Vom "Nullpunkt" in Greenwich in die City von London

Mo., 26. März 2018, 3. Reisetag / 0 Tageskilometer mit Womo / Campingplatz "Abbey Wood" London

Blick auf die Londoner Docklands vom Observatorium Greenwich
Blick auf die Londoner Docklands vom Observatorium Greenwich

Zur üblichen "Fernschreiber"-Urlaubszeit wird's lebendig im Womo, also so kurz nach neun Uhr... Der Blick nach draußen beschert uns den freudigen Anblick eines wolkenlosen (!) Himmels - was aber leider nicht so bleiben wird - und das Thermometer zeigt 10,4° Celsius an. Trocken sollte es auch bleiben und angesichts dieser Prognose beschließen wir, heute nicht bis London-City mit der southeastern-Bahn "durchzurauschen", sondern zunächst in Greenwich Halt zu machen, um dort am königlichen Observatorium den Nullmeridian zu besuchen. Durch Greenwich fahren wir jedes Mal hindurch, wenn wir von Abbey Wood ins Zentrum von London fahren, heute wollen wir da auch endlich mal aussteigen.
Genau um elf Uhr ist Abmarsch vom Womo, knapp eine Viertelstunde später sind wir am Bahnhof - wie immer. Um 11.23 Uhr fahren wir mit der southeastern Richtung Cannon Street, steigen aber nach gut zwanzig Minuten Fahrt aus und kommen um viertel vor zwölf Uhr in Greenwich an.

Diese Stadt bestimmt die Weltzeit und trägt den Längen-Nullmeridian, weshalb sie von der UNESCO 1997 auch zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Schönes Städtchen scheint das traditionsreiche Greenwich zu sein. Zumindest das, was man vom Bahnhof aus auf der Strecke zum Greenwich Park, einem "royalen Park" so sehen kann (in London wird irgendwie alles "majestätisch" genannt...).

 

Ankunft in Greenwich
Ankunft in Greenwich
Bahnhofsgebäude von Greenwich
Bahnhofsgebäude von Greenwich
Auf dem Weg zum Greenwich Park
Auf dem Weg zum Greenwich Park

 

Durch den Greenwich Park zum königlichen Observatorium und zum Nullmeridian

 

Nach ungefähr zehn Minuten Fußmarsch erreichen wir besagten Park. Eindrucksvoll kommt er daher, wie wirkt das alles erst, wenn die Bäume und Grünanlagen in voller Pracht stehen? Auf dem höchsten Punkt des Parkes erkennt man nun die königliche Sternwarte (Royal Observatory), heute Museum. Die Sternwarte wurde 1685 genau dort errichtet, um die Längengradbestimmung anhand des Sternenhimmels zu präzisieren.

 

 

Wir machen uns an den kleinen Aufstieg und haben schon auf halbem Wege nach oben einen tollen Blick auf London mit der Themse, den Wolkenkratzern von Canary Wharf, der City of London und dem Millennium Dome im Hintergrund und mit dem Queen's House, einem ehemaligen königlichen Palast, im Greenwich Park.

 

Skyline von London hinter der Themse mit Queen's House im Vordergrund
Skyline von London hinter der Themse mit Queen's House im Vordergrund

 

Begleitet von gefühlt hunderten von grauen Eichhörnchen gehen wir durch den Park weiter nach oben zur Sternwarte und zum Nullmeridian, dessen Linie genau durch den Hof des Observatoriums verläuft, und für dessen Besuch man Eintritt bezahlen muss.

 

Eichhörnchen-Geschäftigkeiten...

 

Für Besucher wie wir, die das Museum nur von außen betrachten, gibt es auch außerhalb des Hofes eine den Null-Längengrad markierende Linie, die dann logischerweise ein ganz klein wenig vom wirklichen Nullmeridian abweicht.

 

Automatische Uhr von 1852
Automatische Uhr von 1852

Das Problem mit der Uhrzeit und dem Längengrad...

 

Jetzt wird's ein klein wenig theoretisch... aber wenn man schon mal an solch einem Ort ist, will man auch ungefähr wissen, warum...

Seit circa 150 Jahren gibt man die Weltzeit in ihren Abweichungen zur Greenwich Mean Time (GMT) an, sodass beispielsweise die englische Uhrzeit eine Stunde hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) zurückliegt. Während die Bestimmung des Breitengrades schon lange möglich war, scheiterten auch berühmte Seefahrer wie Francis Drake an der Längengradbestimmung und man fuhr jahrhundertelang relativ orientierungslos über die Weltmeere, mit entsprechenden nautischen Unglücken. Berühmte Astronomen wie Galilei, Newton oder Halley suchten die Antwort vergeblich in den Gestirnen. Anhand der Sterne lässt sich der Längengrad nicht bestimmen, es ist kein astronomisches Phänomen. In jahrzehntelanger Arbeit gelang es dem bis dato unbedeutenden Uhrmacher John Harrison 1735, einen zuverlässigen Chronometer zu konstruieren, mit dem man die Zeit des Heimathafens mit der jeweiligen Ortszeit verglich und so die genaue Bestimmung des Längengrades möglich geworden war. Klingt irgendwie ganz schön kompliziert, aber auch faszinierend...

Und um all das auch ein wenig optisch präsentiert zu bekommen, sehen wir eine der ältesten automatischen Uhren von 1852 außen an der Mauer der Sternwarte hängen. Doch diese Uhr sehen die Seefahrer natürlich nicht vom Wasser der Themse aus. Daher fiel und fällt bis heute vom Dachfirst des Flamsteed Hauses am Observatorium jeden Tag um Punkt dreizehn Uhr ein roter Ball an einer Stange herab. Mit diesem Signal können die Schiffsleute ihre Uhren danach ausrichten.

 

 

Sichtweisen...

Royal Greenwich Observatory
Royal Greenwich Observatory

Auch von ganz oben am Observatorium haben wir einen klasse Blick über London und auf die Docklands, netterweise spielt das Wetter einigermaßen mit. Ganz rechts außen von unserem Blickwinkel aus ist auch der Millennium Dome (jetzt "O2-Arena") im Dunst zu erkennen, wie eine riesige Schildkröte liegt der große Veranstaltungsort dort. Ein großer Flop wurde dieser Bau, mit vielen Schulden und mäßiger Auslastung...

Aussicht von ganz oben mit Millennium-Dome rechts
Aussicht von ganz oben mit Millennium-Dome rechts

Wir schauen uns noch ein wenig in der Umgebung der Sternwarte um und suchen natürlich die "Nulllinie". Einmal gleichzeitig mit einem Bein auf der östlichen und mit dem anderen auf der westlichen Halbkugel stehen. Wo ist das sonst möglich?

 

 

Spaziergang zum Dreimaster "Cutty Sark"

 

Nach diesem einmaligen "Spagat" auf der Erdhalbkugel steigen wir wieder hinab vom Greenwich-Hügel, um am Greenwich Peer der Themse dem im 19. Jahrhundert schnellsten und wohl schönsten Dreimaster, dem Teeklipper "Cutty Sark", einen Besuch abzustatten. Das Segelschiff liegt auf einem verglasten Trockendock und kann von innen wie auch von unten besichtigt werden, ja, man kann unter dem Schiff hergehen! Warum auch immer... Aber erstmal müssen wir dahinkommen, an schönen Pubs und alten Parkuhren vorbei...

 

 

Das Schiff transportierte einstmals, ja, was wohl? Genau: Tee, und zwar von China nach England in der Rekordzeit von 107 Tagen, bis zum Bau des Suezkanals. Danach ging's mit den modernen Dampfschiffen schneller.

Wir laufen um die Cutty Sark herum, verzichten aber auf einen Besuch des Inneren und wollen stattdessen weiter. Zu Fuß unter der Themse hindurch...

 

 

Einmal zu Fuß unter der Themse her

 

Der Tunnel wurde von 1897 bis 1902 gebaut, um den am anderen Flussufer wohnenden Hafenarbeitern den Weg zur Arbeit zu erleichtern. Sehr entgegenkommend, im wahrsten Sinne des Wortes... Hundert Stufen führen erst in die Tiefe, bevor wir 400 m durch eine gekachelte, halbrunde Röhre marschieren - schön geordnet mit Mittellinie und dem Hinweis "Keep left" - und am Nordufer erneut das Tageslicht erreichen. Toller "Arbeitsweg"... aber immerhin wurde man nicht nass... also vom Regen...

 

Nordeingang zum Tunnel, 100 Stufen hinab...
Nordeingang zum Tunnel, 100 Stufen hinab...
... 400 m unter dem Wasser her...
... 400 m unter dem Wasser her...
... und am Südufer wieder nach oben
... und am Südufer wieder nach oben

Picknick an der Themse - doch was ist da hinten los?
Picknick an der Themse - doch was ist da hinten los?

Wieder an der frischen Luft setzen wir uns am Themse-Ufer ein wenig in die Sonne, die nun hervorlugt, wie schön! Wir werden im Laufe des Urlaubs nicht mehr allzu viel von Sonnenstrahlen verwöhnt werden. Mal schauen, was unsere Rucksäcke und Taschen so an Nahrhaftem hergeben.

Während wir da so sitzen, erschallen in einiger Entfernung hinter uns Megaphon, Trillerpfeife und laute Rufe. Was ist da los? Klassenausflug! Die Lehrer sammeln ihre Schüler um sich, die schon einige Zeit zuvor recht "unternehmungslustig" hörbar waren. Mannomann, das muss man auch erstmal wollen, als Lehrer mit einem Megaphone durch die Gegend zu laufen. Doch das Schulleben bewahrheitet sich hier wieder - wie auch vielerorts woanders - bekanntermaßen strenger als bei uns in Deutschland. Schon oben am Observatorium sahen wir viele Schulklassen, die den Ausflug in ihren typischen Schuluniformen, die Jungen mit Krawatte, die Mädchen im Rock, mit Schulemblem alle, unternahmen, manche herangekarrt mit schuleigenen Kleinbussen, auf denen der Name der Schule prangte - bestimmt Privatschulen.

In Londons Straßen konnten wir an anderen Tagen wiederum Schulkinder - jüngere dieses Mal - beobachten, die allesamt Warnwesten trugen und damit - wie natürlich beabsichtigt - außerordentlich gut sichtbar waren, wenn sie im Gänsemarsch die Straßen überquerten. Ist uns in Deutschland bei Klassenausflügen so noch nicht aufgefallen, höchstens beim morgendlichen "Walking Bus", wenn Grundschüler in Begleitung Erwachsener zur Schule gehen.

Wahrscheinlich beginnen in der nächsten Woche für viele Schulen hier die Osterferien. England regelt seine Ferienzeiten dezentraler und individueller als dies in Deutschland der Fall ist. Aber die vielen Klassenausflüge, die bevorzugt vor den Ferien veranstaltet werden, sprechen da eine recht eindeutige Sprache.

Nach unserem Picknick auf der Bank setzen wir uns in Richtung Bahnstation "Island Garden" in Bewegung, die nur wenige Meter entfernt ist. Wir wollen mit der DLR, der computergesteuerten Bahn, die teilweise auf Stelzen fährt, durch die Docklands weiter Richtung Leicester Square.

 

"Achterbahnfahrt" mit der Docklands Light Railway (DLR) durch die Docklands


Um 13.37 Uhr sitzen wir in der Bahn und fahren zunächst zur U-Bahn-Station "Bank". Achtzehn Minuten führt uns die Fahrt durch zum Teil virtuose Kurven und streckenweise über Stelzen, so dass man sich manchmal wie in einer (natürlich gemäßigten) Achterbahn wähnt, quer durch den im frühen 19. Jahrhundert größten Dockhafenkomplex der Welt. Da haben wir noch Glück gehabt, die schon etwas außergewöhnliche Bahnfahrt erleben zu dürfen, denn in den kommenden zwei Tagen wird diese Bahnlinie bestreikt werden, wie überall zu lesen ist.

Von Island Gardens...
Von Island Gardens...
... zum Leicester Square
... zum Leicester Square

Jetzt werden hier schon seit einigen Jahrzehnten keine Ladungen mehr gelöscht oder neue an Bord genommen. Für die heute viel größeren Schiffe ist es zu umständlich und schwierig, dem gewundenen Lauf der Themse so weit flussaufwärts zu folgen. Die fahren heute nur noch bis Tilbury, rund vierzig Kilometer weiter flussabwärts von London, also näher am Meer. Von Tilbury ab wird auf der Themse landeinwärts heute nicht mehr "gearbeitet", sieht man mal von Vergnügungsdampfern und Ausflugsbooten ab.

 

 

Dafür entstehen in der Gegend der ehemaligen Docks - der Halbinsel Isle of Dogs - nun -zig moderne Hochhäuser aus Glas, Beton, Granit und Stahl, allesamt Bürokomplexe mit wahrscheinlich astronomisch hohen Preisen, die regelrecht in der Sonne blenden, wenn man da durch fährt. Andere Infrastruktur fehlt hier überwiegend, mal hier ein Supermarkt oder da eine Apotheke? Oft Fehlanzeige. Dies wurde auch von Prinz Charles bemängelt, aber die Thatcher-Regierung wollte diese unterkühlte Eleganz so - da machte die "eiserne Lady" ihrem Namen auch in dieser Hinsicht mal wieder alle Ehre. So sind die heutigen Docklands abends oder am Wochenende oft menschenleer, ist ja nichts los zu der Zeit...

Sei's drum, wir genießen die gut viertelstündige Fahrt durch dieses besondere Hafenareal und kommen nach nochmaligem Umsteigen und Weiterfahrt mit einem der roten Londoner Linienbusse - unser immer noch beliebtestes Fortbewegungsmittel in London - gegen drei Uhr am Leicester Square an. Im Bus sieht man einfach viel mehr als in der Tube, zum Beispiel das schöne Gebäude in der Nähe des Leicester Squares, in dem das Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child", Teil I und II, läuft. Da wurde extra ein eindrucksvolles und weithin sichtbares Eingangs-Portal geschaffen!

 

 

Essen und "zauberhafte" Unterhaltung am Leicester Square

 

Am Leicester-Sqare, der Theater- und Musicalgegend Londons schlechthin, schauen wir mal am" Half Price Ticket Booth" nach verbilligten Tickets für einen spontanen Besuch eines Musicals am Abend. Doch bevor wir überhaupt so weit kommen, nach vier möglichst zusammenhängenden Sitzplätzen als "Restposten" zu fragen, schrecken uns ehrlich gesagt die auch schon reduzierten Preise ein wenig ab. Immerhin zahlen wir alles mal vier und unser eigentliches Highlight des Urlaubs - der morgige Besuch der Harry Potter-Studios - ist schon teuer genug, wie eigentlich ganz London (aber das wussten wir ja vorher...).

 

 

So verzichten wir auf einen Musical-Abend und schauen uns noch ein wenig in der Gegend des Platzes um.

 

Street Art-Künstler
Street Art-Künstler

Zwischendurch meldet sich der Hunger so langsam und wir füllen unsere Mägen ein paar Schritte weiter mit zwei riesigen Pizzen und einem Salatbuffet. Gut gesättigt bewundern wir im Anschluss als "Nachtisch" die Künste eines Street Art-Künstlers, in diesem Falle eines Zauberes, am Leicester Square (immer noch), der die Menschenmenge aufs Beste unterhalten kann. Dieses Erlebnis eines tollen Straßenkünstlers konnten wir auch schon letzten Jahr im Jubilee Gardens im Schatten des London Eyes genießen. Die wirklich unterhaltsamen Aufführungen belohnen wir Zuschauer dann gerne mit ein paar Münzen im herumgereichten Hut des Künstlers.

 

Nachdem wir uns am Leicester Square mit seiner "spritzigen" Mitte und dem Shakespeare-Denkmal lange genug aufgehalten haben, möchten die Fernschreiber-Töchter "mal schnell" ins M&M's-Gebäude in der Nähe. Drei Stockwerke sind hier ausschließlich den süßen, bunten Pillen gewidmet, mit dazugehörigem aberwitzigen Merchandising natürlich.

Schon beim Betreten des Eingangs um viertel vor fünf Uhr schlägt einem der süßliche Geruch von Millionen M&M's entgegen. Wer hier den ganzen Tag arbeitet, riecht abends selbst wie'n M&M's-Drops...

Gottseidank bleiben wir hier wirklich nicht lange, kaufen auch nichts, aber gesehen haben wir's nun, da kann man halt mitreden.

 

 

Besuch der National Gallery am Trafalgar Square

 

Wir tauschen den Anblick der vielen kleinen, runden M&M-Kugeln mit der Betrachtung wunderbarer Gemälde in der National Gallery, die nur ein paar Gehminuten vom Leicester Square am Trafalgar Square liegt. Es ist zwar schon um die fünf Uhr herum, doch da die Nationalgalerie - wie die meisten Museen in London - kostenfrei ist, ist auch ein nur einstündiger Besuch schon interessant, als "Appetithappen" sozusagen, die Galerie schließt nämlich um achtzehn Uhr. Vielleicht kommen wir ja noch einmal für eine längere Zeit hierhin, lohnenswert ist es auf jeden Fall. Immerhin ist es eines der meistbesuchten Museen der Welt. 

 

 

So schauen wir uns in den blauen Räumen Werke von Bellini, Botticelli, Raphael und vielen anderen italienischen Meistern an, "lustwandeln" in den roten Räumen auf den Spuren von Titian, Michelangelo und weiteren Künstlern, die gelben Säle geben uns Einblick in die Werke Caravaggios, Rembrandts, Rubens und anderer Maler und in den grünen Räumen schließlich treffen wir auf Bilder von van Gogh, Monet, Cézanne, Turner und anderer Berühmtheiten.

Eigentlich sind die verschiedenen Säle und Flügel beispielsweise nach berühmten Förderern benannt, aber die Orientierung nach Farben auf den Hinweissäulen im Museum erleichtert die Orientierung für den gemeinen Besucher doch sehr. Hier könnte man wirklich (mindestens) einen ganzen Tag bleiben und hätte auch dann noch nicht alles gesehen! Man wird fast "erschlagen" von der Fülle an Meisterwerken; um die 2300 Werke vom 13. bis 19. Jahrhundert sind hier zu besichtigen.

Neben den Gemälden an sich ist vor allem auch das Gebäude der Nationalgalerie sehr beeindruckend. Schon in den hohen, weiten Sälen mit prächtigen Böden, Decken und Kuppeln hat man Wunderbares zu sehen, bis wir dann um kurz vor sechs Uhr das Museum verlassen (müssen) und noch ein wenig am trubeligen Trafalgar Square bleiben, der sich uns in der Abendsonne präsentiert.

 

Trafalgar Square mit Nelsonsäule und Grand Buildings
Trafalgar Square mit Nelsonsäule und Grand Buildings

 

Spaziergang zur Themse ins Westminster-Viertel, am Horse Guards und Downing Street vorbei

 

Da das Wetter an diesem Abend (ausnahmsweise) noch zu schön für eine Heimfahrt nach Abbey Wood ist, beschließen wir nun, vom Trafalgar Square Richtung Themse über die große Straße "Whitehall" Richtung Westminster zu schlendern.

 

 

Dabei kommen wir am Prachtgebäude Horse Guards vorbei. Natürlich gehen wir durch das bogenförmige Tor des Gebäudes hindurch, vorbei an den Stallungen, in denen es doch recht vernehmbar nach Pferd riecht, und werfen einen Blick auf den sonnenüberfluteten Paradeplatz, auf dem täglich um elf Uhr morgens die Wachablösungszeremonie abgehalten wird - ähnlich wie vor dem Buckingham Palace. Schon eindrucksvoll, der Platz, der von der Südseite aus von Downing Street 10 begrenzt wird... also kann Theresa May wohl auch von irgendeinem Zimmer aus ihrem Amtssitz heraus auf diesen Platz schauen...

 

Wir gehen weiter die Whitehall entlang, von der die Downing Street abzweigt, doch diese ist leider schon von der Einmündung der Whitehall an mit Gittern und Polizisten abgesperrt, kein Durchkommen also zur "Brexit-Premierministerin" für uns "Normal-Sterbliche".

Was wir allerdings in unmittelbarer Nähe der Downing Street erleben ist eine kleine Demonstration gegen den EU-Austritt der Engländer nächstes Jahr. Europabefürworter schwenken medienwirksam die Europaflagge und halten rote Schilder mit der Aufschrift "Brexit: is it worth it?" ("Brexit: Ist es das wert?") hoch. Nicht alle Briten sind also für die Abkopplung von Europa...

 

Demo gegen den Brexit mit Europaflaggen
Demo gegen den Brexit mit Europaflaggen
Downing Street...
Downing Street...
... aber leider komplett abgeriegelt
... aber leider komplett abgeriegelt

Nach ein paar hundert Metern erreichen wir das Westminster-Viertel und sehen Big Ben komplett und praktisch bis zur Unkenntlichkeit eingerüstet, und das auf Jahre hinaus. Wie schön, dass wir den berühmten Glockenturm letztes Jahr noch in seiner ganzen Pracht unverkleidet sehen konnten. Wir überqueren die Themse nicht, sondern "flanieren" direkt am Ufer an der Nordseite entlang über die Straße "Victoria Embankment" und beobachten die Vielzahl an Radfahrern auf ihrem Weg in den Feierabend, mit leuchtenden Jacken und Helmen geduldig an der roten Ampel vor Big Ben stehend. So vorbildlich ausgerüstet! Ist wahrscheinlich überlebensnotwendig... als Radfahrer im Großstadtverkehr Londons.

Big Ben komplett eingerüstet
Big Ben komplett eingerüstet
"Leuchtende" Radfahrer
"Leuchtende" Radfahrer

Vom Nordufer der Themse aus haben wir einen sehr schönen Blick auf das am gegenüberliegenden Ufer stehende London Eye in der Sonne mit dem eindrucksvollen Gebäude der County Hall nebenan. Die County Hall war früher der Sitz des London County Council (LCC) und später des Greater London Council (GLC) und zuständig für den inneren Bezirk Londons. Heute sind in der County Hall viele Geschäfte, zwei Hotels, das Besucherzentrum und einige Attraktionen untergebracht, darunter das London Sea Life Aquarium und das London Dungeon mit der gruseligen Darstellung des früheren Londons.

 

London Eye (oder "Millennium Wheel") mit County Hall - dem früheren Verwaltungssitz Londons - nebenan
London Eye (oder "Millennium Wheel") mit County Hall - dem früheren Verwaltungssitz Londons - nebenan
Vor dem London Eye am Nordufer der Themse
Vor dem London Eye am Nordufer der Themse

Wir genießen den Blick über die Themse auf diese Aussicht, setzen uns ein wenig auf die Bänke am Ufer - uns gaaaanz sicher fühlend, denn in unserem Rücken prangen vor einem großen Gebäude die Lettern von New Scotland Yard - und warten darauf, dass es allmählich dunkler wird. Wir möchten noch zum Piccadilly Circus mit seiner neuen Leuchtreklame. Der Platz ist sicherlich auch wegen der Werbetafeln so bekannt und im Dunklen daher fast attraktiver als im Hellen. Letztes Jahr war die fassadenbedeckende Leuchtreklame wegen umfassender Modernisierungsarbeiten monatelang abgebaut, auch im Frühjahr, als wir da waren. Jetzt soll sie wieder im neuen Glanz erstrahlen, im wahrsten Sinne des Wortes, also müssen wir uns das doch mal anschauen und machen uns auf Richtung Tube.

Piccadilly Circus Station
Piccadilly Circus Station

Wir laufen zurück zur Undergroundstation Embankment, um von dort aus zwei Stationen mit der Bakerloo-Tube zum Piccadilly Circus zu fahren, denn nun wird's langsam dämmerig. Vom Leicester Square vorhin hätten wir es zwar viel näher dahin gehabt, aber da war es noch zu hell... an diesem Tag, der uns 12° Celsius bescherte, sogar ab und zu Sonne und den ganzen Tag kein Regen.

 

Leuchtende Reklame am Piccadilly Circus und sechs Stockwerke Bücher bei "Waterstones"

 

Mittlerweile ist es um die sieben Uhr abends und daher dunkel genug für das Leuchten der Reklame. Schon direkt beim Heraustreten aus der Undergroundstation am Piccadilly Circus strahlt sie uns entgegen, auf diesem immer vollen Platz.


Piccadilly Circus mit neuer Leuchtreklame
Piccadilly Circus mit neuer Leuchtreklame

 

Fotoshooting absolviert und weiter geht's um viertel nach sieben Uhr zu "Waterstones" (oder, wie es bis Januar 2012 hieß: Waterstone’s), dem führenden Filial-Buchhändler in Großbritannien. Gleich "um die Ecke" vom Piccadilly entdecken wir diese riesige Buchhandlung und statten ihr kurz vor Toreschluss noch einen Besuch ab.

Über sechs Stockwerke verteilen sich Bücher aller Art (na gut, in der sechsten Etage befindet sich das Café von Waterstones...), Belletristik, Sachbücher, Kinderbücher, Reiseführer, historische Romane... ach, alles, was man sich so vorstellen kann ist hier zu finden und natürlich alles auf englisch, ist ja klar. Knapp eine halbe Stunde verbringen wir in der Buchhandlung und vor lauter Angeboten, gepaart mit Zeitknappheit, kaufen wir letztlich doch nichts...

Eingang Waterstones am Piccadilly
Eingang Waterstones am Piccadilly
Bücher, Bücher, Bücher... über sechs Etagen
Bücher, Bücher, Bücher... über sechs Etagen

Nach einem langen Tag zieht es uns nun allmählich zum Womo. Wir fahren eine Station mit der Tube zurück zu Charing Cross, von wo aus es um 20.09 Uhr zurück nach Abbey Wood geht. Um viertel vor neun Uhr sind wir am Bahnhof in Abbey Wood und kurz vor neun Uhr wieder "zu Hause". Ein zehnstündiger, abwechslungsreicher und interessanter "Besichtigungsmarathon" durch London geht nun zu Ende, es "qualmen" die Füße, die wir jetzt nur noch entspannt hochlegen.

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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