WG-Suche in Bamberg

(Fronleichnams-) Donnerstag, 11. Juni 2020, 1. Reisetag / 361 Tageskilometer / von Soest nach Bamberg, Nähe "Stellplatz am Heinrichsdamm" (Koordinaten 49.8862406,10.9006059)

Auf der Fahrt nach Bamberg
Auf der Fahrt nach Bamberg

Dieses Jahr ist eines derjenigen, das weltweit und auch bei uns in der Familie gerne unter der Rubrik "erinnerungswürdig" eingehen wird. Zum Einen ist da natürlich die fast alles andere verdrängende Corona-Pandemie, die uns jetzt schon seit Mitte März mit all ihren Auswirkungen in Atem hält.

Zum Anderen legten unsere beiden Zwillingstöchter in diesem Frühjahr ihr Abitur ab (ja, mit ganz normalen und sehr erfolgreichen Prüfungen, trotz vorheriger Schulschließungen kein abgespecktes "Corona-Abitur"!) und müssen dieses Jahr  - gerade 18 Jahre alt geworden - einen neuen Lebensweg einschlagen.

Beide entschieden sich zunächst für ein einjähriges FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) im Bereich Schule / Kultur / Bildung. Doch während die eine Tochter noch ein Jahr in Soest bleibt und hier an einer Schule arbeitet, zieht es die andere schon in die "Ferne", ins fränkische Bamberg im schönen Bundesland Bayern.

Vor zwei Jahren waren wir schon einmal in Bamberg, in den Herbstferien, zur zweitägigen Stippvisite auf dem Weg nach München. Schon "damals" gefiel uns die Stadt ausnehmend gut, obwohl wir nur einen kleinen Einblick gewinnen konnten und das Wetter auch kaum mitspielte. Und wir konnten natürlich noch nicht ahnen, dass diese schöne Stadt mit ihrem Alten Rathaus, dem Dom, der Unteren Brücke und Klein Venedig und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten zwei Jahre später die vorläufige Heimat einer unserer Töchter werden sollte.

 

Jetzt, nachdem seit circa Ende Mai klar ist, dass aus einigen Bewerbungen die Stadt Bamberg den Zuschlag gegeben hat, braucht es natürlich auch eine Unterkunft. Unsere Tochter möchte unbedingt in eine WG, um nicht ab September mutterseelenallein in irgendeinem Zimmer zu sitzen; Studentenwohnheime kommen auch kaum infrage, da sie ja noch keine Studentin ist.

Seit ein paar Tagen verfolgen wir verstärkt die WG-Angebote auf verschiedenen Internet-Plattformen, da gibt es wirklich gute für Bamberg mit (noch) reichlich Auswahl. Außerdem möchten wir uns gerne schon mal die zukünftige Arbeitsstätte ansehen: Wie sieht's dort vor Ort und in der Umgebung aus, welche Busverbindungen gibt es und wo sind Haltestellen usw. Aber eigentlich ist in Bamberg das Fahrrad das Fortbewegungsmittel Nr. 1, wie wir festgestellt haben. Ist gar nicht so hügelig, die Stadt, wie wir es in Erinnerung hatten (zum Dom hoch...). Dort, wo man im Allgemeinen hinfährt, geht's eigentlich recht gemäßigt flach voran. Schön!  

 

Morgens um Viertel nach zehn Uhr tanken wir voll und zu dritt geht's bei sonnig-bewölktem Wetter und circa 16° Celsius ab "auf die Piste", knapp vier Stunden lang mit unserem Womo. Die andere Tochter möchte in Soest bleiben; zu viele Aktivitäten stehen am Fronleichnams-Wochenende an, jetzt, wo die Corona-Regeln schon ein Stück weit gelockert wurden...

 

Um Viertel nach zwei Uhr am Nachmittag kommen wir nach ruhiger, staufreier Fahrt am Stellplatz in Bamberg an, doch der ist pickepacke voll, wie wir schon fast befürchtet hatten. Die Menschen wollen nach wochen- gar monatelanger Reisebeschränkungen endlich wieder unterwegs sein, Wohnmobilisten sowieso und der Platz mit seinen gerade mal 25 Stellplätzen ist nicht besonders groß... Da ist auch wirklich alles belegt, Abstandsregeln nicht zu erkennen...

Was also tun? Wir gurken ein wenig in der näheren Umgebung herum und finden nur wenige Meter entfernt in einer ruhigeren Wohnstraße ein freies Fleckchen am Straßenrand. Hier sind schon einige andere Womos, die wohl auch "Opfer" einer etwas verfehlten Stadtverwaltungspolitik in Sachen Stellplatzangebote in einer so attraktiven Stadt wie Bamberg geworden sind. Parkplatzbeschränkungen, Zeitlimits oder Verbote für Wohnmobile gibt es hier nicht, also gesellen wir uns dazu. Wir stehen zwar etwas schräg, halb auf der Straße, halb auf dem Bürgersteig, dafür zahlen wir hier keinen Cent. Autark sind wir ja sowieso für ein paar Tage.

 

Danach gehen wir zu Fuß in die Innenstadt, die von hier nur knapp zwei Kilometer und 25 min fußläufig entfernt liegt. Das P&R-Ticket, das man direkt neben dem Stellplatz ziehen kann, sparen wir uns. Wir haben ja gerade vier Stunden gesessen und wollen uns nun ein wenig bewegen. Um halb fünf Uhr haben wir unsere erste WG-Besichtigung. Bis dahin steuern wir das Alte Rathaus an, schlabbern an der Unteren Brücke ein Eis, sehen die Touristenströme in der Oberen Sandstraße (dem Kneipenviertel in Bamberg), schlendern Richtung Klein Venedig und machen uns dann langsam auf zur Besichtigung.

 

 

Nach einem sehr netten Austausch mit einer jungen Studentin in der WG setzen wir unsere "Sightseeing-Tour mit Arbeitsauftrag" fort und schauen uns im Anschluss die ERBA-Insel an, dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau, mit den vielen Studenten-WG's in der ehemaligen Spinnerei und Weberei. Tolle Atmosphäre hier! Nicht zuletzt auch wegen des jetzt immer besser werdenden Wetters und des großen Parks mit der renaturierten Regnitz und der vielen Sportmöglichkeiten, wo sich zig Menschen tummeln. Der Park ist so weitläufig, dass hier mühelos auch die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden können.

Durch ein Telefonat mit einer Immobilienverwalterin im Vorfeld der Fahrt erfuhren wir, dass unter bestimmten Bedingungen auch Nicht-Studenten in der alten Spinnerei und Weberei wohnen können. Leider ist kein Ansprechpartner an diesem langen Fronleichnamswochenende vor Ort, so dass wir das Gebäude nur von außen sehen können. Es käme wegen der akzeptablen Entfernung zum zukünftigen Arbeitsort unserer Tochter ganz gut in Frage und viele Online-Fotos des WG-Portals zeigen recht ansprechende Wohnverhältnisse. Wir werden diese Möglichkeiten auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

 

 

Nachdem wir uns eine ganze Weile auf der ERBA-Insel aufgehalten haben, steuern wir nun die zukünftige Arbeitsstelle unserer Tochter an, auch zu Fuß (beim nächsten Besuch in Bamberg werden wir auf jeden Fall unserer Fahrräder mitnehmen! Hier erreicht man quasi in 10-15 min. von jedem Punkt aus alle anderen wichtigen Orte in der Stadt...).

An der Tür der FSJ-Stelle hängt die Adresse der Zweigstelle, von der wir wissen, dass unsere Tochter dort ebenfalls eingesetzt werden wird. Ein Blick auf Google Maps zeigt uns: 1,6 km entfernt. Also ist das nächste Ziel gesteckt. Und das - natürlich - wieder zu Fuß.

Insgesamt werden wir an diesem Tag etwas mehr als 15 km gelaufen sein, wie die Fitnessuhr am Handgelenk zeigt. Das macht die fast vierstündige Anfahrt auf jeden Fall wieder wett...

Mittlerweile ist es Viertel nach sechs Uhr und die Füße qualmen doch ein wenig. Wir beschließen - auch angesichts des deutlicher werdenden Magenknurrens - wieder Richtung Innenstadt zu marschieren und dort irgendwo etwas zu essen.

Und "Irgendwo" bedeutet wieder im Hotspot Bambergs: an der Oberen Brücke. Dort haben wir das Glück, dass unmittelbar vor dem Rathaus ein Tisch draußen frei wird, coronagemäß im weitem Abstand von den anderen. Hier lassen wir kulinarisch den Abend ausklingen und die Füße haben erstmal Pause.

Nach dem Essen schauen wir uns im Abendlicht noch einmal in der Umgebung des Alten Rathauses um und schlendern durch den nördlichen Teil des Bamberger Hainparks - dem Theresienhain - immer entlang des linken Regnitzarms langsam zurück zum Womo. Um kurz nach neun Uhr am Abend sind wir dort und platt wie die Flundern, haben aber sehr viel von Bamberg gesehen und ein sehr aufschlussreicher Tag geht zu Ende. Wir schauen noch online nach weiteren WG-Angeboten und haben morgen noch zwei Besichtigungen. Doch für heute ist erstmal Feierabend!

 

Altes Rathaus
Altes Rathaus
Altes Rathaus
Altes Rathaus zwischen den Regnitz-Armen
Am linken Regnitz-Ufer entlang Richtung Theresienhain
Am linken Regnitz-Ufer entlang Richtung Theresienhain
Rückblick Richtung Innenstadt
Rückblick Richtung Innenstadt

Freitag, 12. Juni 2020, 2. Reisetag / 365 Tageskilometer / von Bamberg nach Soest

Auf dem Weg in den Luisenhain des Hainparks
Auf dem Weg in den Luisenhain des Hainparks

Sonne satt und 26° Celsius erwarten uns heute!

Glücklicherweise wird unser Womo in der kleinen Seitenstraße, in der wir übernachtet haben, von hohe seitlichen Bäumen beschattet, sonst wäre es schon am frühen Morgen sehr warm drinnen geworden. Die Nacht war recht laut so nahe an der Bundesstraße, die ja noch durch die Baumreihe in der kleinen Nebenstraße abgemildert wurde. Für 15 € Stellplatzgebühr direkt am Rhein-Main-Donau-Damm gegenüber ist man auch nicht gerade verwöhnt... gut, dass wir hier stehen! Kostenfrei und ein Tickchen ruhiger!

Herr Fernschreiber holt von gegenüber beim Bäcker einen ganzen Schwung frischer Brötchen (fränkisch Semmeln...), die uns über den Tag retten.

Heute haben wir die nächsten WG-Besichtigungen erst um halb vier Uhr am Nachmittag und dann noch mal um halb sechs Uhr, das heißt, viel Freizeit am Vormittag und frühen Nachmittag.

Wir beschließen, an diesem sonnigen Tag in den nahegelegenen Hainpark zu gehen, dieses Mal in den südlichen Teil, dem Luisenhain. Hier ist es auch wunderschön, an dieser südlichen Spitze Bambergs, wo die Regnitz sich in den linken und rechten Arm aufteilt. Noch etwas weiter südlich befindet sich auch der Campingplatz Bambergs. Ideal gelegen, um ab und zu unsere Tochter besuchen zu können und mit einem Kurzurlaub zu verbinden... ;)

Wir schlendern langsam bis zur südlichen Spitze des Hains, dort, wo sich auf den Treppenstufen die Damen gesetzteren Alters der Gymnastikgruppe zum gemütlichen Picknick treffen und viele Radfahrer Pause machen. Ein Tretbootverleih mit tollem Ausblick ist leider - wohl corona-bedingt - geschlossen. Nichtsdestotrotz ist es toll hier. Wir bleiben eine Weile auf einer Bank sitzen und genießen die Atmosphäre.

 

 

Allmählich gehen wir weiter, um noch das ein oder andere zu sehen und schlendern nun am rechten Regnitzarm wieder gen Norden. Gegen ein Uhr am Nachmittag erreichen wir den botanischen Garten, der sich ebenfalls mitten im Hainpark befindet. Hier gefällt es uns so gut, dass wir den Rest unserer freien Zeit bis zum nächsten Besichtigungstermin bleiben. Hier ist es nicht zu voll und wir finden eine schöne Bank im Halbschatten um einen Baum herum "drapiert", wo wir es uns mit unserem kleinen Picknick und Lesen gutgehen lassen.

 

 

Gegen halb drei Uhr verlassen wir das schöne Fleckchen Erde und gehen langsam die wenigen hundert Meter zum Womo zurück. Da keine weiteren Besichtigungstermine an diesem langen Wochenende anstehen - viele Studenten scheinen in diesem Corona-Online-Semester und obendrein zu Fronleichnam eventuell auch gar nicht in ihrer Studienstadt zu sein - wollen wir gegen Abend wieder zurück nach Soest fahren. Bamberg lohnt sich zwar immer wieder, aber da wir keinen richtigen Stellplatz haben, möchten wir die Geduld der Anwohner in der kleinen Seitenstraße nicht überstrapazieren und fahren nun mit dem Womo zu den nächsten Terminen. Irgendwo in der Nähe werden wir sicher einen Parkplatz für die Dauer der Besichtigung finden.

Und so ist es auch. Nach wenigen Kilometern Fahrt lernen wir um halb vier Uhr eine weitere sehr nette Studentin mit ihrer Mitbewohnerin kennen; der Dritte im Bunde ist zurzeit nicht in Bamberg. Hier stimmt "die Chemie" auf Anhieb und zwei Tage später wird unsere Tochter die Zusage zum Einzug in die WG bekommen. Das ist doch schon mal toll gelaufen! Allerdings gibt es nächste Woche auch noch ein weiteres Angebot, dieses Mal über Skype und Online-Besichtigung. Mal sehen, was daraus wird.

 

Bis zum nächsten Termin haben wir noch etwa anderthalb Stunden Zeit. Wir fahren mit dem Womo zur nächsten WG und schauen uns schon mal die Wohnung von außen an. Da wir sonst nichts weiter zu tun haben, erkunden wir abermals die Gegend und loten aus, wo es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten gibt. Ein kleiner Fußmarsch dahin beschert uns leckere Smoothie und knusprige Brezeln. Während wir unser kleines Picknick vor uns hinmümmeln, erreicht uns vom WG-Anbieter die Nachricht, ob die Besichtigung auch auf sechs Uhr am Abend verlegt werden könne, er habe gerade "jemanden da". Ungern stimmen wir zu, da wir uns eigentlich schon auf dem Weg zur Wohnung befanden und nun erneut eine halbe Stunde Leerlauf haben. Na ja, die Lage der WG zur Arbeitsstätte ist gut, da nimmt man auch Terminverschiebungen in Kauf. Allerdings klingelt zehn Minuten vor Besichtigung - wir sind nur noch drei Minuten fußläufig von der Wohnung entfernt - wieder das Telefon unserer Tochter: Ob wir denn das Zimmer auch wirklich nehmen würden nach der Besichtigung? Wenn man "nur schauen wolle", sich aber erst später entscheiden würde, wäre eine heutige Besichtigung eigentlich überflüssig, er wolle das Zimmer ja auch nicht "reservieren" und überhaupt kämen hier dauernd Leute, würden ein- und ausziehen, da wolle er nicht so lange warten. Alles ziemlich suspekt...

Das hätte er uns schon gleich bei der ersten Kontaktaufnahme am gestrigen Abend mitteilen können und letztlich schien er unserer Tochter am Telefon nicht gerade einer der Engagiertesten... Schlussendlich: wir verzichten auf die Besichtigung, ärgern uns wegen der verlorenen Zeit, gehen zum Womo zurück, tanken nochmal voll und brechen gegen Viertel nach sechs Uhr gen Heimat auf.

Obwohl dieser letzte Termin nicht gerade optimal verlaufen ist und wir insgesamt nur zwei Wohnungen besichtigen konnten, empfanden wir diese beiden Tage als erfolgreich und gelungen. Wir haben vieles "sondieren" können und wiederum festgestellt, wie schön Bamberg ist.

Um Viertel vor zehn Uhr am Abend, nach dreieinhalb Stunden problemloser Fahrt, kommen wir nach zwei schönen Tagen in Bamberg wohlbehalten wieder zu Hause an.

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Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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