohne Landstrom und nur kurzen Fahrstrecken im Elsass letzten Jahres im Herbst und nochmals im Februar diesen Jahres nach einer Übernachtung während der abf-Campingmesse in Hannover veranlassten uns, noch im gleichen Monat zwei neue Batterien und einen Ladebooster einbauen zu lassen, der die bei der Fahrt gewonnene Energie auch weiterleitet bis in die Aufbaubatterien. Das ist ohne Booster nicht zwingend der Fall, wie wir uns in verschiedenen Fachzeitschriften und Foren angelesen haben. 

Aber nun - in diesem Urlaub zum ersten Mal ohne Strom am Stellplatz - ist alles "im grünen Bereich": Kamen wir gestern Abend mit 100 % Batterieladung am Stellplatz an, so notieren wir heute Morgen kurz vor Abfahrt immer noch 94,3 % Strom und das, obwohl wir gestern Abend Fernsehen (DVD) geschaut haben, dabei die übliche ("Ambiente"-) Beleuchtung und einige andere Lichtquellen uns erhellten, wir warmes Wasser zum Waschen und die Toilette benutzten, wofür natürlich Wasserpumpen gebraucht werden und über Nacht alle vier Smartphones dank vieler von Herrn Fernschreiber nachträglich eingebauter USB-Steckdosen mit neuer Energie versorgt wurden. Auch die morgendliche pumpenstromverbrauchende Wasch- und Toilettenaktion mal vier kann den Batterien nichts weiter anhaben. Ein schönes Gefühl!

 

Aber bevor wir uns mit dieser Freude über energiegeladene Modernitäten nun in die Sphären alter, geschliffen englischer Sprache und Werke begeben, holen uns anderweitige Niederungen irdischen Lebens ein: Wir müssten mal langsam unsere Lebensmittelvorräte auffüllen, wie wir schon gestern Abend feststellten, und das am Karfreitag... 

Also "googeln" wir mal die Lebensmittelläden in der Nähe und prompt wird uns ein Lidl in Newbury angezeigt, wie es auch unser im Womo eingebautes Navi macht (warum auch immer). Lidl ist zwar nun nicht gerade ein kulinarisches Fachgeschäft und hat nicht soooo viel Auswahl an frischer Ware, aber im Urlaub nehmen wir das nicht so genau. So versuchen wir also in Newbury unser Glück. Schon auf der kurzen Fahrt dahin fällt uns eine gewisse Geschäftigkeit und Betriebsamkeit der englischen arbeitenden Bevölkerung auf; von Feiertagsruhe nichts zu sehen und zu spüren...

... Zum Glück für uns, denn auch Lidl hat geöffnet! In Deutschland undenkbar, wo ja zur Einstimmung auf das höchste christliche Fest schon ab Gründonnerstagnacht die Feiertagsruhe bundesweit strikt eingehalten wird. 

Fast eine Stunde lang kaufen wir "den halben Laden leer" in der Hoffnung, dass dies - abgesehen vom gelegentlichen Kauf von frischem Obst - bis zum Urlaubsende reicht und fahren gegen 13 Uhr endlich weiter über Oxford Richtung Stratford-upon-Avon.

 

Um kurz nach halb drei Uhr kommen wir in der Heimat des großen englischen Dichters und Denkers an, der in Stratford-upon-Avon in der ländlich geprägten Grafschaft Warwickshire 1564 als Sohn einer kleinen Grundbesitzer-Familie geboren und aufgewachsen ist. 

Das Wetter könnte besser sein, zum ersten Mal in diesem Urlaub regnet es, es ist windig und 14° Celsius "warm", gefühlt kälter, aber dafür kann Shakespeare ja nichts...

Wir parken auf einem großen, recht leeren Parkplatz an einem Sport- und Freizeitcenter, nur etwa fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt und warten im Womo einen kurzen, aber heftigen Regenschauer ab. Danach machen wir uns auf in Richtung des Flusses Avon und erreichen den kleinen Hafen mit seinen vielen schmalen Hausbooten. Umgeben ist das Wasser mit einer weitläufigen Grünanlage, in der das Royal Shakespeare-Theatre eingebettet ist und am gegenüberliegenden Ufer sogar ein Riesenrad steht, fast wie eine kleinere Ausgabe des London Eyes in der Hauptstadt.

Wir schlendern eine Weile durch den Park, in dem heute vielleicht wegen des Wetters nicht allzu viel los ist, bevor wir Richtung Städtchen ziehen und dort die Holy Trinity Church suchen, in der Shakespeare getauft und begraben wurde.

Auf dem Weg dahin kommen wir an verschiedenen Lebensstationen Shakespeares vorbei: die Grammar School, also das örtliche Gymnasium, in dem der kleine William Grammatik, Logik, Rhetorik und Latein gelernt hat; New Place, wohin sich Shakespeare nach seinen Londoner Jahren zurückzog und Hall's Croft, das Anwesen seiner Tochter Susanna und dessen Ehemann Dr. John Hall.


 

Schließlich an der Kirche angekommen müssen wir feststellen, dass diese am heutigen Karfreitag geschlossen hat. Na wunderbar! Die Geschäfte und Läden alle offen, Kirche zu... "verkehrte Welt" in England, was die deutsche "Feiertags-Gewohnheit" zu Ostern angeht.

Wir umrunden die Kirche einmal ganz und schon kommt der Gedanke der Fernschreiber-Tochter auf, doch bis morgen hierzubleiben, man könne doch nicht Stratford verlassen, ohne beim Grab Shakespeares gewesen zu sein! Da hat sie eigentlich recht und wenn wir nun schon so einen "Umweg" Shakespeares wegen gefahren sind, machen diese paar Stunden mehr "den Kohl auch nicht fett".

Wir vergewissern uns per Hinweisschild am Eingang des Kirchfriedhofs, dass die Kirche am morgigen "Ostersamstag" auch wirklich geöffnet hat und machen uns langsam auf den Rückweg zum Womo, nun immer am Fluss Avon entlang durch den Park und wieder am Riesenrad vorbei zum Parkplatz und "im Vorbeigehen" nehmen wir als kleine "Entschädigung" noch zwei Caches mit.

Wahrscheinlich ist auch deswegen heute nicht so viel los in Stratford, da das Grab des großen Lyrikers und Dramatikers an diesem Tag nicht zu besichtigen ist.

 

(Noch leerer) Parkplatz in Stratford-upon-Avon
(Noch leerer) Parkplatz in Stratford-upon-Avon

Gegen 17:00 Uhr sind wir wieder am Womo und wir beschließen wegen der morgigen Tagesplanung, gar keinen anderen Stellplatz außerhalb der Stadt anzufahren, sondern der Einfachheit halber gleich hier stehenzubleiben. Das ist zwar kein ausgewiesener Übernachtungsplatz für Womos, aber unser vorhin für 4 £ gelöstes Parkticket ist bis morgen früh um acht Uhr gültig und es stehen noch weitere vier Womos hier, eines davon auf Auffahrkeilen, was darauf hindeutet, dass zumindest dieses auch über Nacht bleibt. Später stellt sich heraus, dass auch die anderen Womos alle hier stehenbleiben.

Hier gibt es weder Ver- noch Entsorgung fürs Womo, natürlich auch kein Strom, aber wir sind noch gut mit Wasser versorgt, Toilette und Abwassertank sind noch schön leer und unsere Batterie zeigt abends um halb sechs Uhr immer noch 97,3 % Stromkapazität.

Jetzt ist es wieder kalt, windig und es fängt erneut an zu regnen, kaum, dass wir das Womo erreicht haben. Da trifft es sich doch gut, nicht weiterzufahren, sondern sich mit einer Tasse Tee und einem Stückchen Kuchen gemütlich im Womo "einzumummeln".

Abends schauen wir wieder eine DVD, laden über den Wechselrichter einen Nintendo der Töchter und gehen mit 90,7 % Batterieladung zu Bett. 

Man sieht also an den minutiösen Aufzeichnungen über unseren Stromverbrauch und die Arbeit unserer Batterien, dass wir darauf bedacht sind, in diesem Urlaub nicht ohne "Batteriesaft" dazustehen...

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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