2. Tag London-Sightseeing: die Queen, Sherlock Holmes und Harry Potter geben sich die Ehre...

Di., 11. April 2017, 5. Reisetag / 0 Tageskilometer (mit Womo) / London

Buckingham Palace
Buckingham Palace

Ein bisschen steckt uns der anstrengende Tag von gestern noch "in den Knochen", so dass wir heute bei erneut tollem, "besichtigungs-geeignetem" Wetter erst gegen kurz vor halb zwölf Uhr vom Womo aus losmarschieren. Die (jüngere) Hälfte der Familienmitglieder will außerdem das Ausschlafen bis um neun Uhr herum auch als Urlaubserholung verstanden wissen und ist damit durchaus der Gruppe der Langschläfer zuzuordnen.  Zudem kommen wir, wenn wir später fahren, nicht in die überfüllten Züge des morgendlichen Berufsverkehrs.

 


Bis dann ein meist umfangreicheres Frühstück, das wir uns auch im Urlaub gönnen (mit aufgebackenen Brötchen aus unserem Omnia-Backofen, Kaffee, Tee, Milch, O-Saft und einer schönen Auswahl an Brötchenbelag), aufgebaut, gegessen und wieder abgeräumt ist, vergeht ebenfalls ein wenig Zeit und die tägliche Körperpflege mal vier muss natürlich auch noch sein...

Dieses Mal fahren wir von Abbey Wood aus ohne umzusteigen zur Station Charing Cross, von wo aus wir gestern Abend den Heimweg angetreten haben. Diese Station liegt ja noch "zentraler" in der City als Cannon Street und ist daher eine gute Ausgangsbasis für unseren heutigen Trip durch London. Um viertel nach zwölf Uhr kommen wir dort an.

Wir gehen zunächst wieder zum nahegelegenen Trafalgar Square und von dort aus weiter durch den Admiralty Arch, den Triumphbogen, der die östliche Begrenzung der "Mall" markiert. "The Mall" - das ist die mit rotem Straßenbelag versehene "Prachtmeile" zum Buckingham Palace, auf der sicherlich schon tausende Male die Queen winkend und mit Handtäschchen versehen vorbeidefiliert ist.

Auch wir schlendern dem Palast entgegen und sehen linkerhand den St. James's Park, wo heute bei diesem sonnigen Frühlingswetter einiges los ist: Yoga-Begeisterte in meditativ-entrückter Körperhaltung neben Sonnenhungrigen in bereitgestellten Liegestühlen, Unmengen an Jogger, mehrere Staffelläufer, die mit ihrem Holzstab immer hin und her laufen, Kinder, Eltern... ein lebhaftes, buntes Gewusel im Park.

Bevor wir den Buckingham Palace in Gänze bewundern können, "versperrt" uns das Victoria Memorial mit der vergoldeten Siegesgöttin oben drauf die freie Sicht (man fühlt sich bei ihrem Anblick ein bisschen an die "Goldelse" der Siegessäule in Berlin erinnert ...).

Schon außen um den Palast herum herrscht fast "majestätische" Stimmung: Goldeingefasste Tore begrenzen die umliegenden Parks, bunte Blumenbeete mit Tulpen (passend zur Jahreszeit) geben ein farbenfrohes Bild und die Laternen und schmiedeeisernen Zäune mit den Initialien "E II R" sind überall zu sehen, die Zeichen Queen Elisabeths II., die uns auch gestern im Tower schon so oft aufgefallen sind.

Wenn die Royal Standard, die königin-eigene Flagge gehisst ist, soll die Queen ja in der Königlichen Residenz weilen, doch leider ist heute nur der Union Jack, die "normale" englische Flagge zu sehen. "Lisbeth" ist also außer Haus.

Natürlich schauen wir neugierig duch den Zaun, der den "Vorplatz" des Palastes begrenzt und beobachten die Grenadier Guards, die Soldaten des königlichen Leibregiments, in ihren kleinen Wachhäuschen und beim gelegentlichen kurzen Marsch hin und her.

Ein wenig bleiben wir noch vor Ort, doch eine Führung durch ausgewählte Räume des Palastes, wie man sie seit einiger Zeit buchen kann, können wir nicht machen, dies ist nur von Ende Juli bis September möglich, wenn die Queen traditionell in Schottland weilt.

 

 

Stattdessen schlagen wir die Richtung zum Piccadilly ein, schön idyllisch durch den Green Park, der sich ebenfalls - wie der St. James's Park - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Palast befindet.

Auf der anderen Seite des Parks, Piccadilly, die Straße, die schließlich auch zum Piccadilly Circus führt. Doch bevor wir dort ankommen, verdient ein Souvenirladen so einige britische Pfund durch die Fernschreiber-Töchter. Während drinnen die Andenken mehrmals "auf links gekrempelt" und die jeweils passende Auswahl für die verschiedenen Daheimgebliebenen genauestens zugeordnet werden, entdecken wir Eltern im nur wenige Meter entfernt liegenden Innenhof des Cambridge-Hauses ein nettes Arrangement von diversen "Oldtimer-Bullis" im Halbrund, die verschiedene Gerichte - von fish & chips über Spanferkel bis hin zu bubble Waffeln - anbieten. Das alles unter freiem Himmel mit netten Sitzgelegenheiten unter Sonnenschirmen und wunderbar, um ein wenig Energie zu tanken für die noch kommenden Besichtigungen und Trips.

Das Cambridge-House - durch Zufall haben wir auf diese Weise eines der wenigen noch erhaltenen adligen Stadtpalais in London gefunden. Es steht nach vielen wechselnden Bewohnern im Laufe der Jahrhunderte im Moment leer, ist aber schon 2012 gekauft worden und es soll nun zu einem exklusiven Wohnkomplex mit 48 Zimmern im Wert von 200 Mio. Pfund umgebaut werden. Damit wäre es das teuerste Wohnhaus Großbritanniens. 

In der Tat finden dezent Bauarbeiten am und im Gebäude statt, als wir da sitzen und unsere fish & chips essen. Bei den Toiletten im "Kellergewölbe" ist allerdings noch nichts von dieser Exklusivität zu sehen; hier gibt es zwar fließend Wasser, aber hauptsächlich von den Wänden und die Abflussrohre sind alle verstopft... Möglichst wenig anfassen und Hände desinfizieren, lautet da die Devise. Muss man aber auch mal erlebt haben.

Gesättigt geht's um halb drei Uhr weiter Richtung Piccadilly Circus. Londons bekanntester Platz muss natürlich auch besucht werden, auch wenn wir durch unsere Urlaubsvorbereitungen wissen, dass die weltberühmte Leuchtreklame seit Januar diesen Jahres bis etwa in den Herbst hinein abgeschaltet ist und überarbeitet wird.

Auf dem Weg dahin kommen wir an der "Burlington Arcade" vorbei, einer mondänen Ladenzeile mit Wachpersonal am Anfang und Ende, das die vielen erlesenen Schmuckstücke, Rolex-Uhren und anderes wertvolles "Geschmeide", exklusive Kleidung und dergleichen mehr beaufsichtigt. Wir gehen einmal durch die Arkaden, sehen die Preise in den Auslagen, wenn sie überhaupt gekennzeichnet sind, staunen... und gehen weiter...  Heraus kommen wir an der Straße "Burlington Gardens", folgen dieser und der kurzen Vigo Street bis zur Ecke Regent Street, wo wir abermals auf unserem Weg zum Piccadilly Circus "hängenbleiben", dieses Mal in einem riesigen "Superdry"-Store, der die Teenager-Töchter mit (für unsere Verhältnisse und Bedürfnisse) reelleren Preisen magisch anzieht.

Nach recht ausgiebiger Shopping-Tour sind wir um viertel vor vier Uhr endlich am Piccadilly Circus.

"#PiccadillyLights is getting a makeover", so prangt es uns von den Tafeln entgegen, die anstatt der Leuchtreklame nun für ein Dreivierteljahr auf Holz und Tuch gespannt dort hängen. Schade, dass wir just zu einer Zeit in London sind, wo die berühmten Leuchttafeln ihre Lichter ausschalten. Abgesehen vom 2. Weltkrieg und der Zeit unmittelbar danach ist dies der längste Zeitraum ohne Leuchtreklame. Ein Grund mehr, der britischen Hauptstadt irgendwann später erneut einen Besuch abzustatten und den neuen geplanten einzigen großen LED-Screen zu bewundern, den man dann nach Bedarf in bis zu in fünf einzelne Werbeflächen splitten kann.

 

 

Nachdem wir das quirlige Treiben rund um den Piccadilly Circus eine Zeitlang beobachtet haben, beschließen wir, mal wieder mit einem der roten Linienbusse in die Baker Street zu fahren. Warum Baker Street? Weil wir mit einer unserer Fernschreiber-Töchter eine glühende Verehrerin von Sherlock Holmes und allem, was dazu gehört, in unseren Reihen haben, wie schon an anderen Stellen mehrmals erwähnt. Dass es sich hierbei eher um die modernere Variante mit Benedict Cumberbatch handelt, ist nicht weiter tragisch, da im Grunde alles von Sherlock Holmes, von Sir Arthur Conan Doyle angefangen, "verschlungen" wird.

Außerdem sind Doyle und Cumberbatch ja sogar verwandt miteinander, wie Wikipedia verrät: "Ahnenforscher fanden heraus, dass Cumberbatch ein Cousin 16. Grades von Arthur Conan Doyle ist, dem Schöpfer von Sherlock Holmes, für dessen Darstellung Benedict Cumberbatch weltweit bekannt ist. Cumberbatchs und Doyles gemeinsamer Vorfahre ist John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster, der Sohn des englischen Königs Eduard III.

John of Gaunt war Doyles 15. Urgroßvater und gleichzeitig Cumberbatchs 17. Urgroßvater."

Na ja, die Verwandtschaft ist zwar - gelinde gesagt - sehr "weitläufig", aber dennoch irgendwie vorhanden, man muss nur lange genug danach suchen...

Um kurz vor halb fünf Uhr kommen wir nach einigem "Sightseeing mit dem Linienbus" in der Baker Street "221b" (reine Fiktion; damals gingen die Hausnummern nur bis 100 und heute wäre es eigentlich Nr. 239) und beim Sherlock Holmes Museum an. Auch hier erwartet uns eine ewig lange Menschenschlange vor der (fiktiven) Wohnung von Holmes und Dr. Watson. Wir blicken angesichts dessen und der mittlerweile fortgeschrittenen Zeit etwas skeptisch drein ob eines Besuches im Museum und schauen erst einmal im nebenan liegenden Shop mit allen möglichen Devotionalien vor allem des originalen Sherlocks, aber auch Stücken aus den Cumberbatch-Verfilmungen, vorbei.

 

Die "neue" Baker Street 221b mit B. Cumberbatch verfilmt
Die "neue" Baker Street 221b mit B. Cumberbatch verfilmt

Mittlerweile ist es viertel vor fünf Uhr, das ein oder andere britische Pfund ist im Holmes-Laden geblieben und wir entscheiden, das Museum nicht zu besuchen. YouTube-Videos müssen den eigenhändigen Besuch ersetzen, denn das dauernde Schlangestehen an den einzelnen Attraktionen kostet so viel Zeit, dass wir zu unseren anderen Unternehmungen und Plänen sonst kaum mehr kommen würden (es sei denn, wir würden doch morgens um acht Uhr losfahren...). Außerdem teilen nicht alle in der Familie diese Euphorie der Detektivgeschichten und London bietet ja noch soooo viel mehr... Aber ein anderer "sherlock-bezogener" Besuch muss doch noch sein: Wir fahren knapp zwei Kilometer weiter zum Euston Square und gehen von da aus zur North Gower Street 187, zu "Speedy's Sandwich Bar & Café", denn dort fanden die Filmaufnahmen des "neuen" Sherlocks statt; hier ist also der Eingang und die Wohnung der "neuen" Baker Street 221b mit Benedict Cumberbatch und Martin Freemann, in der in Wirklichkeit koreanische Studenten leben und die nicht zu besichtigen ist. In Speedy's Café nebenan wurden auch einige Szenen gedreht. Das muss man doch gesehen haben... 

Da trifft es sich gut, dass die North Gower Street auf dem Weg zu den Bahnhöfen St. Pancras und King's Cross liegt... Denn eine weitere Leidenschaft unserer Töchter sind die Harry Potter-Bücher und Filme. Man sieht also, unser Nachwuchs hat einen großen Anteil an Mitbestimmung bei unserem London-Aufenthalt...

So nehmen wir die circa eineinhalb Kilometer bis King's Cross in Angriff, laufen an der British Library, der englischen Nationalbibliothek mit dem weltweit größten Medienbestand aller Bibliotheken, vorbei und sind um zwanzig Minuten vor sechs Uhr an St. Pancras, wo die Außenaufnahmen des Bahnhofs für die Filme entstanden. Beeindruckende gotische Fassade! Passt so richtig in die Harry Potter-Filme.

 

 

Nur ein paar Meter weiter in der modernen, auf ganz andere Weise beeindruckenden Halle des King's Cross Bahnhofs mit lila Deckenbeleuchtung finden wir an einer hinteren Stelle der Halle, zusammenhanglos und knapp beschildert, den "halben Gepäckwagen", der in den Filmen am Bahnsteig 9 3/4 Richtung Hogwarts führt. Eigentlich sind wir nur der Menschenmenge gefolgt, die in dem eh schon gut besuchten Bahnhof an dieser Stelle noch ein wenig größer ist als woanders; der Hype um Harry Potter lässt grüßen!

Es ist nicht möglich, ohne vorher 9 £ berappt und (mal wieder) in einer langen Warteschlange ausgeharrt zu haben, an den Gepäckwagen heranzukommen. Absperrbänder und Security sorgen dafür, dass man in einem gebührenden Halbkreis um das "Heiligtum" herum stehenbleibt, damit hier Fotoaufnahmen mit den jeweiligen Touristen - vornehmlich Kinder und Teenager stilecht mit für das Foto geliehenem flatternden langen Harry Potter-Schal um den Hals arrangiert - gemacht werden können.

 

 

Wir schauen uns das "magische Treiben" an, inspizieren den nebenan liegenden Harry Potter-Shop ausgiebig und kaufen uns eine Kleinigkeit bei Pret A Manger zu essen. Anschließend fahren wir - mal wieder mit einem der roten Doppeldecker-Linienbusse - zurück, vorbei an Madame Tussouds Wachsfigurenkabinett und - wie kann es auch anders sein - der ellenlangen Schlange davor. Um kurz vor sieben Uhr sind wir wieder am Trafalgar Square. Von dort laufen wir wieder zu Charing Cross, "unserem" Bahnhof, an dem wir heute Morgen ausgestiegen sind und von dem aus wir abends wieder zurück nach Abbey Wood fahren.

Da das Wetter nach wie vor so schön ist, gehen wir noch einmal auf die Golden Jubilee Bridge neben dem Bahnhof, um von dort im wolkenlosen Abendlicht das Golden Eye und - mit Teleobjektiv - Big Ben und Westminster Abbey zu fotografieren. Dieses Mal gehen wir aber nicht ganz über die Brücke, sondern fahren um 19:18 Uhr in einer Direktverbindung zurück zum Womo, an dem wir um ziemlich genau viertel nach acht Uhr abends ankommen. Die Füße "qualmen", aber wir haben wieder viel gesehen, auch wenn man in einer so großartigen Stadt eigentlich ständig das Gefühl hat, man müsse noch viel mehr besichtigen und kann den ganzen Attraktionen in den paar Tagen unseres Aufenthaltes selbstverständlich nicht gerecht werden. 

Tja, wir müssen wohl noch ein paar Mal wiederkommen, denn morgen bricht schon unser letzter geplanter Tag in London an!

 

Das sind wir:

Die Fernschreiber.

 

Gerne unterwegs in unserem Knaus Sky Wave 650 MF.

 

In unserem Wohnmobil sind wir zu Hause, in einem Hotel nur Gast.

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